Tischler-Innung Burgdorf spricht 17 Junggesellen frei

Erleichtert und stolz: 17 Nachwuchs-Tischler bei ihrer Freisprechung. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Prämiert: Lisa Roitzsch mit ihrem Gesellenstück, einem Raumteiler aus furnierter Eiche. (Foto: Svenja Steinseifer)

Zahlen rückläufig - viele wollen in die „weiße-Kragen-Berufe“

ENGENSEN (svs). „Ich singe dem Tischlerhandwerk kein Abschiedslied, aber die Bedingungen sind nicht gut“, zieht Johann-Christian Zoch, Pressesprecher der Tischler-Innung Burgdorf sein Resümee. 17 Junggesellen und Junggesellinnen feiern in Engensen nach erfolgreich bestandener Prüfung ihre Freisprechung. Ein insgesamt erfreuliches Ergebnis, das aber nicht über Schwierigkeiten hinweg täuschen könne.
„Können Sie mir bitte sagen, wo ich hin will?“, zitiert Hartmut Knoke, stellv. Obermeister, den Komiker Karl Valentin in seiner Ansprache zur Freisprechungs-Feier der Tischler-Innung Burgdorf. 17 junge Nachwuchs-Tischler feiern in Engensen am Freitag ihre Freisprechung. Wie es nach diesem „Meilenstein“ Gesellenbrief weiter gehe, liege an ihnen. „Habt ihr den 96-Spielern vor dem Sevilla-Spiel in die Gesichter geschaut?“, fragt Knoke, „Entschlossenheit und Willen seien dort zu lesen gewesen. „Ich hoffe, dass ihr auch einmal so da stehen werdet wie die Fußballer vor dem Anpfiff.“
Lisa Roitzsch strahlt über das ganze Gesicht – mit Recht, denn zwei Siege hat sie schon in der Tasche. Als Jahrgangsbeste schließt sie ihre Ausbildung bei der Tischlerei Holz-Ideen GmbH in Burgdorf ab. „Gute Form“ beweist sie auch – und gewinnt den gleichnamigen Wettbewerb mit ihrem Gesellenstück, einem Raumteiler. „Es ist ein schöner Tag fürs Handwerk“, betont Hartmut Knoke, stellv. Obermeister der Innung, „immer mehr gehen in die IT-Branche“. Qualifizierte Schulabgänger seien ebenfalls Mangelware. „Das Handwerk braucht Nachwuchs“.
„Praktisch muss es passen“, betont Frank Buchholz, Lehrer für Fachpraxis Holzbereich, „da scheitern die meisten.“ Als „Arbeitsprobe“ im praktischen Prüfungsteil musste dieses Jahr neben dem Gesellenstück ein kleiner Hocker getischlert werden, unter Aufsicht und auf Zeit. „Die Benotung der Arbeitsproben reißen die Bewertung der Gesellenstücke runter“, weiß Zoch. Es fehle an Grundfertigkeiten und Eigeninitiative. Mit der technologischen Entwicklung verändere sich auch das Handwerk in den Innungs-Betrieben. Standardisierte Fertigungen mit hohem maschinellem Anteil sei für Zoch eine Hauptursache für die praktischen Schwierigkeiten.
„Früher konnte die Arbeitsprobe nicht durch das Gesellenstück ausgeglichen werden, heute schon“, erklärt Buchholz. So werde das Niveau der Prüfungsaufgaben reduziert, denn mit „der großen Gruppe der Durchfaller“ habe man „nichts anfangen können“. „Wir brauchen dringend Leute“, sagt Buchholz, „viele wollen in die „weiße-Kragen-Berufe“ oder finden keinen Praktikumsbetrieb im Berufsgrundbildungsjahr.“ Per E-Mail sei eine Bewerbung kein Problem, sich dem Tischler „nebenan“ persönlich vorzustellen, jedoch eine unüberwindbare Hürde. Kommunikation in überwiegend virtuellen Welten sei aber ein „gesamt gesellschaftliches Problem“.
Für Johann-Christian Zoch und Frank Buchholz sieht die Zukunft des Handwerks nicht eben rosig aus. „In 15 Jahren werden wir noch weniger Tischler haben“, vermutet der Lehrer, „und noch weniger Fachkräfte“, ergänzt Zoch. Hoffnung bleibt bei allen Schwierigkeiten für Frank Buchholz und Johann Christian Zoch aber dennoch: „Das Tischlerhandwerk wird nicht aussterben!“
Erfolgreich ihre Prüfung bestanden haben (Reihenfolge nach Prüfungsergebnis): Lisa Roitzsch (Holz Ideen GmbH, Burgdorf), Sergej Lautenschläger (Hans-Jürgen Daberkow, Wedemark), Alexej Faulborn (Helmrich GmbH, Isernhagen), Marc-André Bauer (Tischlerei Dein Freund, Wedemark), Philip Kleinwächter (Meier-Grünhage+Wilke GbR, Lehrte), Miriam Kaiser (Röhl GmbH, Lehrte), Philipp Maaßen (Otto Raguse GmbH, Burgdorf), Mareike Schweers (Hartmut Knoke, Wedemark-Bissendorf), Tanja Knorr (Kreft Innenausbau-Team GmbH, Wedemark), Melwin Timm (Otto Raguse GmbH, Burgdorf), Tim Kluth (Holtmann GmbH & Co. KG, Langenhagen), Marcel Schultz (Annette Hahne, Burgwedel-Fuhrberg), Florian Lukesch (Verseck Möbeltischlerei, Burgdorf), Andrew Dietrich (Tischlerei Hanne GmbH, Wedemark), Sebastian Pape (Funk Möbelwerkstätten GmbH, Lehrte), Tobias Rohrschneider (Klinikum Wahrendorff GmbH, Sehnde), Alexander Meyer (Ingo Hofman, Lehrte)
Zusätzlich ausgezeichnet im Wettbewerb „Gute Form“ wurden: Platz 1: Lisa Roitzsch (Holz Ideen GmbH, Burgdorf), Platz 2: Mareike Schweers (Hartmut Knoke, Wedemark-Bissendorf).