Vom Schützenfest zum ausgelassenen Volksfest

Eine strahlende Damenkönigin beim Ehrentanz: Eine Damenscheibe hatte Silke Bäßmann bisher gefehlt. (Foto: Renate Tiffe)
 
Königlich ausgestattet mit rotem Mantel und Zepter hatte Volkskönig Karsten Weigt sein „Volk“ im Griff. (Foto: Renate Tiffe)

„Gut Ziel“ Wettmar feierte im 112. Jahr seines Bestehens

WETTMAR (ti). Selbstbewusst marschierte der Schützenverein „Gut Ziel“ am Freitag unter musikalischer Begleitung der Feuerwehrkapelle auf der Hauptstraße entlang bis zum Schützenplatz - vorneweg der Vorsitzende Andreas Genske und seine Stellvertreterin Christa Krüger, in ihrer Mitte der Ortsbürgermeister Michael Kranz.
Das war der Auftakt des Drei-Tage-Festes, an dem sich die Umzüge durch das Dorf am Samstag und Sonntag jedes mal verlängerten und das sicher nicht nur den Schützen und ihren „Majestäten“ in guter Erinnerung bleiben wird. Entgegen dem landläufigen Trend, der den Schützenfesten keine gute Zukunft voraussagt, scheint die Entwicklung in Wettmar anders zu laufen.
Das volle Zelt beim Kommersabend mit zahlreichen Gästen und den Abordnungen aus Großburgwedel, Thönse und Engensen, wie auch die fröhliche Stimmung von Anfang an deuteten auf einen anregenden Abend. Der Vorsitzende hatte Mühe sich zur Begrüßung Gehör zu verschaffen und hielt seine Reden kurz. Auch der Ortsbürgermeister hielt sich an die Vorgabe. Er freute sich angesichts der vertretenen Vereine über die gute Zusammenarbeit im Dorf und besonders darüber, dass sich der Schützenverein immer mehr öffne.
Wird das Schützenfest wirklich zum Volksfest? Zwar heißt es schon seit vielen Jahren so. Eine Beteiligung wie diesmal hat es aber schon lange nicht gegeben. Dabei spielt sicher eine Rolle, dass die Schützen sich durchaus der Tradition verpflichtet fühlen - aber eben nicht nur. Der Verein kann aufbauen auf seine sportliche Ausrichtung durch den vorherigen Vorsitzenden, Joachim Schluckebier-Risse mit dem Ausbau des Schützenhauses und den sportlichen Erfolgen bis hin zur Landesebene.
Was Wunder, dass nach dem gemeinsamen und vielgelobten Königsessen der Vorsitzende des Kreisschützenverbandes, Werner Bösche, die Gelegenheit nutzte und den Wettmarern den Kreisfahnenaufmarsch 2015 ans Herz legte. Die Ehrung für die 40-jährige Mitgliedschaft kam nicht so gut an, weil die meisten derjenigen fehlten, die es betraf. Die Auszeichnung mit der bronzenen Ehrennadel für den besonderen Einsatz im Ehrenamt von Christa Krüger und Andreas Genske wurde aber von der Festgesellschaft im Stehen mit einem dreifachen „Gut Schuss“ honoriert.
Natürlich gehörte der Abend den Schützenköniginnen und Schützenkönigen, den Majestäten, auf die der Verein stolz ist. Der Bürgermeister der Stadt, Axel Düker, hatte es sich nicht nehmen lassen, die Proklamation der Stadtjugendkönigin Melissa Schluckebier-Risse selbst vorzunehmen. Die Übergabe der Kinder- und Jugendkette an Malina Kunze und Niklas Müller hatte schon vor dem Essen stattgefunden.
Nach mehr oder weniger durchtanzter Kommersnacht mit der Musik von Timo Nerbas traten die Schützen mit größerem Gefolge am Samstagnachmittag zum Scheibenannageln an. An die 20 Scheiben prangten bereits an der Hauswand der Familie Bäßmann an der Heinrich-Werth-Straße, darunter auch die der Landesmeisterschaft und der Landesverbandsmeisterschaft. Eine Damenscheibe hatte Silke Bäßmann aber bisher gefehlt.
Auf die hatte die erfolgreiche Sportschützin in diesem Jahr geschossen. Gleichzeitig hatte Sohn Lukas den Sieg im Juniorenwettbewerb gewonnen, der nach längerer Zeit wieder ausgetragen werden konnte. Spitzenmäßig war auch die anschließende Bewirtung. Die Stimmung war schon bestens, als der Umzug bei der Stadtjugendkönigin im Hause Schluckebier-Risse ankam. Letzte Station war beim jungen Schützenkönig Dennis Seeger, der nach dem Gewinn der Volksscheibe 2013 es auch einmal als Schützenkönig wissen wollte.
Am Sonntagmittag wurde zunächst innegehalten beim Gottesdienst im Zelt mit vielen Besuchern - eine Bereicherung des Festes in diesem Jahr. Anschließend formierten sich die Schützen mit den Gast- und Ortsvereinen zum großen Festumzug. Bergan „Auf der Horst“ „residiert“ der Volkskönig Karsten Weigt. Er war unbestritten der Superstar dieses Schützenfestes. Die für die Feuerwehr wichtige Jahreszahl 112 hatte den Ortsbrandmeister animiert, auf die Scheibe zu schießen. Hatte „Elli“, wie er genannt wird, schon beim Kommers den Vogel abgeschossen als ihn seine Feuerwehrkameraden königlich ausstatteten mit rotem (Bade-)Mantel mit Krone und dem Zepter aus einem vergoldeten Strahlrohr, so ließen sie ihn am Sonntag auf der alten Feuerwehrspritze, gezogen von zwei Schimmeln, auffahren – ein unvergessliches Bild. Eine Art kleines Volksfest schloss sich auf dem Köneke-Hof an. Der Schützenvorsitzende musste nachdrücklich „antreten“ lassen zum feierlichen Abschluss im Festzelt.