Verschiedene Auffassungen über Interkulturelles Frühstück

Ausgerichtet wurde das Frauenfrühstück diesmal von den beiden Belgierinnen Lieve Klöpper und Danielle Kehrer. Links im Bild die Gleichstellungsbeauftragte Annegret Kurth. (Foto: Renate Tiffe)

Gleichstellungsbeauftragte wünscht eine mehr politische Ausrichtung

GROSSBURGWEDEL (ti). In dieser Woche hat das vierte Interkulturelle Frauenfrühstück in der Seniorenbegegnungsstätte stattgefunden. Zwei Belgierinnen haben den Frühstückstisch hergerichtet für etwa 40 Frauen aus verschiedenen Herkunftsländern, die in Burgwedel wohnen. Eine harmonische Veranstaltung an sich, über die es aber nach wie vor verschiedene Auffassungen gibt.
Nicht nur kulinarisch möchte Regina Gresbrand das monatliche Treffen verstanden wissen. Sie hatte die Idee dazu, gewonnen aus ihren vielfältigen Erfahrungen und persönlichen Kontakten bei „Kunst und Kultur für Kinder“, an der viele Kinder ausländischer Herkunft beteiligt sind. Es gehe um die Begegnung und den Austausch der Frauen untereinander auf Augenhöhe, sagt sie. Sie vermerke mit Freude, wie der Kreis sich erweitere. Auch immer mehr Frauen mit muslimischen Hintergrund kommen in die Seniorenbegegnungsstätte. Integration, so Regina Gresbrand, finde nicht am grünen Tisch, sondern im Alltag statt. Sie habe keinen politischen Anspruch.
Den hat jedoch Annegret Kurth, die Burgwedeler Gleichstellungsbeauftragte. Sie hatte ursprünglich zusammen mit Frau Gresbrand das Frauenfrühstück aus der Taufe gehoben und bei der Vorbereitung viele ihrer Vorstellungen mit einbringen können. Der Soziologin, die vorher ihr Arbeitsfeld in Berlin-Kreuzberg hatte, ging es bei dem kulturellen Austausch vor allem darum, „Migrationserfahrungen hörbar zu machen“. Dieser Aspekt wird in den Ablauf des jeweiligen Frauenfrühstücks mit einbezogen.
Aber Annegret Kurth hat weitergehende Vorstellungen. Sie beobachte, dass in ausländischen Großfamilien noch immer wenig Deutsch gesprochen wird. Das müsse sich ändern. Sie weiß zudem um den Druck, dem Mädchen ausgesetzt sind, die westlich leben wollen. In den Familien sei es so, dass die Jungen verwöhnt würden und dann die Leistungen nicht bringen können, welche hierzulande verlangt werden müssen - was nicht selten zu Gewalt führe. Diese Zusammenhänge treffen für Burgwedel nur sehr begrenzt zu, weil in der Stadt verhältnismäßig wenig Ausländer leben. Man müsse sie aber trotzdem im Kopf haben.
Die unterschiedlichen Auffassungen haben bereits dazu geführt, dass die Stadt sich aus dem Projekt herausgezogen hat. Nach wie vor wird aber der Raum in der Seniorenbegegnungsstätte zur Verfügung gestellt. Annegret Kurth, die von Anfang an offen war für das Frauenfrühstück, wollte auf diese Weise auch die „soziale Realität Burgwedels“ kennenlernen. Aus diesem Grund wird sie die Treffen auch weiter „niederschwellig“ begleiten. Sie trägt sich aber mit dem Gedanken, eine eigene Veranstaltungsreihe zum Thema Integration ins Leben zu rufen.
Mehr Substanz und mehr Tiefe in der Entwicklung wünschen sich auch Kommunalpolitikerinnen wie die Burgwedeler FDP-Vorsitzende Dr. Isa Huelsz von den Frauentreffen. Die Frauen mit fremdländischen Wurzeln sollten das deutsche Frauenbild verstehen können. Ansätze dazu sieht sie in der Vorbereitungsgruppe für das Frauenfrühstück, an der auch Frauen ausländischer Herkunft beteiligt sind wie Raida Mohammed. Die Kurdin aus Syrien, die das erste Frauenfrühstück ausgerichtet hatte, ist eine eifrige Verfechterin für mehr Bildung unter den Zuwanderern. Davon hänge es ab, wie die Familien sich entwickeln. In den Familien liege der Schlüssel zur Integration, so Frau Huelsz. Deswegen sei es gut und richtig, die Frauen anzusprechen.