Viel Aufgeschlossenheit für die Gleichstellung in Burgwedel

Seit Februar im Amt: die neue Gleichstellungsbeauftragte Sandra Ahnen. (Foto: Renate Tiffe)

Gleichstellungsbeauftragte Sandra Ahnen seit Februar im Amt

GROSSBURGWEDEL (ti). Das Thema Gleichstellung steht zurzeit ganz oben auf der Agenda der hohen Politik, zumindest was die gleiche Bezahlung von Frauen und ihrer Teilnahme an hochdotierten Positionen angeht. Was aber ist in Burgwedel? Die neue Gleichstellungsbeauftragte, Sandra Ahnen, 25 Jahre jung, ist seit dem 1. Februar im Amt.
Sie hat mit klaren Vorstellungen die Zuständigkeit für das interkulturelle Frauenfrühstück übernommen, das sie schon mehrfach organisiert hat. Es gibt bereits ein Jahresprogramm. Sie erscheint zuweilen in der Öffentlichkeit, bei einer Ausstellungseröffnung, oder auch dort, wo man sie nicht vermutet, wie kürzlich bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Aber sonst?
Sandra Ahnen schätzt ihr neues Amt so ein, dass in der Öffentlichkeit tatsächlich nicht viel passiert. Im Hintergrund gebe es aber viel zu tun. Die Aufgabenstellungen haben sich seit den Anfängen der Frauenbeauftragten zwar verändert, aber die Probleme seien nicht geringer geworden, meint sie. Noch immer gehe es um die stereotypen Rollenbilder für Frauen und Männer, beispielsweise in den Pflege- und Sozialberufen und natürlich um die ungleiche Bezahlung. Dazu kommen jetzt Themen wie die Integration von Migranten und - aktuell - die Inklusion, die Einbindung von behinderten Kindern in den herkömmlichen Schulunterricht. Sie hat schon zweimal den Präventionsrat geleitet. Mit dem Tabu-Thema häusliche Gewalt sei sie in der kurzen Zeit schon mehrfach konfrontiert worden.
Die Integration von Menschen fremder Herkunft sei ein wichtiges Thema, auch wenn deren Anteil in Burgwedel nicht gerade hoch ist. Es ist ein Zukunftsthema. Das interkulturelle Frauenfrühstück sei eine gute Möglichkeit für direkte Kontakte an der Basis. Die Frauen begegnen sich offen, sie sind von beiden Seiten an der Zusammenarbeit interessiert. Sie werde die Migrantinnen extra ansprechen, wenn im Herbst ihr erstes, größeres Projekt gestartet wird, kündigt Sandra Ahnen an. Derzeit ist sie dabei, ein Mentoring-Programm zu entwickeln, bei dem es um den Wiedereinstieg in den Beruf geht. Ehrenamtliche Mentoren sollen Mädchen und Frauen coachen.
Im September werde es darüber hinaus eine interkulturelle Woche mit mehreren Info-Veranstaltungen geben, für die sie viele Ideen hat, beispielsweise auch im Bereich der Sprachförderung.
Zweimal in der Woche öffnet Sandra Ahnen ihr Büro im Rathaus für die Beratung von Frauen. In etwa 90 Prozent der Fälle gehe es dabei um Trennungen und Ehescheidungen, bei denen die Frauen praktisch vor dem Nichts stehen. Sie hat inzwischen Netzwerke geknüpft, u. a. mit der Lebensberatungsstelle in Isernhagen, die sie in die Lage versetzen, den Frauen weiter zu helfen. „Das Amt lebt von den Netzwerken auf den verschiedensten Ebenen“, sagt sie. „Ich kann nicht überall Expertin sein“. Um der Nachhaltigkeit willen sei es zudem wichtig, Leute zu motivieren, sich für bestimmte Bereiche engagieren. Schritt für Schritt müsse da Aufbauarbeit geleistet werden.
Mit ihrer 35-Stunden-Stelle ist die Gleichstellungsbeauftragte in Burgwedel gut positioniert. Sie bekommt Unterstützung von der Verwaltung. Überhaupt erlebe sie vor Ort viel Aufgeschlossenheit, ja Wertschätzung für die Gleichstellung, betont sie. Das sei zweifelsohne dem Wirken ihrer Vorgängerin Monika Franke zu verdanken. Es sei ein sehr vielseitiges Amt, das sie angetreten hat. Kein Tag sei wie der andere. Das mag sie.