"Tratsch im Treppenhaus" begeisterte das Publikum

Meta Boldt (3. v. l. Johanna Böttcher) erwies sich mit ihrem Getratsche als Meisterin der Intrige und wurde am Ende von den übrigen Hausbewohnern entlarvt. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Heike Seefeld (l. Malin Metten) und Hanne Knoop (r. Johanna Böttcher) litten wie alle übrigen Hausbewohner unter den Klatschtiraden von Meta Boldt. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Theater AG des Gymnasiums führte Ohnsorg-Klassiker auf

GROSSBURGWEDEL (bgp). Obwohl sich die Zeiten geändert haben, hat "Tratsch im Treppenhaus" nichts an Aktualität eingebüßt. Die Mechanismen der Intrige und des Klatsches sind geblieben, sei es im Treppenhaus einer miefigen Mietskaserne oder in den sauberen Büros eines Wirtschaftsunternehmens.
Die Theater AG nahm sich des Stoffes an und inszenierte den Schwank von Jens Exler, der schon in den sechziger Jahren am Ohnsorg-Theater mit großem Erfolg aufgeführt wurde.
Meta Boldt, gespielt von Johanna Böttcher, legte bei ihrem Auftritt gleich mit einer Silbenzahl pro Minute los, die jeden Berufsstenografen hätte erblassen lassen. Ihre Rolle lässt sich mit modernen Suchmaschinen vergleichen, die vorschnell scheinbar alles wissen und zu jedem Thema einen - wenn auch nicht immer passenden - Kommentar parat haben.
Sie nutzt ihr vermeintliches Wissen schamlos aus, um ihre Mitbewohner gegeneinander auszuspielen und Situationen zu erschaffen, die ausschließlich zu ihrem Vorteil gereichen. Um diese zentrale und grandios klatschsüchtige Figur rankt sich das Theaterstück, das Einblick in Ordnung und Moral eines Mietshauses der Nachkriegsjahre gibt.
Die Inszenierung setzte dabei auf klassische Elemente bei Beleuchtung und Bühnenbild, welche die zeitweise erdrückende Spießigkeit jener Jahre widerspiegelten. Die Schauspieler bildeten den komödiantischen Kontrast dazu, indem sie mit ihren sorgfältig ausgearbeiteten Rollen des Lustspiels auf hohem künstlerischen Niveau überzeugten.
Das Theaterstück mit zahlreichen Verwechslungen und Missverständnissen ließ keine Wünsche offen, was Pointenreichtum und hintergründige Bemerkungen anging. Die Künstler steigerten sich während des Stückes immer mehr, einen Höhepunkt dabei bildete Lukas Feld, der als betrunkener Ewald Brummer die Folgen eines Kaninchenzüchterballs eindrücklich darstellte.
Das Publikum amüsierte sich köstlich, als er lallend und stolpernd versuchte, seiner Nachbarin Hanne Knoop (Clara Esser) Avancen zu machen, sich dabei jedoch immer noch im Bereich der guten Manieren bewegte.
Bernhard Tramsen (Gunnar Prüßmann) als übergewichtiger, leicht unterbelichteter Metzger und Dieter Brummer (Lennart Prüßmann), ein von sich überzeugter aufsteigender Kraftfahrzeugmechaniker, sparten nicht mit werbenden Worten, um die hübsche Heike Seefeld (Malin Metten) für sich einzunehmen.
Als positiver Gegenpart zur Klatschbase des Hauses arbeitet Heike, die illegale Untermieterin von Frau Knoop, zwar mit ähnlichen Mitteln wie Meta Boldt, setzt aber charmante Flunkereien oder Fehlinformationen positiv ein, um Menschen zusammen zu bringen.
So lässt sich auch Heikes Vater Herr Seefeld (Jan Pakulat) letzten Endes davon überzeugen, dass er sie in der Vergangenheit sträflich vernachlässigt hat und stimmt eilends ihrem Wunsch nach einer Heirat zu. Dabei kommt es ihm gerade recht, dass Heike ausgerechnet den gerade ernannten Leiter des Familienunternehmens, Ewald Brummer, zum künftigen Schwiegersohn gewählt hat.
Durch ein Versehen kommt Herrn Seefeld auch noch die Rolle des "Kriminalers" zu, sodass er die klatschsüchtige Meta mit der Androhung von Strafen wegen übler Nachrede halbwegs zur Räson bringen kann. Die Verwicklungen klären sich am Ende des Stückes auf, Meta Boldt wird als Verursacherin entlarvt und gibt sich reumütig mit ihrer Versicherung: "Ich sag´ gar nichts mehr!".