Wenn es beim Einsatz nur noch um das Bergen geht

Friedrich Kanjahn, Pastor aus Dollbergen-Schwüblingsen, ist selbst aktives Mitglied in der örtlichen Feuerwehr. (Foto: Kirchengemeinde Dollbergen)

Notfallseelsorge für Feuerwehrleute gewinnt an Bedeutung

BURGWEDEL/ISERNHAGEN (ti). Zwar differieren die Aussagen darüber, ob es insgesamt mehr Todesfälle bei den Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehren im Nahbereich gibt. Festzustellen ist jedoch, dass sich in letzter Zeit Vorkommnisse dieser Art häuften und dass die Bergung – nicht zuletzt wegen der komplizierten Sicherheitsbedingungen - immer schwieriger wird. Anlass für die Führungskräfte in den Wehren, das Thema Notfallseelsorge für die eigenen Leute mehr in den Vordergrund zu rücken. Eine Organisationsstruktur ist bereits vorhanden.
Die Kameradschaft wird unter den Aktiven in den Feuerwehren großgeschrieben. Nach den Einsätzen bleibt man meist noch eine Zeit beisammen, um die Erfahrungen zu besprechen und zu verarbeiten. Schwierig wird es, wenn Tote zu beklagen sind, „wenn wir nur noch bergen können“, wie es Heinz-Jürgen Krüger, Leiter im Abschnitt V, umschreibt. „Wenn einer gleich wegfährt oder wenn sein Verhalten anders ist als sonst, dann gilt es für die Gruppenleiter oder die Einsatzleitungen aufmerksam zu bleiben, auch über die nächste Zeit hinweg. Eventuell sollte bei Familienangehörigen nachgefragt werden. Man weiß nie, was im anderen läuft“, so Krüger. Manchmal werde erst nach dem dritten Bier immer wieder über das gleiche schaurige Erleben berichtet. Immer wieder kommen die gleichen quälenden Bilder. „Man kann nicht oft genug auf das Angebot der Notfallseelsorge hinweisen.“
Die Betreuung vollzieht sich in der Gruppe oder in Einzelgesprächen, die sich auch über einen längeren Zeitraum hinziehen können. Selten ist eine anschließende Psychotherapie bei Fachleuten vonnöten, zu denen es Kontakte gibt.
Meist ist der örtliche Geistliche bei einem schweren Unfall als erster mit zur Stelle, sofern er in die Organisationsstruktur mit eingebunden ist. „Traumatisierte machen einen wichtigen Anteil in der Notfallseelsorge aus“, meint Pastor Wilfried Karneboge aus Burgwedel. Mittlerweile habe es sich auch bei den Feuerwehrleuten eingebürgert, ihn anzusprechen. Im akuten Augenblick seien die Betroffenen meist sehr offen.
Dass dies so ist, ist Leuten wie Frank Waterstrat zu verdanken, dem Koordinator im Landesfeuerwehrverband, aber auch Friedrich Kanjahn. Der Pastor aus Dollbergen- Schwüblingsen, selbst aktives Mitglied in der örtlichen Feuerwehr, hat früh damit begonnen, sich der Problematik zuzuwenden. Krüger erinnert sich an sein erstes Seminar bei ihm vor etwa 18 Jahren. Seither werden Fortbildungsveranstaltungen in diesem Bereich für unterschiedliche Problemlagen durchgeführt, bei Nachfrage, zur Vorbeugung oder bei belastenden Ereignissen, wie es sie beispielsweise in der Wedemark in der vergangenen Zeit häufiger gegeben hat. In der Grundausbildung der Feuerwehrleute ist eine von Kanjahn erarbeitete Einheit für die Region mit enthalten. Wichtig sei es, weiter an der Vernetzung in der Feuerwehrleitstelle Ronnenberg zu arbeiten, betont der engagierte Seelsorger, der auch für den Flughafen Langenhagen zuständig ist.
Das schlimmste seien die Unfälle, sagt Krüger. In unterschiedlichen Gegenden werden spezielle Einsätze immer wieder gefahren. Aber die Feuerwehren sind auch zuständig, wenn bei Selbstmordgefährdeten oder bereits Toten die Wohnungstüren aufgebrochen werden müssen. Gewehrt haben sie sich dagegen, bei Selbstmorden vor dem Zug hinzugezogen zu werden. Da werden jetzt die Bestattungsunternehmen gerufen.