„Waschtag“ bot eindrucksvollen Querschnitt zur Kulturgeschichte des Wäschewaschens

Volles Haus beim Tag der offenen Tür der Heimatstube kurz nach Mittag: Am Ende waren es mehr als 500 Besucher, die sich für die Angebote interessierten. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Schuhmachermeister Gerhard Becker, der ein Schuhmachermuseum in Brelingen betreibt, erklärte seinen Interessenten, über welche Eigenschaften „ein guter Schuh“ verfügen soll. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Tag der offenen Tür in der Heimatstube: Mehr als 500 Besucher genossen buntes Programm

GROSSBURGWEDEL (hhs). Ein Waschtag am Sonntag, das war auf dem Lande noch vor gut b50 Jahren ein Unding und galt als wahrlich verpönt: „Montags wäscht die Frau, sonntags wäscht die...“, hieß es in der ländlichen Derbheit damals, selbst berufstätige Frauen, die die ganze Woche über gearbeitet hatten und am Sonntag ihre Wäsche auf die Leine hängten, wurden so gedemütigt, manchmal verweigerte man ihnen den Gruß in den nächsten Tagen. So etwas mussten die Veranstalter um den Chef der Heimatstube am vergangenen Sonntag nicht befürchten, kaum jemand machte um das Außengelände des Deicken-Wöhler Hofes einen Bogen, obwohl dort die Wäsche auf der Leine hing. Ganz im Gegenteil, das zog die Burgwedeler geradezu magisch an. Mieder, Korsagen, Unterwäsche, BH's und mehr schaukelten sanft im Winde ihrer Trocknung entgegen, daneben präsentierten Angelika und Ingo Schneider Antikes aus Burgwedel, Schuhmachermeister Gerhard Becker besohlte Schuhe, Benthe Döhler, neun Jahre alt und begeisterter Klöppler auf perfekte Weise seine Kunst, ebenso Imker Michael Gorecki und Margit Forstreuter-Künstler bewies mit ihrer Butterei, dass die Herstellung dieses Nahrungsmittels früher eine wirklich schweißtreibende Betätigung war.
Schon um Mittag strahlte Jürgen Veth übers ganze Gesicht: „Schon gleich nach Beginn vielen unsere Besucher über das Kuchenbüfett her“, sagte er. Wer die Veranstaltungen der Heimatstube in den vergangenen Jahren kennt, weiß, dass die fleißigen Helferinnen Veths im Vorfeld des Hoffestes immer in einen gewissen Wettstreit eintreten, wenn die Frage des Kuchenbackens und Tortengestaltens gelöst werden muss. Das trägt dann auf nicht unerhebliche Weise zum Gelingen des Hoffestes bei: Eine Torte leckerer als die Nächste, die Kuchen erinnern an die Kindheit, als Oma noch gebacken hat. Dazu kam am Sonntag das gute Wetter und natürlich auch der hübsche und gemütliche Pavillon, der den Aufenthalt im Garten der General-Wöhler-Stiftung ausgesprochen angenehm gestaltete. Viel Kuchen sei nicht übrig geblieben, freute sich Veth am Abend.
Schon am Eingang gab es gleich links Leckeres und Gesundes. Hier hatte Imker Michael Gorecki seinen Stand aufgebaut. Honig aus Burgwedel von Goreckis eigenen Immen. Dazu gab es eine Menge Informationen über die kleinen aber um so fleißiger arbeitenden Insekten. Das faszinierte Groß und Klein. Rechterhand der Stand von Angelika und Ingo Schneider war ein richtiger Hingucker: Hier boten die beiden alteingesessenen Großburgwedeler wie auf einem Flohmarkt Trödel an: Silberbesteck, Porzellan in den Stilrichtungen und Dekors der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, Barometer, Gebrauchsgegenstände, es fand sich beinahe alles, was zu einem Fünfziger-Jahre-Haushalt ehemals gehörte. „Guck mal, das hatten wir früher auch“, war ein häufig ausgesprochener Satz dort. Und ebenfalls die Antwort auch: „Und wir haben das einfach weggeworfen“. Ingo Schneider bezeichnet sich auch als Sammler von Kuriositäten, und einige davon hatte er ausgestellt. „Die sind unverkäuflich“, sagte er, „weil einmalig“. Darunter befand sich der Fensterflügel aus einem abgerissenen Haus. „Als ich hörte, dass das Haus nun verschwinden sollte, bin ich hingefahren und habe zwei Fensterflügel mitgenommen. Da hatten irgendwelche dekadenten Damen zu Beginn des Jahrhunderts mit ihren Diamantringen ihre Namen und mehr hineingeritzt“, wusste er zu berichten. So ist auf dem Glas heute noch zu lesen: „Ilse von Arnim April 1914“ oder „Dora Zeuner Mai 1915“. Mit dem Einritzen dieser Initialen galt die Scheibe damals als ruiniert, ihre Erneuerung hätte den Wochenlohn eines Gesellen verschlungen. Heute muss man es als großes Glück bezeichnen, dass sie erhalten ist.
Für ein ganz besonderes Erlebnis aber sorgte Norbert Schlumbohm aus Celle, der gemeinsam mit Monika Pryzbilla den Part des angekündigten Waschtags übernommen hatte. Schlumbohm sammelt alles, was in irgendeinem Zusammenhang steht von Wäsche, Waschen und Waschmittel und -utensilien. Bei ihm ist es weitaus mehr als ein Hobby. Er widmet sich dabei einem weißen Fleck in der Alltagskulturgeschichte, ehemals einer Plage für die Hausfrauen. Man erinnere sich, noch in den Fünfziger Jahren war Wäschewaschen eine der Hauptbereiche des Haushalts und verlief ohne die Waschvollautomaten, elektronisch gesteuerten, Dampfbügeleisen und Mangeln, ohne Schleudern und auf dem Lande weitgehend auch ohne „Hahn aufdrehen“: Die Frauen mussten das Wasser zum Waschen eimerweise aus dem Brunnen ziehen, in Unmengen. Bei der damaligen Art des Waschens gab es keinen „Sparmodus“ und in der vor-elektrischen Zeit war insbesondere das Bügeln eine Plage im Sommer: Das Bügeleisen musste auf dem befeuerten Küchenherd erhitzt werden, immer wieder, bis alles gefaltet im Schrank untergebracht war. Dank Miele & Co hat sich dieser Arbeitsbereich grundlegend geändert. Die Erfindung der Waschmaschine hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass moderne Frauen überhaupt berufstätig sein konnten und können. Norbert Schlumbohm sammelt weltweit, es fanden sich Bügeleisen aus England und Indien, besondere Stücke für Krawatten, alte Waschkessel mit und ohne „Pümpel“, Wäscheklammern aus unterschiedlichen Zeiten, Waschbretter, Pressen für Wäsche und Früchte, industriell hergestelltes und einfallsreiche selbstgebaute Exemplare. Und das beste daran: Der Sammler war in keinem Fall verlegen, wenn ihn eine Frage traf. Er wusste alles über sein Metier.
Am Ende sind es mehr als 500 Besucher gewesen, die das alles genossen haben. Jürgen Veth war schließlich auch mehr als zufrieden: „Wir haben offenbar wieder genau den Geschmack der Burgwedeler getroffen“, freute er sich und dankte seinen Gästen für ihren Zuspruch: „Der große Zuspruch und die Zustimmung ist auch der größte Dank an meine gut 20 Helferinnen und Helfer“, sagte er. „Wir werden bestimmt auf diesem Weg weitermachen“.