Weidetierhalter fühlen sich allein gelassen

Nicki Nowotny (Mitte) diskutiert mit den anderen Weidetierhaltern aus Immensen, wie sie ihre Tiere vor weiteren Übergriffen des Wolfs schützen können. (Foto: Wiebke Molsen)

Interessengemeinschaft Weidetierhaltung Immensen (IWI) mit 40 Mitgliedern gegründet

IMMENSEN (wim) Sie rüsten ihre Zäune auf, holen ihre Tiere in den Stall oder haben jeden Tag Angst zur Weide zur fahren, wenn beides ausgeschlossen ist – die Weidetierhalter rund um Immensen sind nach dem bestätigten Riss des Shetlandponys durch die beiden Wölfe Ende Juni in Panik. „Wir fühlen uns von der Politik mit dem Problem allein gelassen“, sagt Melanie Schaper, Sprecherin der Interessengemeinschaft Weidetierhaltung Immensen.
Sie hatte ihr Pony tot auf der Weide aufgefunden, nachdem es gegen Mittag von zwei Wölfen gerissen wurde. „Das ist das erste Mal, das nachgewiesen wurde, dass die beiden Wölfe gemeinsam gejagt haben“, sagt Schaper. Der Rüde GW950M sei aus dem Dannenberger Rudel zugewandert, die Fähe GW1423F von Jägern schon mit Nachwuchs gesehen worden.
Die Interessengemeinschaft will nun darauf aufmerksam machen, dass die artgerechte Weidetierhaltung durch den Wolf langfristig gefährdet ist. Das Wohl der Weidetiere stehe dem Wohl des Wolfes gegenüber. Und nicht nur das: „Auch Spaziergänger mit ihren Hunden oder die Familien am Naturfreundehaus Grafhorn könnten auf den Wolf treffen“, betont Nicki Nowotny, ebenfalls Sprecherin der Interessengemeinschaft.
Aus Angst vor dem Raubtier hat sie ihre Pferde von der Weide geholt und muss nun das eigentlich für den Winter vorgesehene Heu verfüttern. Ein wolfsabweisender Zaun sei im Landschaftsschutzgebiet verboten, um den Wildwechsel zu ermöglichen, hat sie erfahren. „Außerdem ist er unbezahlbar“, ergänzt Hans-Wilhelm Lieke, der seine 30 Mutterkühe das ganze Jahr über draußen hält.
Eine Förderung könne erst nach drei voneinander unabhängigen Rissen einer Tierart innerhalb von 12 Monaten beantragt werden. „Das Material für eine neun Hektar große Weide kostet dann mal schnell 29.000 Euro“, rechnet Schaper vor. Die Arbeitsstunden für die Errichtung des bei Pferdeweiden empfohlenen 1,40 Meter hohen Zauns kämen noch oben drauf. Auch Herdenschutzhunde seien aus Kostengründen, aber auch Gründen der Sicherheit für Spaziergänger, keine Option.
Bei all der Verzweiflung sind die Tierhalter sich einig, dass ihre Tierliebe den Wolf einschließt. „Gerade wenn man den Wolf liebt, sollte man sich doch aber auch um ihn kümmern“, sagt Alexandra Voigt. Der gesunde Menschenverstand sage ihr doch schon, dass bei einer so dichten Besiedlung wie in Deutschland eine Regulierung nötig sei.
Dass die Weidetierhalter nun unverschuldet mit dem Leid ihrer Tiere und dem aggressiven Ton der Wolfsbefürworter klarkommen müssen, hat sie zusätzlich erschreckt. „Ich bin bedroht worden und mir wurde sogar unterstellt, mein Pony selbst getötet zu haben“, ist Schaper immer noch erschüttert über die Stimmung, die ihr vor allem in den sozialen Medien entgegenschlägt.
Die Interessengemeinschaft Weidetierhaltung Immensen will sich nun mit anderen Bürgerinitiativen vernetzen und Erfahrungen austauschen. „Wenn die Population weiter so steigt, haben wir Angst vor der Zukunft“, sagt Nowotny.