Tag der Patientensicherheit

Sie informierten am "Tag der Patientensicherheit" (v. l.): Daniela Schulz, Semra Matur, Barbara Hoffmann-Ruser, Frank Erbeck und Semsi Tüzün.

Klinikum Großburgwedel stellt Sicherheitsstandards erstmals öffentlich vor

Tag der Patientensicherheit
Klinikum Großburgwedel stellt Sicherheitsstandards erstmals öffentlich vor

GROSSBURGWEDEL (bgp). Viele Menschen haben es in der einen oder anderen Form schon erlebt: Sie werden im Krankenhaus aufgenommen und vom Personal an jedem Übergabepunkt wieder nach Namen und persönlichen Daten sowie den gesundheitlichen Beschwerden gefragt. „Das ist manchen Betroffenen lästig und sie glauben, dass die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut“, berichtet Frank Erbeck, Bereichsleiter der Anästhesiepflege.

Genau das Gegenteil ist der Fall, wie am „Tag der Patientensicherheit“ im Regionsklinikum Großburgwedel deutlich wurde. Die „Fragerei“ dient der Sicherheit der Patienten und ist Bestandteil eines Ablaufplans von der Aufnahme bis zur Entlassung. Ein Team aus dem ärztlichen und pflegerischen Bereich ebenso wie die Qualitätsmanagement-Beauftragte Semsi Tüzün stellten die Abläufe anhand einer „Sicherheitscheckliste-OP“ erstmals öffentlich vor. Im Foyer des Klinikums Großburgwedel hatten sie sich mit einem Informationsstand postiert und gaben Einblick in die Maßnahmen, die überwiegend im Hintergrund stattfinden. „Ähnlich wie vor einem Flug wird die Operations-Checkliste in jedem Arbeitsschritt systematisch durchgegangen“, erklärt Tüzün. Wenn schon zu Beginn Befunde der Fachärzte fehlen oder keine Aufklärung erfolgt ist, wird die Checkliste erst komplett abgearbeitet, bis im nächsten Schritt der Operateur kontaktiert wird.

Am Operationstag wird über das Patienten-Identifikationsarmband festgestellt, ob es sich tatsächlich um die angegebene Person handelt, die operiert werden soll. „Wir haben manchmal Patienten, die uns nicht sagen können, wie sie heißen und was ihnen fehlt, sei es durch einen Unfall, Sprachschwierigkeiten oder beispielsweise Demenz“, erklärt Oberärztin Daniela Schulz aus der Medizinischen Klinik. Daher sei es besonders wichtig, noch einmal die Identität und den Befund zu überprüfen, um Verwechslungen zu vermeiden. Die Operationsstelle muss vorbereitet und deutlich markiert sein, alle Schritte abgehakt. Im Anästhesiebereich wird abermals die Identität des Patienten geprüft, ebenso unmittelbar vor der Operation, wenn das Team den sogenannten „OP-Team-Time-Out“ vornimmt. „Da wird noch einmal innegehalten, ein Schritt zurück gegangen und durch das Team die Identität bestätigt, die Operation und das Vorgehen erläutert bis hin zur Bestätigung der OP-Bereitschaft“, sagt Semsi Tüzün. Die hohen Sicherheitsstandards und Ablaufpläne, die ständig aktualisiert werden, gibt es auch für den Aufnahme- und Hygienebereich. „So konnten wir auf ein neues Hände-Desinfektionsmittel umstellen, vorher mussten im Wechsel jährlich zwei verschiedene Mittel verwendet werden, das fällt jetzt weg“, erläutert Barbara Hoffmann-Ruser, Bereichsleiterin der Frauenklinik.

Um beim Thema Patientensicherheit auf dem neuesten Stand zu bleiben, müssen die Beteiligten alle Abläufe immer wieder überdenken und Verbesserungsvorschläge machen. „Dazu gehört auch eine positive Fehlerkultur“, sagt die stellvertretende Bereichsleiterin im OP, Semra Matur. Diese wird im Rahmen eines „Critical Incident Reporting System (CIRS)“ betrieben. Mitarbeitende haben so die Möglichkeit, persönlich oder anonym „Beinahe-Unfälle“ zu melden, bei denen etwas schief gelaufen ist. „Wir prüfen dann, ob es sich um einen Einzelfall handelt oder ob ein Fehler im System vorliegt“, erläutert Tüzün. Oft könne schon mit Kleinigkeiten sehr viel bewegt werden. Auch in der monatlich stattfindenden „M & M-Konferenz“ wird über positive und negative Aspekte gesprochen, Veränderungen überdacht.

Ein weiteres Instrument ist das Manchester-Triage-System, das insbesondere in der Notaufnahme zur Geltung kommt. Dort werden die eintreffenden Patienten ihrem Beschwerdebild nach in unterschiedliche Dringlichkeitsstufen eingeteilt, um echte Notfälle von „gefühlten Notfällen“ zu unterscheiden. Wirkliche Notfälle hätten absolute Priorität und würden schnellstmöglich behandelt, so die Fachleute. „Für die weniger dramatischen Fälle kann es deshalb auch zu längeren Wartezeiten kommen, das lässt sich nicht ganz vermeiden“, wirbt Tüzün um Verständnis.