Wenn dem Hahn ohne seine Stange bange wird...

Pauke! Meike Kreim (rechts) funktioniert den Kopf des Kollegen Frank Schenke kurzerhand zum Instrument um. (Foto: Svenja Steinseifer)

Puppentheater „Arche Nova“ spielte im Rahmen von „KuK“ im ausverkauften Amtshof

GROSSBURGWEDEL (svs). Der Hahn soll in die Suppe, dem Esel werden die Säcke zu schwer und die Katze ist doch kein Dieb – was tun? Na klar, auf geht’s nach Bremen, als Stadtmusikant! Warum die tierischen Musiker gar nicht bis in die Hansestadt kommen, erzählen Frank Schenke und Meike Kreim in einer liebevollen und stimmgewaltigen Inszenierung.
Jede Stunde – Säcke schwerer, ich älter. Jede Minute, Säcke schwerer, ich älter – stöhnt der Esel und „haut schließlich in den Sack“. Er hat die Nüstern voll von der Schufterei und geht nach Bremen, Stadtmusikant werden. Basta. Liebevoll, lustig und manchmal auch ernst und gefährlich erzählten die Puppenspieler Frank Schenke und Meike Kreim am vergangenen Sonntag die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten im ausverkauften Amtshof Großburgwedel.
„Grimmsche Märchen sind dieses Jahr unser Thema“, erzählt Regina Gresbrand, Initiatorin von „Kunst und Kultur für Kinder in Burgwedel, „und das Puppentheater „Arche Nova“ war bereits letztes Jahr zu Gast, was super geklappt hat.“ Für Regina Gresbrand birgt die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten zwei wichtige Botschaften. „Märchen erzählen uns immer Wahrheiten durch die Blume“, sagt sie, „in diesem Fall, wie wir manchmal mit Menschen umgehen und wie stark wir sind, wenn wir zusammenhalten.“
Nicht ganz so stark läuft es mittlerweile für den Hund und für die Katze. Der eine ist dem Jäger zu langsam geworden, der anderen sind die Mäuse von heute zu schnell. Was also tun? Ganz klar, die Katze dirigiert ab jetzt den tierischen Chor und der Hund bellt munter mit. Und der Jäger? Schimpft auf schweizerisch weiter. „Die Dialekte helfen uns, die Rollen zu trennen“, erklärt Frank Schenke, der seit 15 Jahren mit seinen Puppen unterwegs ist. Immer wieder übt er vor dem Spiegel und schaut sich seine Figuren ganz genau an. „Auch die Masken sind ganz bewusst stark stilisiert“, sagt der Künstler, „so können wir den Charakter besser erfassen und es hilft beim Spielen.“
Esel, Katze und Hund sind mittlerweile auf den Hahn gekommen, der eigentlich in die Suppe sollte. Der Hahn entwischt und nun gibt es eben Gemüsesuppe. Im gruseligen Tannenwald schließlich kommt es zum tierischen Eklat: Dem Hahn wird ohne Stange bange, die Katze sehnt sich nach einem warmen Ofen, der Hund nach seinem Knochen und dem Esel wäre nach einer Fuhre Heu. Gottseidank flackert es in der Ferne – Haus in Sicht! Dummerweise gehört das den „Seppeldeutsch“ sprechenden Räubern, die kurzerhand verjagt werden. So unterschiedlich sie auch sein mögen, zusammen haben sich die Tiere etwas Besseres erkämpft. Bis Bremen sind sie zwar nicht gekommen, aber raus aus ihrem belastenden früheren Leben.
Um Zusammenhalt geht es auch Regina Gresbrand, die selbst überrascht ist, wie sehr „KuK“ in den letzten Jahren gewachsen ist. Jedem Kind, egal welcher Herkunft, welcher Einkommens- oder Bildungsschicht Zugang zu Kunst und Kultur zu geben, ist ihre Verantwortung. „Und die übernehme ich sehr gern.“ Und die vier Musikanten, die eigentlich nach Bremen wollten? Wie die Geschichte weitergeht, wird mit einem Wettbewerb entschieden. Noch bis November dürfen die Bremer Stadtmusikanten geknetet, gemalt oder gezeichnet werden. Mit Beginn der Osterferien hält die Kunstgalerie Hohmann die Unterlagen zum Kreativwettbewerb bereit. Entwürfe für Spiele sind ebenfalls willkommen und natürlich – die Fortsetzung. Denn die vier tapferen Musikanten haben die seppeldeutschen Räuber zwar verjagt, aber sollen sie wirklich für immer in dem gruseligen dunklen Tannenwald bleiben?