„Vertrauen ist ganz wichtig“

Das Expertenteam aus Maria Steinmetz-Bahr (v. l.), Dr. Michael Siebrecht und Martin Cebulla stand nach dem Vortrag für Fragen zur Verfügung.

Große Resonanz auf Vortrag im Amtsgericht Burgwedel zum „Tag des Betreuungsrechts“

GROSSBURGWEDEL (bgp). „Die Nachfrage ist größer als gedacht“, kommentierte Amtsgerichtsdirektor Dr. Michael Siebrecht den großen Andrang im Saal zum „Tag des Betreuungsrechts“. Ein dreiköpfiges Referententeam bot am Montagabend einen Vortrag zum Thema „Betreuungsrecht und Vorsorgevollmacht“ im Burgwedeler Amtsgericht an. Zahlreiche weitere Stühle mussten herbeigeholt werden, um allen einen Sitzplatz zu bieten.

Siebrecht unterstrich die Dringlichkeit des Themas: „Die Frage nach einer Betreuung kann jeden betreffen. Ganz egal ob alt oder jung: Jeder Einzelne kann in eine Lage kommen, in welcher er die wichtigen Angelegenheiten seines Lebens nicht mehr eigenverantwortlich regeln kann.“ Unfälle, Demenz oder eine fortschreitende Krankheit könnten Ursachen dafür sein und auch jüngere Menschen betreffen. Eine vorsorgliche Regelung, wer in so einem Fall die Betreuung übernimmt, vereinfache vieles. Sei dieses nicht geschehen, erfolge ein Antrag auf gesetzliche Betreuung, da Familienangehörige wie Kinder oder Ehepartner „nicht automatisch“ vorgesehen seien, so das Expertenteam.

Neben hauptberuflichen Betreuern gibt es auch Ehrenamtliche, auf die ein Gericht zurückgreifen kann. Referent Martin Cebulla hatte vor seiner Tätigkeit im Team Betreuungsangelegenheiten der Region Hannover 20 Jahre lang selbst Betreuungen übernommen und betont: „Ein gesetzlicher Betreuer darf nur dass machen, um was der Betroffene bittet.“ Aus eigener Erfahrung weiß er, dass den Anforderungen manchmal auch Grenzen gesetzt werden müssen. Ein Betreuer sei kein „Privatsekretär“, der immer zur Verfügung stehen müsse. „Bei der Betreuung geht es nicht darum, den Rasen zu mähen“, hält Cebulla fest. Vielmehr übernehme eine Betreuungsperson Aufgaben wie Unterstützung bei behördlichen Angelegenheiten, Bankgeschäften oder Miet- und Wohnangelegenheiten. „Vertrauen ist ganz wichtig“, fasst der Diplom-Sozialarbeiter zusammen.

Die Experten nannten ein Beispiel für den Ablauf einer Betreuung: Die Nachbarschaft könne zwar das Gericht informieren, wenn jemand nicht mehr alleine klar komme. Doch selbst wenn die Wohnung vermüllt sei und die Person offensichtlich verwahrlost, gelte in puncto Betreuung der Grundsatz der Freiwilligkeit. „Solange der Betroffene seinen freien Willen ausüben kann, steht es ihm frei, gesund zu leben oder nicht“, erklärte Siebrecht. Sei dies nicht der Fall, könne beim Gericht ein Antrag auf Betreuung gestellt werden, der dann überprüft werde.
Im nächsten Schritt geht die Akte an die Betreuungsbehörde, welche Kontakt mit der betroffenen Person aufnimmt. Zunächst wird das Umfeld erkundet und festgestellt, ob Verwandte oder Freunde gegebenenfalls eine Betreuung übernehmen könnten. Außerdem wird ein psychiatrisches Gutachten erstellt, das die Frage klärt, ob der Betroffene noch seinen freien Willen ausüben kann. Ist das noch der Fall und die Person verweigert eine Betreuung, hat das Gericht keine weitere Handhabe.

Ist eine Betreuung nachweislich erforderlich und niemand da, der die Aufgabe übernehmen kann oder will, kommen die gesetzlichen Betreuer ins Spiel. „Es gibt immer ein Anhörungsgespräch mit den Betroffenen“, unterstreicht Siebrecht. Darin gehe es um Zeit und Umfang einer Betreuung, nicht um die von vielen befürchtete „Entmündigung“, betont er. Manchmal sei eine Betreuung auch nur vorübergehend nötig, wenn beispielsweise eine Depression oder Psychose vorliege und der Betroffene nach Besserung der Situation seine Angelegenheiten wieder selbst regeln könne.
Rechtspflegerin Maria Steinmetz-Bahr, die im Amtsgericht fast täglich mit Betreuungsangelegenheiten zu tun hat, warb für eine rechtzeigte Vorsorgevollmacht: „Dann ist alles geregelt, solange man noch im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte ist.“ In der Betreuungsabteilung werden Interessierte ausführlich über Betreuung und Vorsorgevollmacht beraten. Aktuelle Vordrucke und Erläuterungstexte des Justizministeriums sind dort erhältlich.

Das Referententeam warb auch für „die Sinn stiftende ehrenamtliche Tätigkeit als Betreuungsperson.“ Martin Cebulla erklärt dazu: „Die Ehrenamtlichen bekommen eine systematische Qualifikation und können auf Wunsch auch nur Teilaufgaben bei einer Betreuung übernehmen.“ Auskünfte für eine ehrenamtliche Betreuungstätigkeit erteilt die Betreuungsabteilung des Amtsgerichtes Burgwedel (Telefon: 0 51 39/80 61-67) und Martin Cebulla vom Team Betreuungsangelegenheiten der Region Hannover (05 11/6 16-2 24 23).