Wildschadensschätzer als Ehrenamt erfordert eine Menge Fingerspitzengefühl

Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt, rechts, überreicht den beiden Wildschadensschätzern Friedhelm Leisenberg und Heinrich Knoop die Ernennungsurkunden. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Hier haben die Sauen frisch auf einer Brache gebrochen. Man stelle sich die Krater auf einer Weide vor. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Heinrich Knoop und Friedhelm Leisenberg erhielten ihre Ernennungsurkunden

BURGWEDEL (hhs). Am Montag dieser Woche hat Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt den beiden Landwirten und Jägern Heinrich Knoop aus Engensen und Friedhelm Leisenberg aus Kleinburgwedel ihre Ernennungsurkunden zu Wildschadensschätzern übergeben. Für Knoop und Leisenberg beginnt nun eine weitere fünfjährige Amtszeit. Beide sind schon lange Jahre in diesem Ehrenamt tätig, Heinrich Knoop seit 1988, Leisenberg als sein Stellvertreter seit 1997.

Es handele sich um ein Ehrenamt, das eine Menge an Fingerspitzengefühl erfordere für die beiden Bereiche Landwirtschaft und Jagd, formulierte es Dr. Hendrik Hoppenstedt. Es drehe sich bei „Wildschaden“ ums Geld, das den Landwirten auf ihren bestellten Flächen insbesondere durch die Fressschäden an Kartoffeln, Mais und Getreide sowie auch durch das Umbrechen von Wiesen und Weiden durch die Schalenwildarten Rot-, Dam-, Reh- und Schwarzwild entgehe. Bundes- und Landesjagdgesetze sehen eine Wildschadensersatzpflicht für die Revierinhaber vor. Nicht immer würden die Landwirte und die Jäger dabei zu einem Kompromiss finden. Erst wenn es keinen Konsens um den Ersatz des Wildschadens gebe, kommen die beiden Sachverständigen zum Einsatz, gewissermaßen als Schiedsmänner in Sachen Wildschäden, um einen gerichtlichen Streit, soweit überhaupt noch möglich, zu vermeiden.
„Meistens bekommen wir das hin“, plauderte Heinrich Knoop aus dem Nähkästchen. „Es kommen schon mal überhöhte Forderungen vor, und manchmal sagt uns unsere Menschenkenntnis ganz einfach, dass die beiden unterschiedlichen Charaktere des betroffenen Landwirts und des ersatzpflichtigen Jagdpächters allein zu keiner einvernehmlichen Lösung kommen können. Dann versuchen wir ausgleichend zu wirken“. Gelingt das nicht, dann wird der Schaden bis ins Detail vermessen und berechnet, und anschließend sind dann die Gerichte gefragt. „Da müssen unsere Gutachten dann der Beweisaufnahme Stand halten“.
Friedhelm Leisenberg pflichtete ihm bei: „In diesem Bereich ist Fairness gefragt, denn unser Wild unterscheidet nicht landwirtschaftliche und forstliche Kulturen vom Rest der Landschaft, in dem es keinen Schaden anrichten kann. Als Landwirt kann ich den Ertragsverlust durch Wildschaden an einer Kultur einschätzen, als Jäger weiß ich aber auch, dass ein absolut sicherer Schutz dieser Flächen zur Verminderung des Wildschadens nicht möglich ist“. Wildschweine gingen zum Beispiel gern in den Mais. „Zweimal im Jahr“, schmunzelt Leisenberg. „Zuerst im Frühjahr, wenn die Landwirte den Mais gedrillt haben. Dann suchen sie sich mit ihrer guten Nase die Maiskörner aus dem Boden. Der Schaden ist beträchtlich. Im Spätsommer gehen sie dann wieder verstärkt in den Mais, wenn die Kolben kommen. Schweine sind schlau: Wo sie nicht drankommen, brechen sie die Pflanze ab, um an ihn heranzukommen“. Im Frühjahr könne man nach drillen, der Schaden an der Pflanze später sei dagegen irreparabel. „Das ärgerlichste ist, dass die Sauen den Kolben meistens nur anbeißen und die Hälfte dann verrottet“, fügte Heinrich Knoop an. Auch das Rotwild gehe gern in die Maisfelder. „Das kann man am Schadensbild gut und eindeutig erkennen. Das Rotwild äst die Maispflanze von oben ab“, erklärte Heinrich Knoop. Es sei ein unheimlicher Aufwand für die Jäger, große Maisfelder mit Elektrozäunen vor Wildschaden zu sichern oder sie mit Duftstoffen, die das Wild abschrecken. „Letztes hilft nur ein paar Wochen, dann ist die Wirkung dahin“, weiß Knoop aus Erfahrung, „und ein Elektrozaun ist auch kein sicherer Schutz“. Wenn dennoch trotz des großen Aufwands starker Wildschaden auftrete, sei der Ärger der Jäger ebenso verständlich wie der der Landwirte.
Besonders ärgerlich sei der Schaden, den Wildschweine an den Kartoffelfeldern anrichten: „Wir haben das schon beobachtet“, erzählte Friedhelm Leisenberg. „Die Sauen gingen auf ein Kartoffelfeld, jede nahm sich eine Reihe vor und wühlte sie auf. Am Ende des Feldes stellten sie sich neu auf und machten sich auf die gleiche Weise auf den Rückweg“. Das Schlimmste seien aber die Schäden am Grünland durch Wildschweine: „Sauen sind Allesfresser und brauchen auch tierisches Eiweiß. Das finden sie im Bereich der Grasnabe, den Wurzeln der Pflanzen auf dem Grünland. Würmer, Mäuse, Engerlinge sind ihre Beute. Sie brechen den Wurzelbereich mit ihrem Wurf , ihrer Schnauze, tief auf, bis sie an das Objekt ihrer Begierde heran gelangen. Da können richtige kleine Krater entstehen“, weiß Leisenberg. Wenn dieser Schaden großflächig auftrete, könne man das Grünland nur neu ein säen. „Hält sich der Schaden in Grenzen, dann handhaben wir Jäger in Kleinburgwedel das so, dass wir alle gemeinsam im Frühjahr diese Schäden an der aufgebrochenen Grasnabe beheben“. Das heißt nichts anders, als mit Forke und Spaten bewaffnet die aufgeworfenen Plaggen wieder umdrehen und fest treten, ein schweißtreibende und zeitaufwändige Tätigkeit immer dort in jedem Frühjahr, wo Wildschweine ihre Fährten ziehen.