Von „wirklich alt“ über Pop bis hin zur „echten Schnulze“

Andreas Schröder stimmt das Publikum auf ein Geburtstagsständchen für Frank Schuber (Bass) ein. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Christa Schröder ist eine der vier Solistinnen. Sandra Skade, Annika Schröder und Yessica André beeindruckten ebenfalls. (Foto: Svenja Steinseifer)

„Ohrenweide und Gaumenschmaus“ mit EnCanto zu Mittsommer

FUHRBERG (svs). „Ich will fühlen, dass ich lebe“ – Solistin Yessica André singt unterstützt von ihrem Chor „EnCanto“ eine starke Ballade von einer ebenso starken Frau. Frei will sie sein. Gefühlvoll, eindrucksvoll erzählt „Gabriellas Lied“ von Gabriellas Sehnsucht nach einem schöneren, besseren Leben. Im Publikum ist es still – der ein oder andere reibt sich die Arme – wegen der Gänsehaut. Eine Szene aus einem schwedischen Film, der für den Oskar nominiert wurde.
Spaß, Gänsehaut und Leckereien gab es zum zweiten Mittsommerkonzert des gemischten Chors „EnCanto“. Vielseitigkeit stand auf dem Programm – sowohl musikalisch als auch kulinarisch. Vielseitig ist nicht nur der Chor unter der Leitung von Andreas Schröder, sondern vor allem auch sein Repertoire. Von Pop bis „wirklich alt“ und „echte Schnulze“ wurde alles versprochen und von den 14 bis 70 – jährigen Sängern und Sängerinnen auch geboten. „Sie singen etwas abseits der Tradition“, sagt Reinhard Kopiez, selbst Sänger in einem anderen Chor. „dieses gemischte Repertoire gefällt mir richtig gut.“
Eine Meinung, mit der er nicht allein dasteht, denn es ist eng geworden im Dorfgemeinschaftshaus Fuhrberg. Dennoch, zum Schunkeln bleibt genug Platz und Andreas Schröder erklärt „Schunkeln für Fortgeschrittene“. Die erste Reihe rechts herum, die zweite links herum – so einfach ist das. Während sich die vorderen Reihen unter gutmütigem Gelächter schon mal einschunkeln, stimmt sich „EnCanto“ mit „Aber dich gibt´s nur einmal“ auf ein Lied aus der Kategorie „echte Schnulze“ ein. Begeistert mit von der Partie ist auch Pastor der Kirchengemeinde Fuhrberg Enno Junge. „Wann schunkelt man denn schon mal?“, fragt er und stimmt kräftig mit ein. Sichtlich Spaß hat er dabei.
„Wichtig ist, dass der Spaß dabei rüberkommt“, betont Gerid Plotho, der zum ersten Mal dabei ist und einen Tipp von Bekannten bekommen hat. Schon vor der Pause kann er ein eindeutiges Resümee ziehen: „Die Stimmung, die Location – toll.“ Jedenfalls hat Andreas Schröder sein selbsterklärtes Ziel erreicht – Menschen für Musik zu begeistern. Andere anstecken. „EnCanto kommt aus dem Spanischen“, erklärt der studierte Musiker, der eigentlich Landwirt ist, „es heißt verzaubern.“ Und diese Magie und der liebevolle Umgang miteinander sei für ihn die Faszination. „Man kommt hierher und vergisst, was einen den ganzen Tag bedrückt hat.“
Auch „Gabriella“ hat Kraft aus dem Gesang geschöpft. Kraft, um sich von ihrem Mann zu trennen. Wenn aus dem wunderschönen Duett über die Liebe ein Duell wird, dann sei die Zeit gekommen für „Hit the road, Jack – and don´t you come back no more.“ Verschwinde Jack, und komm nie wieder. Eine Liedzeile, die garantiert nicht für „EnCanto“ gilt. „Die Solisten von heute waren schon meine Solisten im Kinderchor“, erzählt die Leiterin und Vorsitzende des Fördervereins „Cantate“ Hanne Zühlke. Stolz sei sie, „es ist schön mit anzusehen, wenn sie auch wirklich dabei bleiben.“ Sie und ihr Mann, Klaus Zühlke sind Mitglieder seit der Gründung im Jahr 2005 – und begeistert von der Vielseitigkeit des Chorleiters.
„Letztes Jahr haben wir zur Passionszeit die Matthäus Passion gesungen“, erinnert sich Klaus Zühlke mit einem Schmunzeln. „Andreas Schröder ist überall in der Musik zu Hause und er macht es mit Herz – das merkt man einfach“, bestätigt auch die Kinderchorleiterin. Eine Mühe, die sich lohnt: „Ich bin zum ersten Mal dabei und finde es richtig klasse“, sagt auch Christiane Weber, die Stimmung ist super“. „EnCanto“ verzaubert eben.