Waldbesitzer im Würgegriff der Kalamitäten

Redner und Vorstand bei der Mitgliederversammlung der FBG Fuhrberg (v.l.): Enercity Förster Olaf Zander, Volker Schulte, Eckard Klasen, Heinz-Werner Reichenbach, Forstinspektor Christian Günther, Mitgliederverwaltung Katalin Simon, Bezirksförster Jörg Hagemann, 1. Vorsitzender FBG Fuhrberg Cord-Heinrich Vortmüller und Bezirksförster Christian Oehlschläger. (Foto: E. Rodenbostel)

Neu zu vergebende Wasserrechte fordern Informationen

WEDEMARK/BURGWEDEL  (er). Nach der Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden Cord-Heinrich Vortmüller begannen am Freitag, 15. März in der Gaststätte Bludau interessante Vorträge zu den Themen Wasserrechte und Holzzuwachs auf der Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Fuhrberg. Seit vielen Jahren haben sie sich mit derzeitig acht weiteren Forstbetriebsgemeinschaften aus dem Landkreis Celle und der Region Hannover zur Mitgliedschaft der FBG Celler Land zusammengeschlossen. Sie umfassen rund 2.450 Waldbesitzer mit zusammen knapp 50.000 ha Forstbetriebsfläche.
Zunächst führte Förster Olaf Zander von der enercity AG den Stand und weiteren Ablauf des Wasserrechtsverfahrens aus. „Nachdem die ersten vorbereitenden Gespräche bereits im März 2017 stattgefunden haben, erfolgt nun eine gutachterliche Bearbeitung durch die Wasserversorger bis Jahresende 2019. Hiernach können Anträge gestellt werden und erst danach kann Betroffenheit thematisiert werden. Ende 2020 soll eine Bürgerbeteiligung mit Auslegung in den Kommunen erfolgen. Neue Bewilligungsbescheide könnten 2022 vorliegen“, so Olaf Zander.
Im nächsten Beitrag erklärte Dr. Volker Stüber vom Niedersächsischen Forstplanungsamt die Wirkung einer Modellierung des Wasserhaushaltes des Waldes auf Grundwasserstandorten. Er stellte zunächst die Grundlagedaten für die standortabhängige Leistungsschätzung von Waldbeständen dar, um dann zu erläutern, was im Falle einer Grundwasserabsenkung mit den Baumbeständen passiert.
Volker Stüber: „In den Modellen werden die Baumarten Kiefer und Eiche verwendet, da für die Buche und Fichte zu wenig Daten vorhanden sind. Das Absenken des Grundwassers hat eine Auswirkung auf den Zuwachs pro Jahr und Hektar. Die Geologen berechnen die Wirkung aus 16 Informationspunkten pro Hektar. Diese Daten werden weiter verwendet.“
Eckard Klasen, Leiter des Forstamts Südostheide berichtete über die Forstschutzsituation. „Die Bäume befinden sich mitten im Klimawandel. Die Holzdichte nimmt seit Jahrzehnten ab und Folgeschäden des starken Borkenkäferbefalls werden in den kommenden zwei Jahren standartmäßig erwartet. Außerdem sinken die Holzmarktpreise weiter.“
Er erklärte die neuen Richtlinien zur Förderung des Waldbaus. Möglich sind Hilfsprogramme für Stürme und Trockenheit, den Umbau von Borkenkäferflächen und eine integrierte Jungbestandspflege, die einen Laubholzanteil von zwanzig bis gern dreißig Prozent enthält. Außerdem wurden die Douglasie und Eiche als gute Baumarten genannt, die mit den wahrscheinlich zukünftig herrschenden Witterungsverhältnissen klarkommen.
Als weitere angepasste Baumart stellte Eckard Klasen die Weißtanne vor. „Die Weißtanne zeichnet gute Verwurzelung und Zuwachs aus, sie hat die Dauerhaftigkeit Klasse 4 und ist für den Mischanbau geeignet. Das Holz ist ähnlich der Fichte, aber elastischer. Die Weißtanne ist für einen Klimawandel mit einer angenommenen Erderwärmung um 2 ° C wesentlich besser geeignet als die Fichte! Wichtig ist die entsprechenden Anpflanzung gegen Verbiss durch die Errichtung von Schutzzäunen zu sichern.“
Volker Schulte Geschäftsführer der FBG Celler Land hatte durchgängig schlechte Nachrichten für die gut 100 Zuhörer des über 650 Mitglieder umfassenden Vereins der FBG Fuhrberg. „Die Waldbesitzer befinden sich im Würgegriff der Kalamitäten!“, und er führte weiter aus: „Der Sturm Friederike im Januar letzten Jahres, gefolgt von den Borkenkäfern! In Norditalien fielen 20 Millionen Festmeter(Fm) Holz durch einen Sturm an, der Auswirkungen auf den hiesigen Holzmarkt hatte. Es kam in Mitteleuropa zu 100 Millionen Fm Schadholz, die Preise decken oft nicht die Aufarbeitungskosten. Allein im Bereich der FBG Celler Land kam es zu 45.000 Fm Sturmholz und 9000 Fm Käferholz.“
Volker Schulte stellte den Forderungskatalog vor. Dieser umfasst eine Nothilfe, pauschale Steuerentlastungen für Schadholz und Importkontrollen. Die Kontrollen dienen vor allem „fremden Borkenkäfern“, die den heimischen Bäumen zusätzlichen Schaden zufügen würden. Außerdem informierte er über die Diskussionslage mit der deutschen Bahn, die über eine breite Schneise der Baumfreiheit entlang ihrer Strecke nachdenkt und überlegt, die Waldbesitzer in Verantwortung zu nehmen. Sie sollen die Anpflanzungen auf eigene Rechnung und für immer niedrig halten – was einem Teilnehmer der Versammlung zufolge einer Enteignung gleichkäme.
Tätigkeitsberichte des für Burgwedel und Isernhagen zuständigen Bezirksförsters Christian Oehlschläger, für das Forstamt Südheide durch den Bezirksförster und Kontaktmanager der Landwirtschaftskammer Hannover Jörg Hagemann und von Forstinspektor Christian Günther folgten. Vor allem mit eindrücklichen Berichten über die Sturmschäden, die jetzt eine gute Angriffsfläche für die Borkenkäfer bieten. „In diesem Zusammenhang weise ich auf die ausgebauten Wirtschaftswege hin. Sie müssen mit LKW befahrbar sein, so dass das anfallende Holz auch abtransportiert werden kann“, verdeutlichte Christian Günther. In seinem Bereich waren im letzten Jahr die meisten Schäden zu verzeichnen und er wurde mit einem Extra-Applaus für seine umsichtige Arbeit belohnt.
Ein dringendes Anliegen war an die Besitzer des Schwarzen und Bissendorfer Moores gerichtet, denen sich mit der Bildung einer Waldgenossenschaft auf einer 28 ha umfassenden Fläche auf dem Brelinger Berg ein guter Tausch bieten könnte.