„Wir haben den Tourismus als Wirtschaftsfaktor verschlafen!“

Im Gespräch (v.l.): Rainer Fredermann, Heinz Heinicke und Eberhard Wicke. (Foto: Svenja Steinseifer)

Müll, Y-Trasse und Touristen: Diskussion mit CDU-Regionskandidaten

WETTMAR (svs). Dinge, die niemand haben möchte – Müll, Schlamm aus dem Würmsee oder Schienen direkt vor der Haustür. Am vergangenen Dienstag debattierten die CDU-Kandidaten aus Burgwedel für die Wahl zur Regionsversammlung, Heinz Heinicke und Rainer Fredermann mit dem gegenwärtigen CDU-Regions-Fraktionsvorsitzenden Eberhard Wicke über Güterbahnumgehung, Altlasten und den „Dornröschenschlaf“ in Bezug auf den Tourismus. Birgit Diers, die dritte CDU-Kandidatin aus Burgwedel, war aus gesundheitlichen Gründen an diesem Abend verhindert.
„Ein ungelegtes Ei“ sei sie, über das man aber diskutieren müsse. Keine 100 Meter wäre sie von Wettmar entfernt. Haben wolle sie in Burgwedel niemand. Signale für den Bau der Güterbahnumgehung kämen auch auf Landesebene seitens der FDP. Warenumschlag anzukurbeln ohne die Infrastruktur im Kopf zu haben, sei ein Ding der Unmöglichkeit. „Der einzige stichhaltige Trumpf, den wir haben, ist das Moor als Naturschutzgebiet“, argumentiert Rainer Fredermann gegen die Trasse. Auch die Topographie sei ungünstig.
Zwei Dinge müssten passieren, bevor aus dem ungelegten Ei eine Bahnstrecke wird: „Erst muss die Deutsche Bundesbahn kommen und die Karten auf den Tisch legen“, betont Wicke. Dann erst seien die Kommunen gefragt. Uneinigkeit herrsche auch innerhalb der Deutschen Bahn. „Die ideologische Auseinandersetzung zweier Fraktionen muss dort erst einmal beendet sein“, sagt Bernhard Surmann. Die einen seien für die direkte Verladung vom Hafen auf die Lkws, die anderen für ein schnelles, weitreichendes Schienensystem. „Bevor diese Diskussion nicht beendet ist, wird keiner eine Schwelle verlegen!“
Zu bedenken gibt Eberhard Wicke die staatliche Sicht: „Wir sind natürlich eine Export-Nation.“
Wichtig sei auch, die Dinge im Gesamtkontext zu sehen. Was wäre Burgwedel ohne die gesamte Infrastruktur? Ruhe bewahren, aber wachsam sein. Argumente sammeln. Für Wicke vorerst die richtige Strategie. Für den Fall der Fälle strebt Rainer Fredermann die bestmögliche Lösung an: „Ich würde versuchen, einen vernünftigen Verlauf für die Trasse zu finden“, erklärt er, „wenn es denn sein müsste!“
Auf die Frage warum es in der Region Hannover keinen Tourismus gebe, fand der Fraktionsvorsitzende eine klare Antwort: „Weil wir es verschlafen haben!“ Schwerpunkte der Tourismusregion Hannover seien das Steinhuder Meer und der Ausbau eines „Fahrradlandes“. „Was uns ein bisschen fehlt, ist eine Vernetzung“, räumt Wicke ein. Und um „den Würmsee aus dem Dornröschenschlaf zu wecken“, müsse man sich zunächst vor Ort einig sein. „Der See verlandet“, erklärt Heinz Heinicke. Eine Ausbaggerung sei nur im Rahmen der Naherholung möglich und eine finanzielle Frage, auf die Wicke allerdings eine deutliche Antwort hat: „Die Region ist pleite!“ Mit Grauen denke er außerdem daran, wohin der Schlamm sowohl aus dem Steinhuder Meer als auch aus dem Würmsee abtransportiert werden solle.
Schlamm – eine Altlast von den insgesamt 800, die in der Region lagern. Allein 120.000 Tonnen Asbest müssten in Wunstorf-Luthe entsorgt werden. „Wenn wir diese Altlasten haben, müssen wir sie auch sauber entsorgen“, betont Wicke. Auch mit Politik gegen den Wind. Für grüne Energie sei zum Beispiel jeder, „aber Windräder bitteschön nur in Ostfriesland“, bringt Wicke weit verbreitete Anschauung auf den Punkt.
Keine Altlast aber eine alltägliche Last kam ebenfalls zur Sprache – Müll. In den Sack oder in die Tonne? Eine höchstmögliche Separierungsquote und geringe Kosten, darauf lege Wicke sein Hauptaugenmerk. Und auf ein effektives Müllsystem, dass jeder versteht. Nicht von jedem verstanden wurde, warum man sich in Stadt und Umland in Sachen Müll überhaupt einig sein müsse. Fakt sei, dass die Separierungsquote mit der Tonne niedriger ausfalle wie mit der Sackabfuhr. „Mit der Mülltrennung verdienen wir unser Geld!“, betont der Fraktionsvorsitzende. Zwei Drittel der Separierungen kämen aus dem Umland und nur ein Drittel aus der Landeshauptstadt.
Angesichts der Mehrheitsverteilung und des Burgwedeler Bürgermeisters Dr. Hendrik Hoppenstedt schaut Wicke positiv in Burgwedels politische Zukunft und auch auf den kommenden Kommunalwahlkampf.