SüdLink – Wie weit ist eine Erdverkabelung möglich?

Statt Podium direkter Dialog: v.l. Karl-Heinz Bremus, Claus Rennert, Dr. Hendrik Hoppenstedt und Rainer Fredermann standen Rede und Antwort. (Foto: Renate Tiffe)
 
Noch Hoffnung auf die Erdverkabelung der SüdLink-Trasse? Etwa 100 Besucher waren der Info-Einladung der CDU Burgwedel gefolgt. (Foto: Renate Tiffe)

Infoveranstaltung des CDU-Stadtverbandes kurz vor Planungsbeginn

GROSSBURGWEDEL (ti). Trotz aller bisherigen Informationsveranstaltungen – das Unwissen und die Unsicherheit der Menschen bleibt groß über das geplante Mammutprojekt Südlink, die 800 Kilometer lange Starkstromleitung von der Nordsee bis Bayern. So war es nicht verwunderlich, dass kurz vor Beginn der Bundesfachplanung, also kurz vor Schluss, etwa 100 Bürgerinnen und Bürger der Einladung des CDU-Stadtverbandes zu einer weiteren Informationsrunde in die Aula des Gymnasiums folgten. Es ging um die Erdverkabelung und um die Auswirkungen der Stromtrasse auf die Land- und Forstwirtschaft.
Für viele ist die Erdverkabelung eine Art Strohhalm, an den sie sich bei den Zumutungen halten, welche die bislang bekannte Trassenführung mit sich bringt. Tatsächlich ist diese, sozusagen unsichtbare, Stromleitung im Bundesgesetz mit vorgesehen, das den Planungen für die SüdLink zugrunde liegt. Allerdings soll sie nur für die Fälle zutreffen, in denen die Trasse sich bis auf 400 Meter der Wohnbebauung nähert. Die Erdverkabelung spielte deswegen bei den Informationsveranstaltungen, die das mit dem Bau beauftragte Unternehmen TenneT und die verantwortliche Bundesnetzagentur bisher anboten, nur eine untergeordnete Rolle. Die Auskünfte zu den Fragen der Bürger blieben vage und drehten sich meistens nur um die Kosten, für welche auch nur unbestimmte Angaben („so um das fünf- bis sechsfache“) gemacht wurden.
Die CDU Burgwedel hatte mit Claus Rennert einem Experten für die Erdverkabelung die Gelegenheit gegeben, seine Sicht der Dinge darzustellen. Und die sah erwartungsgemäß ganz anders aus als das bisher bekannte. Anhand vieler Fotos und Grafiken erläuterte Rennert das Verfahren der Erdverkabelung und stellte zugleich einen Systemvergleich mit der Stromführung über die Freileitungen an. Zur Erinnerung: Auf einer Trasse von 1000 Meter Breite sollen Strommasten von 70 Meter Höhe aufgestellt werden. Wie Rennert zeigte, sollen es sieben auf zwei Kilometern Länge sein. Er machte klar, dass die Stromverluste im Boden wesentlich geringer seien als bei den oberirdischen Leitungen, dass nur eine geringe Trassenbreite erforderlich sei, die auch an eine Verlegung auf Wirtschaftswegen denken lasse. Auch für die Lebensdauer machte er unterschiedliche Angaben. Während es bei den Freileitungen durchschnittlich nur 40 Jahre sein sollen, sei bei den Erdkabeln mit 50 und mehr Jahren zu rechnen. Und das Erstaunliche bei den Kosten: Die Erdverkabelung verteuere sich nur um einen Faktor von 1,06 gegenüber den Freileitungen. Vielen Zuhörern erschien dies alles fast zu schön, um wahr zu sein, was hinterher für reichlich Diskussionsstoff sorgte.
Zuvor sprach Karl-Heinz Bremus von Niedersächsischen Forstamt in Fuhrberg über die Auswirkungen der Starkstromleitung auf die hiesigen Wälder. Pro Kilometer Freileitung sei ein Kahlschlag von sieben Hektar Wald zu veranschlagen, ein immenser Verlust, der die Waldfunktion einschränke, Gefahren für die Tiere mit sich bringe und auch nachteilig für den Boden und den Wasserhaushalt sei. Fraglich sei, wie die Ersatzleistungen geschaffen werden sollen, die im Niedersächsischen Waldgesetz vorgesehen sind. Bei der Variante mit der Erdverkabelung sei der Verlust an Produktionsfläche geringer, die Auswirkungen auf Boden und Wasser seien aber noch unabsehbarer: „Über das Trunnenmoor möchte ich nicht nachdenken.“ Allgemeiner gehalten waren die Ausführungen des Vertreters des Landvolks, Dr. Holger Hennies. Er machte geltend, dass bei der Erdverkabelung der Boden für die Landwirte nicht mehr nutzbar sei.
In der anschließenden Diskussion mahnte der Vorsitzende des CDU- Stadtverbandes, der Landtagsabgeordnete Rainer Fredermann, die Redner mehrfach, bei den angesprochenen Themen zu bleiben. Ein Sprecher des Bürgerforums fragte, wo die Hindernisse für die Realisierung der Alternative Erdverkabelung liegen. Rennert wies auf die Gesetzeslage hin, in der die Vorgehensweise bereits festgeschrieben sei. Er habe den Bundeswirtschaftsminister angeschrieben und Verfassungsklage eingereicht. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Hendrik Hoppenstedt meinte dazu, dass für eine Beurteilung der Verfahren externer Sachverstand nötig sei. Als Jurist bezweifele er die Klagemöglichkeiten von Rennert.
Hoppenstedt gab sich „eingeschränkt optimistisch“ was das weitere Verfahren angeht. Er betonte wiederum, dass die derzeitige Trassenführung für Burgwedel „unakzeptabel“ sei: „Das geht nicht.“ Zugleich gab er die Termine für das weitere Vorgehen bekannt: Informiert werden als erstes in Berlin die zuständigen Bundestagsabgeordneten über die Alternativen, die Tennet nach Bearbeitung aller Bürger-Eingaben vorschlägt. Die Ergebnisse werden ab 29. September im Internet veröffentlicht. Es folgt am 6. Oktober eine weitere zentrale Informationsveranstaltung in Hannover. Am 3. November stellt Tennet den Bauantrag bei der Bundesnetzagentur, der an die Bundesfachtagung weitergeleitet wird. Vorgesehen ist ein beschleunigtes Verfahren.

Anmerk. f. Red. Bei der zweiten Bildunterschrift muss die Zahl etwas nach oben korrigiert werden: um die 100 Besucher.