Wettmar von seiner schönsten sommerlichen Seite

Das Ensemble mit Flötistin Sabine Kaufmann, Christiane Joost-Plate und Annette Langehein, Violine und Viola und Klaus Wunderer, Violincello. (Foto: Renate Tiffe)
 
Begeisterter Applaus am Schluss. (Foto: Renate Tiffe)

Gartenkonzert in diesem Jahr auf Bodes Hof

WETTMAR (ti). Am Abend vorher eine Serenade mit Stücken von Bach und Schubert. Am Sonntagmittag dann eins der Gartenkonzerte, wie sie in Wettmar bereits seit Jahren eingeführt sind – diesmal erweitert um Lesungen nach Kalenderblättern für Juli und August, dargebracht in der Atmosphäre eines verwunschenen Hofes, dessen Türbalken die Zahl 1788 trägt. Dazu eine Kunstausstellung, die sich dem Rahmen anpasste. Wettmar zeigte sich von seiner schönsten sommerlichen Seite, „Gestillte Sehnsucht“ das Motto.
Unter dem Sonnensegel vor dem Hauseingang und auf einem von der Stadt herbeigeschafften Podest musizierten Annette Langehein und ihr hochklassiges Ensemble - dem „Konzertsaal“ draußen angemessen - erlesen ausgesuchte Klassik: Mozart, Schumann, Brahms, aber auch Ravel und Astor Piazzolla zum Schluss. Die Auftritte der Sopranistin Sylvia Bleimund fügten sich ein. Dazwischen dann erfrischende Prosa zum Thema Sommer (Ringelnatz, Tucholsky, Alfred Polgar) und Lyrik, heiter, aber auch mit einem Hauch von Melancholie in Hebbels „Sommerbild“: ich sah des Sommers letzte Rose stehen. Das Publikum war hingerissen. Worte wie „wunderbar “waren immer wieder zu hören. Mehr als 150 Menschen aller Altersstufen, darunter besonders viele Gäste aus den umliegenden Gemeinden und aus Hannover hatten den Weg nach Wettmar gefunden.
Die Musiker blieben noch bis zum späten Nachmittag. Wer wollte konnte seinen Picknickkorb auspacken. Familiär, freundschaftlich, kommunikativ in diesem besonderen Ambiente wünschte sich Kurt Kaschke (jawohl, der Realschullehrer) die Atmosphäre für die Wettmarer Gartenkonzerte, die er zusammen mit seiner Frau Annette Langehein vor sieben Jahren ins Leben gerufen hat. Seit 2003 ist die Familie in Wettmar ansässig. Ihnen komme es darauf an, ein Miteinander in guter Laune zu schaffen, damit die Menschen auch dabeibleiben. Die Hemmschwelle vor klassischen Konzerten solle sich auflösen, meinte Kaschke. Der Diplominstrumentallehrerin für Violine und Viola Langehein kommt es vor allem auch auf die Nachwuchsförderung an.
Um sich im zerstreuten Burgwedeler Kulturbetrieb ein wenig mehr Gehör zu verschaffen, ist im Dezember vergangenen Jahres der „Freundeskreis Burgwedeler Gartenkonzerte“ gegründet worden. Die Betonung liegt auf „Burgwedel“ weil die Musikveranstaltungen auch an anderen Orten stattfinden sollen. 16 Mitglieder zählt der Verein zur Zeit. Es dürften ruhig viel mehr werden.
„Wir können mehr als Blasmusik“, frohlockt Wettmars Ortsbürgermeister und Ratsherr der Stadt, Rainer Fredermann, begeisterter Besucher der Konzerte und Mitglied im Verein. Wobei wohl zu sagen ist: „jedes zu seiner Zeit“.
Ein wenig untergegangen im Getriebe des Konzert-Sonntags ist die begleitende Kunstausstellung. Unter den vier Ausstellern von Grafik, Fotografie und ästhetischen Objekten hat Gastgeber Dr. Dirk Bode sozusagen seinen Einstand als Fotograf gegeben. Seine Landschaftsaufnahmen passten hervorragend in den Rahmen des Hofes und der Veranstaltung. „Wir haben vor, Haus und Hof noch mehr für Ausstellungen zu nutzen“, hatte er bei der Begrüßung gesagt. Der nächste Termin steht schon fest. Es ist die Ausstellung „handmade“ am 27. und 28. August.