Warum einäugige Schutzengel eigentlich ganz in Ordnung sind

Tierisch gute Freunde: Die kleinen Künstler mit ihren Spielfiguren. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Freundin gefunden: Fida begrüßt mit ihrer Filzpuppe Prinzessinnen-Freundin Flora. (Foto: Svenja Steinseifer)

Puppenspiel mit hohem Spaßfaktor/Workshop für die 2. Kinder-Kunst-Revue

GROSSBURGWEDEL (svs). „Eva“ ist wohl die einzige Schnecke, die auf Haarspray keinen Tag verzichten kann. Krokodil „Kroki“ ist strikter Vegetarier. Katze „Luna“ kann nicht schleichen und Engel „Lea“ hat nur ein Auge. Ein ganz besonderer Zoo, in dem alle Tiere eines gemeinsam haben: Sie sind nicht echt, selbstgebastelt und haben eine ganz besondere Note.
„In echt sind Schnecken ja nicht so toll“, findet ihre 9-jährige Schöpferin Louisa, „aber Eva ist cool.“ Zusammen mit 12 anderen Kindern haucht sie den selbstgebastelten Filzpuppen in einem zweitägigen Workshop Leben ein und entwickelt ein knallbuntes, lebendiges Puppentheater für die 2. Kinder-Kunst-Revue am kommenden Freitag im Burgwedeler Amtshof.
Tatkräftige Unterstützung bekommen die kleinen Künstler von Britt Wolfgram, professionelle Puppenspielerin vom Hannoveraner Puppentheater „Marmelock“. Eigentlich bliebe der Künstlerin bei rund 140 Vorstellungen im Jahr wenig Zeit für Workshops. Aber in diesem Fall habe sie sich von Initiatorin Regina Gresbrand und ihrem großen Engagement für KuK (Kunst und Kultur für Kinder) überzeugen lassen. „Solche Projekte sind trotz ihrer Leichtigkeit wichtig. Die Kinder lernen viel über Zusammenhalt“, sagt sie. Auch Regina Gresbrand geht es um gegenseitige Unterstützung, denn KuK engagiert sich vor allem auch für finanziell benachteiligte Familien. Wie alle anderen Angebote sind der Workshop und der vorangegangene Filz-Kurs kostenlos. Möglich gemacht durch Sponsoring. Dieses Mal unterstützt der Inner Wheel Club den Workshop. Wichtig sei Gresbrand neben immer wieder neuen Angeboten ein ausgewogenes Verhältnis: „Ich möchte auf gar keinen Fall eine Stigmatisierung“, betont sie. „Kinder fragen nicht danach, wie viel Geld jemand in der Tasche hat, sagt sie, „bei mir kommt so viel Freude an.“ Zudem kämen Jugendliche früherer Workshops auf sie zu, um ihre Mithilfe anzubieten. „Das finde ich total motivierend.“
Von Unterstützung erzählt auch die Geschichte des geplanten Stücks „Der dicke fette Pfannkuchen“. Frech hüpft er aus seiner Pfanne und rollt allen davon, die ihn gern verspeisen würden. Erst als er drei einsamen und hungrigen Kindern begegnet, hüpft er freiwillig in deren Korb. Ein Stück Pfannkuchen hätte auch „Jule“, ein hell-dunkelblau gescheckter Waschbär gern, da ist sich Spielerin Hanna ganz sicher. „Waschbären mag ich total gerne“, begründet sie ihre Figurenwahl, „aber einen echten habe ich noch nie gesehen. Nur auf Bildern.“ „Jule“ jedenfalls mag es bunt und trägt ihr Haupthaar grün-orange.
„Mit Kindern zu arbeiten heißt einen Mittelweg zwischen einer festen Form und freier Erfindung zu finden“, erklärt Britt Wolfgram, die seit 25 Jahren für Kinder und Erwachsene spielt. Das Zauber-Varieté ihrer Eltern habe sie damals auf den Geschmack gebracht. „Puppenspiel ist mittlerweile ein richtiger Studiengang“, erzählt sie. Aber hier ginge es vor allem anderen um Spaß und Fantasie. Deshalb lässt sie auch die Kinder entscheiden, welchen Figuren der Pfannkuchen über den Weg laufen wird und wie sie auf ihn reagieren werden. „Kinder sind sehr philosophisch – sie wissen es nur nicht“, sagt sie und lacht. Auch die anfängliche Scheu sei schnell überwunden.
Genau wie bei Engel Lea und Spielerin Wianca (8), der ein zweiäugiger Engel doch irgendwie lieber wäre. Theresa hingegen findet Lea so wie sie ist eigentlich ganz gut. „Sie hat nur ein Auge, weil sie anderen Leuten etwas gegeben hat, was sie sonst nicht hätten“, erklärt die Elfjährige und trifft damit den Kern der Sache.
Zu erleben ist das Puppenspiel bei der 2. Kinder-Kunst-Revue am Freitag, 24. Juni, um 16.00 Uhr im Amtshof in Großburgwedel, Auf dem Amtshof 8. Unter dem Motto „Ey! Wie schmeckt der Coffee süße“ gibt es neben dem Puppenspiel auch Gesang, Tanz und vieles andere mehr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.