„Wir sind wie ein Seismograph“

Setzen sich für Hilfesuchende in der Gesellschaft ein: Astrid Kempf (von links), Marion Frede, Angela Carld, Anne-Marei Stamme, Sandra Heuer, Jessica Kind, die für die Kirchenkreissozialarbeit in Langenhagen zuständig ist, und Superintendent Holger Grünjes. (Foto: O. Krebs)

Diakonieverband: Beziehungsarbeit bedeutet auch Konstanz

Langenhagen (ok). Die Arbeit des Diakonieverbandes ist vielfältig, was die Optionen für Hilfe- und Ratsuchende angeht: Allgemeine Sozialberatung, Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung, Kurberatung und Kurvermittlung.
Menschen mit Schulden oder Suchtproblemen sind beim Diakonieverband Hannover-Land, der sich außer Seelze und Garbsen um 18 Umlandkommunen kümmert. Arbeits- und Wohnungslose finden ebenso Hilfe. Darüber hinaus gibt es Angebote zur psychischen Gesundung. Der Handwerkerservice ergänzt das Ganze. Geschäftsführerin Sandra Heuer stellt fest: „Wir sind wie ein Seismograph, wollen herausfinden, was die Menschen bewegt.“
Dabei spielen auch Themen wie Kinderarmut sowie Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit eine große Rolle. Die Kirchenkreissozialarbeit übernehme da so zu sagen eine Scharnierfunktion zwischen Kirchenkreis und Diakonieverband. Die Kirchenkreissozialarbeit ist die erste Anlaufstelle, bei Bedarf wird auf weitere Fachbereiche verwiesen.
„In finanziellen Notlagen versuchen wir, alle gesetzlichen Möglichkeiten auszuschöpfen. Wir überprüfen Bescheide und gehen auch in Widerspruchsverfahren“, erläutert  Angela Carld. Zuhören und Zeit nehmen sei auch ganz wichtig.
Astrid Kempf ist für das Thema Kuren zuständig. Die Nachfrage sei in allen Bereichen gestiegen, gerade in Corona-Zeiten. Der Wunsch nach Abstand zueinander sei in dieser Phase offensichtlich groß. Existenzielle Sorgen hätten eben dünnhäutig gemacht. „Mittlerweile ist es auch relativ leicht eine Kur zu bekommen“, so Astrid Kempf.
Und Anne-Marei Stamme, gerade aus der Elternzeit zurückgekommen, kann auch noch eine signifikante Zahl beisteuern: „In der Corona-Zeit ist die Zahl der ungewollten Schwangerschaften um 40 Prozent gestiegen, teilweise mit Abbruch.“ Fehlende Verhütung und Aufklärung seien die Gründe. Die Beratung sei anonym, kostenlos und auch konfessionsunabhängig. Weitere Zahlen: 70 Prozent der Klienten haben Migrationshintergrund, 76 Prozent beziehen Sozialleistungen. Die Beratung ist gesetzlich verankert, deshalb kommen die Hilfesuchenenden auch nicht nur aus Langenhagen. Das Engagement der Mitarbeiterinnen sei groß, Beziehungsarbeit sei auch Konstanz.