Tierische Emigranten zieht es vermehrt in die Städte

Der Steinmarder, den die meisten wohl eher als Automarder kennen, richtete 2009 einen Gesamtschaden von über 52 Millionen Euro an. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Insgesamt 52 Millionen Euro Schaden durch Marder

REGION. Heimische Wildtiere in freier Natur beobachten zu können, ist meist ein besonderes Erlebnis, denn die scheuen Tiere leben sehr zurückgezogen und sind oft nachtaktiv. Nur mit ein wenig Glück und guten Kenntnissen der Lebensgewohnheiten können geduldige Beobachter einen kleinen Einblick in deren Leben bekommen. Dabei dringt gerade der Mensch immer mehr in das Wohnzimmer des Wildes vor und stört es wohl hoffentlich eher unabsichtlich. Die Folge ist, dass sich die Tiere noch mehr zurückziehen und kaum noch gesichtet werden. Aber es gibt auch tierische Auswanderer, die es vermehrt in unsere Städte zieht. Die so genannten Kulturfolger, zu denen auch Kaninchen, Waschbären, Füchse, Schwarzwild und Marder gehören, verstehen es ausgesprochen gut, sich am reich gedeckten Tisch der Städte zu bedienen. Sie alle sind Nahrungsgeneralisten, also Allesfresser, die sich nun nicht mehr umständlich auf Futtersuche begeben müssen, denn Abfalleimer und Hausmüll bieten leichte und reichlich Beute. Gegenwärtig kann man leicht einen dieser Prozesse aktuell beobachten: Wie die Elstern zieht es nun auch die Eichelhäher in die Ortschaften, nicht nur im Spätherbst wegen der Singvogelfütterungen, auch im Sommer sind sie jetzt häufig in den Ortschaften zu sehen.
So schön der Anblick von Kaninchen, Waschbär, Fuchs und Co. in den Städten sein mag, sie gehören in die freie Wildbahn und nicht in unmittelbare Nachbarschaft. Denn an ihrem angestammten Platz können sie für uns Menschen keinen Schaden anrichten. So richtete beispielsweise der Marder, den die meisten wohl eher als Automarder kennen, 2009 einen Gesamtschaden in Höhe von über 52 Millionen Euro an. Dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden insgesamt 214.000 Schadensfälle gemeldet. Jeder Kabelfraß des Marders wurde seitens der Werkstätten mit durchschnittlich 244 Euro repariert. Und wer erst einmal einen Schaden hatte, sollte unbedingt eine Motorwäsche durchführen, denn Rivalen wittern die Duftspur unter der Motorhaube und der Spuk beginnt meist von vorne. Jagdexperten empfehlen eine Schüssel mit Zuckerwasser neben das Fahrzeug zu stellen, um den Marder abzulenken. Doch Marder lieben auch einen warmen und trockenen Ort zum Spielen und zum Schlafen. Diesen finden sie auf dem Dachboden, denn er bietet Platz und Schutz zugleich. Übrigens ist der Marder nachtaktiv und kann den „menschlichen Mitbewohnern“ so manche schlaflose Nacht bereiten. Bei Problemmardern helfen deshalb meist nur die Jägerinnen und Jäger vor Ort. Wer also Hilfe benötigt, sollte sich vertrauensvoll an die Jägerschaft Burgdorf wenden. Im Internet sind auf der Website www.Jaegerschaft-Burgdorf.de zahlreiche Kontakte in unmittelbarer Nähe zu finden.
Aber wer ist eigentlich der Kabelzerstörer und nächtliche Ruhestörer? Der Marder, der hier gemeint ist, ist der Steinmarder. Er gehört zu den Raubtieren und zu seiner Familie der „echten Marder“ gesellen sich noch Baummarder, Dachs und Fischotter hinzu. Er hat einen weißen, gegabelten Kehlfleck, braunes Fell mit weißer Unterwolle und eine fleischfarbene Nase. Wer übrigens einen Steinmarder mit einem gelblichen, ovalen Kehlfleck und kaffeebrauner Nase gesichtet hat, verwechselt den Steinmarder mit dem Baummarder. Dieser ist ein typischer Waldbewohner und keinesfalls in städtischer oder dörflicher Umgebung zu sichten.
Uwe Kurmeyer