„Summertime“ in Wettmar

Großes Interesse finden auch die Arbeiten der Keramik-Künstlerin Regina Faber. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Passend zur Hitze spielt Carsten Beger den Klassiker „Summertime“ auf dem Tenorsaxophon in einer Schatten-Oase im Strandkorb. (Foto: Susanna Veenhuis)

7. Sommerspaziergang zieht trotz Sommerhitze viele Besucher an

WETTMAR (sv). Flirrende Hitze, der Asphalt kurz vor dem Kochen, Massen von bunten Blüten hängen leicht schlaff herab. Sie scheinen im grellen Sonnenlicht zu verblassen, verströmen dafür umso intensiver ihre Düfte. Mit ihnen wehen in lauer Brise Saxophonklänge herüber, irgendjemand spielt „Summertime“. Passender könnte es nicht sein. Folgt man der Musik, findet man Carsten Beger mit seinem Tenorsaxophon ganz entspannt in einem Strandkorb. In der kleinen Schatten-Oase spielt er den Gershwin-Klassiker, und die Zeit scheint still zu stehen. Wieder hat der Wettmarer Sommerspaziergang alle in seinen Bann gezogen. Zum 7. Mal haben Einwohner den schönen Künsten und Besuchern von überall her Tür und Tor geöffnet, und auch Musik ist dabei.
„Wir haben uns vor einiger Zeit auf einem Konzert kennen gelernt, und dann habe ich Carsten zum Sommerspaziergang eingeladen“, sagt Gastgeber Martin Küpmann. Der Musiker aus Bremen hatte Zeit, und so können die Sommerspaziergänger auf Küpmanns Hof neben dem Augenschmaus von Kunst und Kunsthandwerk auch ihre Ohren verwöhnen lassen.
Das Rundum-Paket funktioniert. Überall sind Leute einzeln, als Paare oder Grüppchen unterwegs und lassen die Atmosphäre auf sich wirken. Auf dem weitläufigen, verwinkelten Gelände mit vielen Nebengebäuden fällt gar nicht auf, dass so viele da sind. „Es ist wieder einmal so toll“, schwärmen Bärbel und Karin, nachdem sie die Bilder von Sabine Heckel, die Steinskulpturen von Silvia Withöft-Foremny, die Tonarbeiten von Regina Faber, die lustig-bunten, selbst genähten Unikate von Ursula und Stefanie Priess und den Schmuck von Gabriele Karpp-Homeyer bewundert haben. In diesem Teil des üppig bepflanzten Gartens lassen sie nun die aus Stahl geschmiedeten Figurinen von Kiki Sting auf sich wirken. Von ihr stammen auch die dezent keinen Würfel zwischen den Blumen, die mit einem goldfarbenem Loch die Aufmerksamkeit auf sich lenken.
Trotz der brütenden Hitze sind im Dorf kleine Grüppchen unterwegs, oft mit Sonnenhut, die Straßensperren lassen sie unbeeindruckt. Denn es gibt bei elf Gastgebern im Ort wieder Außergewöhnliches zu sehen und auch zu hören.
„Ein malerisches Plätzchen“ heißt es doppeldeutig am Schlösschen. Das an sich schon pittoreske Häuschen am Kösterweg beherbergt als Atelier gleich mehrere Künstlerinnen, die natürlich auch ihre Werke präsentieren. Sehr einladend wirken die bunt bemalten Stühle, um von dieser Warte aus in Ruhe alles zu betrachten.
Innen entspinnt sich vor einem rätselhaften, von einem Frauenantlitz dominierten Bild in Erdfarben zwischen Viola Wahner und Besucherinnen eine Diskussion. Malerin Wahner will damit die Mutter Erde als Mutter und Nährerin allen Lebens verstanden wissen. Die Ateliergemeinschaft hat sich in diesem Jahr dem Thema Frauen verschrieben.
Die Besucherinnen zeigen großes Interesse, aber trennen mag Vialo Wahner sich von ihrem Bild noch nicht. Frauenporträts und -figuren in verschiedenen Techniken stellen mit ihr auch Jeanette Karapiperidis, Petra Brämer, Renate Becker-Barbrock und Elke Junge aus, wobei sie auch den kleinen Garten zur Präsentation nutzen.
Buchbinde-, Drechsel-, Goldschmiede-, Glas-, Polster- und Korbflechtarbeiten, Upcycling, Video-Installationen, Zeichnungen, Stickereien, Textil-Design, Fotografie sowie Kreatives aus dem Schülerladen „Time2Buy“ der Realschule Burgdorf lassen kaum Wünsche offen. Zur Stärkung gibt es Kaffee und Kuchen sowie Eis, Honig Wurst- und Fleischwaren aus der direkten Umgebung.