Viel Rauch und viel Hitze

Ein ganz dickes Brett: Um die Straße wieder frei zu kriegen, muss Ortsbrandmeister Andreas Tietjen die Kettensäge einsetzen, während seine Kameraden den massiven Stamm mit Seilen gegen unkontrolliertes Wegrollen sichern. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Viel Qualm und viel Hitze: Bei dieser Vorführung am Hortgebäude wird den Feuerwehrleuten unter Atemschutz-Ausrüstung nichts geschenkt. (Foto: Susanna Veenhuis)

Spannende Vorführungen zeigen die Vielfalt der Feuerwehreinsätze

GROSSBURGWEDEL (sv). Die Zufahrt zum Regionskrankenhaus in Großburgwedel ist blockiert. Ein Baum ist auf einen Kleinwagen gestürzt und versperrt die Straße. Dies war das Szenario, zu dem die Freiwillige Feuerwehr Oldhorst ausrücken musste.
Zwar wussten die Feuerwehrleute vorher nicht, was genau sie erwartet; sicher war aber, dass es sich um einen Probealarm mit Publikum handelte, denn zum Feuerwehrtag in Großburgwedel fuhren die freiwilligen Helfer der Ortswehren in der Gemeinde Burgwedel am Markt in Großburgwedel nahezu alles auf, was ihre Gerätehäuser bargen.
Dazu zeigten sie in drei realistischen Übungen einige der zahlreichen Aufgaben, die sie im Ernstfall zu bewältigen haben. Wichtige Details erfuhren die Zuschauer durch die fachkundige Moderation des Großburgwedeler Ortsbrandmeisters Carsten Rüdiger, der dem Publikum die manchmal undurchsichtigen Abläufe erklärte.
Faszinierend gestaltete sich für die vielen Zuschauer das eingespielte Miteinander: Grell gellten Martinshörner, Blaulichter flackerten, Einsatzleiter gaben Kommandos, Gruppenführer kümmerten sich um ihre speziellen Aufgaben wie Atemschutz und Personenrettung und Feuerwehrleute bauten im Nu Hand in Hand Löschleitungen, Leitern und Ventilatoren zur finalen Qualmbekämpfung auf.
Die kleinste Ortswehr aus Oldhorst machte den Anfang mit dem massiven Baumstamm, der quer über Auto und Straße lag und den Ortsbrandmeister Andreas Tietgen mit der Motorsäge zügig zerlegte. Aber nicht einfach so: „Hier kommt es darauf an, dass die Teile des Baumstamms nach dem Durchsägen nicht unkontrolliert auf die Straße krachen und womöglich noch mehr Schaden anrichten“, erklärte Tietgen. Dazu hatten seine Kameraden den Stamm mit Tauen so gesichert, dass sie die Teilstücke des zersägten Stamms in die vorgesehene Richtung ziehen konnten.
Noch während der Feuerwehr-Musikzug mit dem alten Schlager „Rote Lippen soll man küssen“ so manchen zum Mitsummen animierte, drang plötzlich schwarzer Rauch aus einem Nachbarhaus. „Kellerbrand, zwei Personen vermisst“ lautete die Aufgabenstellung für die Wehren aus Thönse und Engensen. „Das ist eine der gefährlicheren Aufgaben, denn was lagert man häufig im Keller? Farben, Lacke und Lösemittel, alles leicht entzündlich, unter Umständen kann etwas explodieren“, sagte Rüdiger. Unter vollem Atemschutz mussten sich der Lösch- und der Bergungstrupp durch scheinbar undurchdringlichen Qualm arbeiten, bis die Personen in Form einer Dummy-Puppe gefunden und geborgen waren. Einsatzleiter Björn Schimkewitsch aus Thönse und Ortsbrandmeister Frank Ingmar hatten dazu sogar einen echten Oldie, den „Eisernen Gustav“, in Stellung gebracht für den Fall, dass die Drehspritze zum Einsatz kommen sollte. Obwohl schon 65 Jahre alt und damit nicht nur als Fahrzeug längst hinter der Pensionsgrenze, wird das alte Magirus-Deutz-Tanklöschfahrzeug von 1954 immer noch eingesetzt – und natürlich gehegt und gepflegt und auf Hochglanz poliert.
Einen Treppenhausbrand mit Personenrettung aus dem ersten Stock in einem Altbau galt es für die Feuerwehren aus Klein- und Großburgwedel zu bewältigen. „Nein, Angst habe ich nicht!“ Zusammen mit Philipp Albrecht (13) spielte die gleichaltrige Karolin Tesch von der Jugendfeuerwehr Großburgwedel die zu bergenden Personen und ließ sich von Helfern mit Seilen sichern, bevor es durch das Fenster auf der Leiter nach unten ging. „Bei den Übungen sind Klettergurt und Sicherungsleine obligatorisch“, erklärte ein Helfer und überprüfte die Sicherung auf korrekt geknüpfte Knoten, bevor Karolin, von einem Feuerwehrmann begleitet, aus dem Fenster auf die Leiter und damit in Sicherheit vor freilich künstlichem Qualm und imaginären Flammen kletterte. Das Publikum bestaunte die Aktion und applaudierte kräftig.
Während die uniformierten Feuerwehrleute unter ihrer Ausrüstung mächtig schwitzten, konnten die Besucher die tropischen Temperaturen während dieser Live-Show der besonderen Art gut mit kalten Getränken kompensieren. Aber auch Bratwurst und Pommes und andere heiße Sachen fanden ihre Abnehmer, während die Großburgwedeler Feuerwehrleute auch an Zapfhahn und Fritteuse ordentlich in Schweiß kamen.
Diesmal waren sie als Gastgeber im jährlich wechselnden Turnus der Feuerwehrtags-Ausrichter an der Reihe. Sie mussten sich auch die Aufgaben für die Feuerwehr-Vorführungen ausdenken und richteten obendrein den Wettkampf der Kinderfeuerwehren aus. Stolz präsentierten sie auch ihre Fahrzeuge wie das HLF 20 der Fuhrberger und das fast baugleiche HLF 10 der Wettmarer Feuerwehr.
Beide sind als so genannte Multifunktionsfahrzeuge zum Löschen wie auch für technische Hilfeleistung ausgerüstet, beide können neun Feuerwehrleute transportieren und verfügen über einen pneumatisch ausfahrbaren Lichtmast zur guten Ausleuchtung der Einsatzstelle, wie Jan Otte und Christian Lindemann berichteten.
Zur technischen Hilfe gehört auch die Waldbrandbekämpfung, dafür waren die Gerätschaften vorgesehen, die vor dem Wettmarer Fahrzeug ausgebreitet waren: Neben einem flexibleren und deshalb leichter zu verlegenden B-Rohr und einem 20-Liter-Wasser-Rucksack lag auch eine sichtbar benutzte Feuerpatsche. „Die ist schon 20 Jahre alt, aber sie kommt auch auf dem neuen Fahrzeug mit“, sagte Lindemann.