Vhs Hannover Land erinnerte zum Volkstrauertag an den Luftkrieg im ländlichen Norden Hannovers

Dr. Thomas Lehmann, links, erläutert der Gruppe die Funktion des Bunkers auf dem Hof Kreuzkamp. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Zeitzeuge Friedel Bauche, 3. v.l., erlebte einen Luftangriff als Jugendlicher beim Pflügen auf dem Acker. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Die Ortschaft Kleinburgwedel wurde im Bereich der Region am stärksten zerstört

KLEINBURGWEDEL (hhs). Anlässlich des Volkstrauertages führte die vhs Hannover Land eine Exkursion durch, die den Luftkrieg zwischen 1939 und 1945 im ländlichen Nordhannover zum Gegenstand hat. Die Veranstaltung begann in Kleinburgwedel. Etwa zehn Exkursionsteilnehmer hatten sich eingefunden, um das damalige Geschehen jeweils aus den Blickwinkeln der deutschen Zivilbevölkerung und der britischen Airforce zu betrachten. Im Zuge des letzten Großangriffs auf Hannover, so Exkursionsleiter Dr. Thomas Lehmann, sei Kleinburgwedel irrtümlich so stark wie kein anderes Dorf im Altkreis Burgdorf zerstört worden. Ausgehend vom Totengedenken am Kriegerdenkmal in Kleinburgwedel an diesem Vormittag führte der Weg zu zwei der seltenen privaten „Hof-Bunker“. Zeitzeugen aus dem Dorf berichteten, wie sie die Bombardierung von 1943 und die allgemeine Entwicklung des Luftschutzes erlebt haben.
Dr. Thomas Lehmann, der über die Thematik des Luftkrieges in Kleinburgwedel schon in der Festschrift zum 700. Ortsjubiläum geschrieben hatte, führte die Gruppe im Anschluss an die Gedenkfeier auf den Hof Kreuzkamp, zur Zeit des Zweiten Weltkrieges Hof Wöhler. Dort gab es einen so genannten Hof-Bunker zu sehen, der schon weit vor Kriegsbeginn in privater Initiative dort gebaut sein soll. Ein bemoostes Monstrum aus Beton heute, mit einem Schornsteinrohr zur Belüftung. Es soll sich um einen so genannten „Brandwachenstand“ gehandelt haben, in den man während eines Luftangriff floh und die Schäden an den Gebäuden übersehen konnte. Das habe den Vorteil gehabt, dass man wenn es möglich war, sofort mit dem Löschen des Gebäudes und der Rettung des Hab und Gutes beginnen konnte, erläuterte Thomas Lehmann der Gruppe den Sinn des Bauwerks. Er hatte in Kleinburgwedel noch einige Zeitzeugen gefunden, die sich gut an die Luftangriffe erinnern konnten. Hans Klenke schilderte, wie Kleinburgwedel am 18. Oktober von dem britischen Angriff überrascht wurde: „Wir hörten den Voralarm und den Alarm abends in der Dämmerung, aber niemand dachte daran, dass unsere Ortschaft wirklich angegriffen wurde. Hier gab es kaum kriegswichtige Einrichtungen zum Bombardieren. Plötzlich sahen wir, wie einige Flugzeuge die „Tannenbäume“ absetzten, die Zielmarkierungen der Briten. Und dann ging es auch schon los“, erinnerte sich Hans Klenke. Einige Sprengbomben gingen außerhalb des Dorfes nieder. Dann kamen die Brandbomben. 15 Höfe wurden getroffen mit insgesamt 40 Gebäuden. Elf Höfe galten als vollständig zerstört. Die Menschen hatten den Angriff in Kellern und selbstgebauten Bunkern mit starken Abdeckungen aus Holz und Erde überlebt.
Es gebe keine Hinweise darauf, dass Kleinburgwedel allen Ernstes Ziel eines geplanten britischen Luftangriffs gewesen sei. Er gehe davon aus, dass ein Navigationsfehler Ursache der Bombardierung gewesen sei, sagte Dr. Thomas Lehmann.
Am späten Nachmittag, die Gruppe war unterdessen aus Hannover zurück gekehrt, traf man sich zum Abschluss wieder in Kleinburgwedel am Tempelweg, wo früher ein Flakscheinwerfer aufgestellt war. Friedel Bauche, damals 15 Jahre alt, erinnert sich genau: „Im Frühjahr 1945 war ich da hinten mit den Pferden am Pflügen und da oben auf dem Bahndamm stand einige Tage lang eine Lok. Als ich die Jäger sah, bin ich mit Pferden und Pflug in den Wald und habe mich versteckt. Aber die hatten mich auch gesehen und kamen zurück. Ich merkte, dass die blanke Pflugschar in der Sonne aufblitzte und drehte den Pflug um“. Wahrscheinlich hat ihm diese Geistesgegenwärtigkeit das Leben gerettet. Als ich dann wieder hier am Bahndamm war, sah ich, dass der Dampfkessel der Lok stark duchschossen war“.
Es kam vieles wieder hoch in die Erinnerung bei den Zeitzeugen. Die Geschichten von den Kaninchen, die nach dem großen Luftangriff mangels Stall in Nachtschränken untergebracht waren, die Säcke, die bei Familie Reupke in jedem Schrank lagen und heute noch liegen, und in die bei Gefährdung Wäsche und Wertsachen gepackt werden sollten „und dann raus damit aus dem Fenster“. Und schließlich die Tassen der Flakscheinwerferstellung, die das Kriegsende überlebt hatten und sich heute noch in manchem Haushalt Kleinburwedels finden. Es war bemerkenswert, wie präsent der Luftkrieg über Kleinburgwedel wieder wurde. Die Teilnehmer waren beeindruckt. Am Ende gingen alle still zu ihren Fahrzeugen zurück.