Vom Staub verweht – der Fährte auf der Spur mit „Adrenalin pur!“

Die Hundemeute mit dem richtigen Riecher führt die Pferde durch das Gelände. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Insgesamt 27 Sprünge gilt es für die Reiter und Pferde im Gelände zu überwinden. (Foto: Svenja Steinseifer)

Ein Beitrag von Svenja Steinseifer – Schleppjagd in Thönse vom Hof Feldmann und RSG Roggenhof mit 75 Reitern

THÖNSE. „Adrenalin pur!“ Damit meint Birte Gerk sowohl den Ritt über 27 Sprünge als auch das Gewusel vor der Jagd, beim traditionellen Stelldichein. Hundegebelle, Pferde, Autos und Zuschauer, die noch in letzter Minute einen Platz auf dem Trecker-Anhänger ergattern wollen. „Die Pferde werden dann schnell nervig, drehen auf“, sagt Islandpferdereiterin Petra Bruns. Sie wollen los, zur Schleppjagd auf der eine ganz eigene Atmosphäre herrscht.
Trecker reiht sich an Trecker. Auf den Anhängern drängen sich Zuschauer, die zum Waldrand blicken. Gespanntes Warten auf die „Schleppe“. Insgesamt 75 Reiter sind zur traditionellen Schleppjagd am vergangenen Sonntag vom Hof Feldmann und der RGV Roggenhof angetreten. „Das ist beachtlich“, freut sich Veranstalter Mark Feldmann über das große Teilnehmerfeld. „Es geht darum, gut über die Strecke zu kommen“, erklärt Camilla Freifrau von Dungern. Die erfahrene Jagdreiterin von der Niedersachsenmeute weiß, dass es beim Jagdreiten um „faires Reiten“ und ein „schönes Erlebnis“ in der Natur geht.
„Die Hunde folgen einer Anis-Spur“, erklärt sie. Gelegt wird die künstliche Fährte von einem Pikör der Niedersachsenmeute. Begleitet wird er in diesem Jahr von Alina-Carlotta und Heike Feldmann. Diese drei bilden die „Schleppe“. In diesem Jahr sei die Jagd auch für die Hunde Schwerstarbeit. „Es ist zu warm“, sagt von Dungern, Wind verwehe die Spur zusätzlich und viele Spaziergänger tragen die Spur in eine ungewollte Richtung. So wie am ersten Zwischenstopp für die Zuschauer. Die Hunde verfehlen die Kurve. Und wo es lang geht, weiß traditionell außer der Schleppe niemand. Bis die Hunde wieder den richtigen Riecher haben, dauert es jedoch nicht lange.
„Jagd ist Tradition und Brauchtum“, sagt Mark Feldmann. Wenig traditionell sei dagegen eine Jagd mit Islandpferden. „Das ist mal was ganz anderes“, sagt Petra Bruns und eine echte Aufgabe für die Pferde. „Bei so einem großen Feld drehen die Pferde auf“. Dennoch, sowohl Zweibeiner als auch Vierbeiner haben Spaß an der Jagd. „Normalweise reiten wir auf einer Ovalbahn“, sagt die Reiterin der Islandpferdefreunde Allertal.
Birte Gerk reitet nicht zum ersten Mal eine Jagd. Eine Herausforderung sei nicht nur das Springen an sich, sondern „das Feld, das hinterher kommt!“ Ihren Rhythmus nicht richtig gefunden habe sie auf dem letzten Viertel der insgesamt etwa 15 Kilometer langen Strecke. Aufgrund der Wärme sei langsam geritten worden. Jagdherrin Camilla Freifrau von Dungern ist sichtlich zufrieden. „Eine sehr gute Jagd“, sagt sie. In der Pause und an jedem Halt gibt es für die zahlreichen Zuschauer auch etwas Traditonelles auf die Ohren: Die Jagdhornbläser der Rallye Trompes de la Bruyére zu Deutsch: „Bläser der Heide“ sind selbst sattelfest und „jagderfahren“.
„Es ist ein tolles Publikum“, freut sich Mark Feldmann, während Feuer für das „Halali“, das offizielle Ende der Jagd, vorbereitet. „Halali heißt so viel wie Ha, da liegt der Hirsch!“ erklärt die Jagdherrin. Als Erinnerung an eine erfolgreiche Jagd überreicht sie allen Reitern mit einem „Waidmannsheil“ einen Zweig. Mit einem „Waidmannsdank“ wird er entgegengenommen. „Früher wurde er in Blut getaucht“, sagt sie, „aber auf das Blut verzichten wir heute!“ Auch die Hunde erhalten ihre wohlverdiente Belohnung – das Cureé. Rinderpansen.
Stürze habe es gegeben, aber insgesamt sind alle Reiter gut über die Strecke gekommen. Nur eines hat sich Mark Feldmann fest vorgenommen: „Nächstes Jahr werden wir mehr Trecker-Anhänger für die Zuschauer mitnehmen!“ Waidmannsdank.

BU 0169: Stelldichein zur Jagd: Hundemeute und Reiter der Niedersachsenmeute.
BU 0168: Insgesamt 27 Sprünge gilt es für die Reiter und Pferde im Gelände zu überwinden.
BU 0221: Die Hundemeute mit dem richtigen Riecher führt die Pferde durch das Gelände.
BU 0227: Im vollen Galopp zum großen Zwischenstopp. In der Pause gibt es Erfrischungen für die Reiter.
BU 0251: Halali in Thönse. Die Jagdhornbläser der Rallye Trompes de la Bruyére