Vorstand gewählt: Bürgerforum Burgwedel ist arbeitsfähig

Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt bot dem Verein Austausch von Informationen an. Links neben ihm die Gründungsmitglieder Axel Barisch, Lars Dorbandt, Dr. Ernst-Otto Thiesing, Thomas Chlouba, Dieter Siedersleben und Sabina Wittmann. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Ernst-August Thieleking, Ortsbürgermeister von Schillerslage, regt engere Zusammenarbeit der Trassengegner in den Kommunen an. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Unerwartet stark war das Interesse der Mitbürgerinnen und Mitbürger an der Gründungsversammlung des Bürgerforums. Knapp 50 waren an diesem Abend gekommen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Ab sofort nimmt der junge Verein neue Mitglieder auf

ENGENSEN (hhs). Am Mittwochabend hatte das Bürgerforum Burgwedel zu seiner zweiten Sitzung eingeladen. Die Tagesordnung war kurz und bündig: Zunächst Festsetzung der Satzung, dann Wahl eines Vorstandes, anschließend Wahl eines Kassenprüfers und schließlich Festsetzung des Jahresbeitrags. Das alles geschah in Windeseile und nun ist der Verein vollkommen arbeitsfähig. Das Amtsgericht hatte zuvor die Satzung des Vereins genehmigt, dessen Gründung nun zu einem formalen Akt wurde, in den kommenden Tagen wird er nun den wichtigen Zusatz „e.V“ für eingeschriebener Verein erhalten. Auch das Finanzamt hat schon signalisiert, dass das Bürgerforum Burgwedel den Status eines gemeinnützigen Vereins erhalten wird, ein großer Vorteil, wenn es um freiwillige Spenden geht.
Knapp 50 potentielle Mitglieder waren am Mittwoch in den Saal des Gasthauses „Zum Alten Posthof“ in Engensen gekommen, um bei der Gründungsversammlung dabei zu sein. Das Procedere war einfach: Acht Gründungsmitglieder waren unter den Besuchern anwesend, die den neuen Verein zunächst einmal gründeten und die Vorstandsämter besetzten mit offener Wahl: Vorsitzender des Bürgerforums Burgwedel ist Dr. Ernst-Otto Thiesing, sein Stellvertreter Thomas Chlouba , die Kasse wird von Gundula Sattrup geführt, Schriftführerin ist Sabina Wittmann. Als Beisitzer wurden Lars Dorbandt, Gregor Schneider, Hans-Werner Mohrmann und Dieter Siedersleben gewählt. Kassenprüferin ist Beate Kaunhofen. Der neue Vorstand setzte den Jahresbeitrag auf 20 Euro fest. Nun liegt mit diesen Beschlüssen die Situation vor, dass jeder Interessent, der im Bürgerforum Burgwedel mitarbeiten möchte, dem Verein beitreten kann. Anträge auf Mitgliedschaft sind bei den Vorstandsmitglieder zu haben und sollten an den Vorsitzenden, Dr. Ernst-Otto Thiesing, Buchenhain 7 in 30938 Burgwedel geschickt werden. Das geht auch per Fax unter 05139/891074.
Dr. Ernst-Otto Thiesing formulierte kurz die Ziele des Bürgerforums: Es gehe darum, vor allem die sogenannte Güterbahnanbindung an die Y-Trasse zu verhindern. Der Verein werde sich bemühen, einen Dialog „zwischen beiden Seiten“, den Planern und den Gegnern des Projektes in Gang zu bringen, intensive Kommunikation nach innen und außen aufzubauen, Informationen weiterhin zu sammeln und aufzuarbeiten. Dazu werde das Internet genutzt, vorgenommen habe man sich auch Info-Abende, die Begleitung der Planungen, Abfrage der Informationen und deren anschließende Diskussion und die Unterstützung des Anliegens durch kompetente Referenten. „Vielleicht sind wir auch irgendwann in der Lage, mit Gutachten unsere Position zu unterstreichen“, so Thiesing. „Wir müssen eine so genannte „Schwarmintelligenz“ mit dem Bürgerforum schaffen, eine Intelligenz vieler Mitglieder als Gleichgewicht zur Expertenintelligenz“, forderte der Vorsitzende.
