Über 700 Besucher bei Jazz unter Sternen im Rathauspark

Ganz in der Tradition der Marching Bands zog das „Lulu White Salon Orchestra“ durch die große Schar der Besucher zur Bühne. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Es schien, als hätten die Burgwedeler nur auf einen Anlass für ein Massenpicknick im Park wie am Donnerstagabend gewartet. (Foto: Hans Hermann Schröder)

„The Lulu White Salon Orchestra“ begeisterte die Burgwedeler

GROSSBURGWEDEL (hhs). „Ist es nicht schön, da gehst Du durch den Park, und irgendwo steht eine Bassgeige plötzlich da“, freute sich Martin Vietmeyer, einer der Mitorganisatoren von Jazz unter Sternen am Donnerstagabend im Rathauspark. Der dazugehörige Musiker stand gut hundert Meter entfernt und klönte mit seinen Kollegen, während immer mehr Gäste kamen zu dieser Veranstaltung. Gut 300 waren es schon weit vor Beginn, und der Zustrom wollte kein Ende nehmen. Das Wichtigste an diesem Abend: Es blieb trocken, und damit konnte Jazz unter Sternen den großen Erfolg aus dem vergangenen Jahr bei seiner Premiere sogar ganz deutlich übertreffen: Irgendwann waren es mehr als 700 Besucher, die sich auf Decken, Stühlen der Musik des „Lulu White Salon Orchestras“ hingaben und den leiblichen Genüssen frönten. Allgemeines Picknick war angesagt, mit Salami, Käse, Baguette, Wein, Champagner, Bier, Brause und Desserts. Und die Gäste hatten alles von zu Hause mitgebracht.
Es war alles vollkommen ungezwungen, wie beim ersten Mal, als Jazz unter Sternen auf genau diese Weise gleich zu einem kulturellen Sommerhighlight geriet, als hätten alle Burgwedeler nur darauf gewartet. Zweimal musste man kurzfristig in den Amtshof ausweichen, wegen starken Regens. Die Musiker nahmen ihre Gäste mit auf eine Reise durch die Frühzeit des klassischen Jazz. Schon der Beginn geriet zu einem Ereignis: Voll in der Tradition der Marching Bands in New Orleans des ausgehenden 19. Jahrhunderts: Etwa von der Rathausterrasse aus zogen sie langsamen Schrittes im großen Bogen durch die beinahe unübersehbare Schar der am Boden lagernden Besucher zur Bühne, unter großem Applaus und offenbar mit einer Menge Spaß auf beiden Seiten.
Die allgemeine Stimmung war prächtig beim Massenpicknick, das nun seinen Lauf nahm. Auf dem Rasen bot sich dem Betrachter gewissermaßen ein Querschnitt durch die Kulturgeschichte des „Picknicks“ in Mitteleuropa: Zu den klassischen Sitzgelegenheiten zählten die Wolldecken, mal schottisch kariert, mal unigrün oder dezent in erdigen Tönen gestreift, Dreibeinstühle, Regiesessel, klappbar wie die Dreibeine, aber sogar mit Lehne, auch für die Arme, einige Kissen waren zu finden, und natürlich auch Getränkekisten, die zu Sitzgelegenheiten umfunktioniert wurden. Viele waren mit der klassischen Ausstattung gekommen: Picknickkörbe aus Rattan oder derben Stoff, wetterfest und gut gefüllt mit allem was man so braucht: Bestecke, Geschirr, Gläser, Pfeffer, Salz, edle Getränke und die Leckereien. Hier gab es alles zu bestaunen, von exklusivem Nobelporzellan bis Tupperware, von Krebsschwänzen bis zum „Ende Mettwurst“ und Schinken, mit und ohne Ei, von Bier und Brause bis zu Wein und Champagner.
Die Interessengemeinschaft Großburgwedeler Kaufleute IGK hatte wieder für diesen ganz besonderen Event gesorgt. Das Konzept ist eigentlich einfach und könnte überall umgesetzt werden, wenn es den entsprechenden Rahmen dafür gibt. Die Organisatoren von der IGK haben nur eine Bühne aufgestellt und für die Stromversorgung gesorgt, ein paar Stunden Arbeit am Donnerstag, mehr war nicht zu sehen. Und Eintritt haben sie auch nicht kassiert, keinen Cent, was sicherlich auch die starke Resonanz der Burgwedeler auf „Jazz unter Sternen“ ein wenig mit erklärt. Und eine Band wie das „Lulu White Salon Orchestra“ ist auch nicht ganz billig. Dafür haben viele Sponsoren aus Burgwedel im Hintergrund gesorgt, wie es Britt Buvrin-Wolff vom Vorstand der IGK formuliert hatte. Ohne deren großes Engagement wäre so eine Veranstaltung sonst nicht zu finanzieren. Dafür hatte sie vollkommen verdient schon gleich zu Beginn starken Applaus der vielhundertköpfigen Besucherschar erhalten.