Was wird aus Isernhagens Traditions-Reiterverein?

Auf dem etwa fünf Hektar-großen Gelände des Reitvereins, das sich von der Burgwedeler Straße in HB bis zum Kiesabbau-Bereich nördlich des Wietzeparks hinzieht, geht es im wesentlichen um zwei sportlich intensiv genutzte Flächen, wie Elke Gerns-Bätke, die RFV-Vorsitzende erläutert (Foto: Renate Tiffe)

Der „Große Preis von Isernhagen“ im Sommer findet statt

ISERNHAGEN (ti). Er ist der Traditions-Reiterverein in der Pferde-Gemeinde Isernhagen, der Reit- und Fahrverein Isernhagen (RFV) in HB. Im nächsten Jahr begeht er sein 100-jähriges Bestehen. Ausgerechnet vor dem Jubiläumsjahr bläst ihm nun von der Baubehörde der Region Hannover ein eisiger Wind entgegen. Und wie es bislang aussieht, will sich die Politik mit der rot-grünen Mehrheit in der Regionsversammlung der Auffassung anschließen: illegal errichtete Anlagen in einem Landschaftsschutzgebiet, so hieß es unlängst im Umweltausschuss, dürfen nicht im Nachhinein legalisiert werden.
Auf dem etwa fünf Hektar-großen Gelände des Reitvereins, das sich von der Burgwedeler Straße in HB bis zum Kiesabbau-Bereich nördlich des Wietzeparks hinzieht, geht es im wesentlichen um zwei sportlich intensiv genutzte Flächen, wie Elke Gerns-Bätke, die RFV-Vorsitzende erläutert. Es sind der Dressur- und der Abreiteplatz, 20 x 60 und 50 x 70 Quadratmeter groß. Da der Untergrund in diesem Gebiet undurchlässig ist, mussten bei wachsender Beanspruchung für das Dressurreiten Drainagen gelegt, eine Bodenschicht ausgetauscht und mit einer 5-cm-dicken Schicht Reitersand abgedeckt werden.
Die Vorstellung von „Schwarzbauten“ fällt schwer angesichts der gepflegten Plätze, die sich zudem, mit einer Hecke und Bäumen bepflanzt, harmonisch in das – ohnehin etwas eintönige - Landschaftsbild einfügen. Umgeben ist die vom RFV gepachtete Fläche von Pferdeweiden.
Im Jahr 1998 wurde der ganze Bereich zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Von Bestandsschutz soll die Rede gewesen. Wann genau die Sportstätten in der heutigen Form hergerichtet wurden, ist nicht mehr genau auszumachen. Sie haben sich mit den wachsenden Anforderungen im Reitsport entwickelt. Es ging um die Gesundheit der Pferde auf dem bei Nässe rutschigen Boden. Dressurreiten ist ein wesentliches Angebot des Vereins. Etwa zwei Drittel der rund 380 Mitglieder haben sich dieser Form des Pferdesports verschrieben, der im Grunde die Voraussetzung für alles weitere ist, wie Frau Gerns-Bätke erklärt. 90 Kinder gehören dem Verein an, der für seinen ambitionierten Schulbetrieb bekannt ist.
Bei der Aufstellung des Bauantrages für die runde Führanlage am Hofgelände kam die Sache offenbar ins Rollen. Festgestellt wurde, dass die Sportanlagen illegal ausgebaut worden sind. Um die Rechtmäßigkeit herzustellen, beantragte die Gemeinde Isernhagen vor zwei Jahren bei der Region die Änderung des Flächennutzungsplans und parallel des Bebauungsplans. Für die erforderliche Ausgleichsfläche bot der Verein auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen entsprechenden Bereich an.
Die Beschlüsse sowohl im Ortsrat HB als auch im Gemeinderat wurden einstimmig gefasst, also auch mit den Stimmen von „Bündnis 90/Die „Grünen“. Fabian Peters, mittlerweile der „Grünen“-Fraktion in der Regionsversammlung angehörend, steht zu dem Beschluss, macht aber das Spannungsfeld deutlich, in dem er sich als Kommunalpolitiker bewegt. Natürlich könnten illegale bauliche Veränderungen im Landschaftsschutzgebiet nicht ohne weiteres legalisiert werden. Auch er spricht von einem Präzedenzfall, der möglicherweise Tür und Tor öffnen würde für Vorhaben anderer Gruppierungen. „Ich wollte, dass es nur einen großen Verein gibt“, so Peters, der nicht Mitglied im Umweltausschuss ist. Seine Fraktion habe sich jedoch dafür eingesetzt, dass die Vorlage der Verwaltung noch einmal zur Beratung in die Fraktionen zurückgeht.
Seit Wochen ist nun der RFV in den Schlagzeilen. Viele meinen, dass das „Säbelrasseln“ in der Öffentlichkeit etwas überzogen sei. Für den 12. März wurde in einer eigens anberaumten Mitgliederversammlung mit seiner Auflösung des Vereins gedroht. Am 7. März, einen Tag vor der nächsten Umweltausschusssitzung, soll es eine Demonstration vor dem Regionshaus geben. Die Regionsversammlung wird in ihrer Sitzung am 20. März ihre Entscheidung treffen.
Immerhin hat der Verein in der Zwischenzeit viel Loyalität erfahren, die bis zum niedersächsischen Umweltminister reicht. Das Turnier um den „Großen Preis von Isernhagen“, das schon abgesagt war, kann nun vom 14. bis 17. Juni doch stattfinden. Die Zusage der Region, dass sich bis dahin nichts ändern wird, hat Elke Gerns-Bätke am Wochenende erhalten.