Wer die Burgwedel, Burgdorf und Lehrte betreffende Güterbahnanbindung verhindern wolle, müsse das auch mit starken Argumenten tun und dürfe vor allen Dingen auch die eigentliche Y-Trasse nicht außer Acht lassen. Nur wenn die Y-Trasse komme, mach die Anbindung überhaupt Sinn. „Ohne Y-Trasse keine Güterbahnanbindung“, führten es mehrere Redner an diesem Abend aus.
Man dürfe allerdings nicht die Auge davor verschließen, dass es schon Sinn mache, den Jade-Weser-Port über die Schiene an das Hinterland anzubinden. Die Schiene sei das richtige Mittel dafür, wenn sie kompetent und sinnvoll eingesetzt werde. Allerdings gingen die dem Y-Trassenvorhaben nun zu Grunde gelegten Wirtschaftlichkeits- und Kostenberechnungen vom Stand von 1991 aus. Damit seien die Kostenberechnungen für den Trassenbau, damals etwa 1,5 Millionen Euro, sicherlich nicht mehr zu halten und müssten durch aktuelle ersetzt werden. In jedem Falle müsse auch die Wirtschaftlichkeit vollkommen neu berechnet werden. Erst wenn sich die Baukosten und die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens korrekt abschätzen ließen, könne man sich vernünftig mit der Umsetzung auseinandersetzen.
Unter den Besuchern der Veranstaltung am Mittwochabend befangen sich auch viele Mitbürgerinnen und Mitbürger aus den betroffenen Ortsteilen der Stadt Burgdorf, darunter auch der Ortsbürgermeister von Schillerslage, Ernst-August Thieleking. In humorvoller Art wies er darauf hin, dass Schillerslage eine große und Jahrzehnte lange Erfahrung mit der Beeinflussung großer öffentlicher Bauvorhaben habe, womit das ehemalige Problem um die Bundesstraße 3 gemeint war, die direkt an der Ortschaft entlangführte und so die Lebensqualität der Einwohnerinnen und Einwohner über die Maßen stark belastete. Thieleking erinnerte an die „konzertierte Aktion“ der Bürgermeister der Kommunen, Burgdorf, Burgwedel, Isernhagen, Lehrte und Wedemark, die wie in dieser Zeitung berichtet, in Berlin beim Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Aufklärung über den Stand der Planungen zum Neubau der angedachten Bahnstrecken eingefordert hatten. Thieleking regte an, diese Zusammenarbeit der betroffenen Kommunen nicht nur auf Bürgermeisterebene weiter fortzusetzen sondern auch in dem gerade neu gegründeten Verein Bürgerforum Burgwedel.
Dr. Hendrik Hoppenstedt, der Bürgermeister der Stadt Burgwedel, hatte seinen Besuch angesagt und kam etwas verspätet. Er beglückwünschte den Vorstand zu seiner Wahl und führte zunächst den Gang der Ereignisse aus: Die Bahn habe die Y-Trasse eigentlich schon nicht mehr auf dem Plan gehabt. Da sich die Wirtschaft und damit der Güterverkehr unerwartet schnell von der Krise erholt habe, wurde das Vorhaben wieder aus der Schublade geholt, ohne es, wie oben gezeigt, unter aktuellen Voraussetzungen noch einmal auf seine Sinnhaftigkeit zu überprüfen. Geschehe das nicht, so werde Burgwedel die Trasse in Gänze ablehnen. Die Stimmung in Burgwedel beschrieb er mit eindeutigen Bildern: Die Menschen dort wie auch in den anderen betroffenen Kommunen wollen die Trasse nicht, ihre wie seine Position und die der Verwaltung seien vom St. Floriansprinzip beherrscht. Sein Angebot an das Bürgerforum sei, Informationen auszutauschen. Dabei stellte er klar, dass er als Bürgermeister gehalten sei, sachliche Themen auch sachlich zu erörtern.