Suche nach einer intelligenten Lösung für die Güterbahnanbindung

Der FDP-Politiker Patrick Döring konnte sich über ein zahlreiches und aufmerksames Publikum freuen. (Foto: Renate Tiffe)
 
Der Wettmarer Vorsitzende des Bürgerforums, Dr. Ernst-Otto Thiesing besteht auf einer frühen Bekanntgabe der Wirtschaftsdaten. (Foto: Renate Tiffe)

FDP-Politiker Patrick Döring sprach in Wettmar vor großem Publikum

WETTMAR (ti). Die in Aussicht genommene Nebenstrecke der Y-Bahntrasse für den Güterverkehr treibt die Menschen in den Ortsteilen Burgwedels derzeit um wie kaum ein anderes Thema. Mit mehr als 80 Personen war die Zahl der Besucher, die sich in der Gaststätte „Waldschänke“ in Wettmar drängten, offenbar weit größer als erwartet. Der FDP-Stadtverband hatte den profilierten Infrastrukturpolitiker Patrick Döring gebeten, seine Kenntnis über den Stand der Planungen darzulegen.
Um es vorweg zu nehmen: Döring, verkehrspolitischer Sprecher der Liberalen und Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundes in Berlin bezeichnete die Zeichnungen der Trassenführungen in den Zeitungen als „Phantasie“, die mit „der Realität nichts zu tun“ haben. Um es „brutal zu sagen“, wiederholte er später „sie sind erfunden“. Seiner Erfahrung nach tragen Veröffentlichungen nicht immer zur Versachlichung eines Themas bei, zog er nach.
Ausgehend von der Tatsache, dass der Güterverkehr in den „Tagesrandlagen“, sprich weitgehend in der Nacht, nur noch schwierig zu bewältigen ist und sich in absehbarer Zeit mit der Anbindung der Bahn an die Häfen verdoppeln soll, ist auch nach Ansicht von Döring der weitere Ausbau des Schienennetzes unumgänglich. Dabei wird konzediert, dass nur etwa ein Viertel aller Güter von der Bahn transportiert wird. Eine klare Absage erteilte Döring der Idee, das vorhandene Schienennetz zu erweitern. Das werde erstens kaum billiger, sei zweitens in den Stadtinnenlagen wie in Celle und Lüneburg nicht realisierbar und entlaste drittens Hannover nicht, wo es auch um Fragen der Sicherheit gehe.
Das Land befinde sich im Zustand der Vorplanungen, führte Döring aus. In den Raumuntersuchungen werden grundsätzlich die Möglichkeiten einer Öffnung für den Güterverkehr geprüft. Im konkreteren Stadium werde ein Korridor von 5 bis 6 Kilometern näher ins Auge gefasst, und im anschließenden Raumordnungsverfahren werden alle Träger öffentlicher Belange gehört. Zwei Jahre dauere das Raumordnungsverfahren, das in das Planfeststellungsverfahren einmünde. Dafür werde mit einem Zeitraum von fünf Jahren gerechnet. Und dann müsse auch noch das Geld für die Baumaßnahme vorhanden sein. Vor Ende des Jahrzehnts, so Döring, sei nicht mit der politischen Entscheidung über das Planfeststellungsverfahren zu rechnen, wobei er ausdrücklich auch auf den Klageweg hinwies, der jedem Bürger offen stehe und von dem hierzulande nicht zu wenig Gebrauch gemacht wird.
Spätestens seit „Stuttgart 21“ sind die Bürger misstrauisch gegenüber den verwaltungsmäßigen Verfahren. Es gab deshalb reichlich Fragen im Anschluss an die Erläuterungen des FDP-Politikers, die dieser mit ehrlichem Engagement beantwortete. Was manchmal auch zur Geduldsprobe wurde, etwa wenn immer wieder der Verweis auf die Zeichnungen für die Trassenführungen kam. Eine jüngere Frau resümierte schließlich, dass viel Fachwissen in der Diskussion zum Tragen komme. Von den Politikern werde nur erwartet, dass sie eine intelligente Lösung zustande bringen. Döring zeigte sich fast dankbar für diese Sicht. Es müsse Transparenz bei den politischen Beschlüssen herrschen und die Bevölkerung könne alles äußern, was die Trassenführung betrifft.
Am Ende zeigte sich Dr. Ernst-Otto Thiesing, der Vorsitzende des soeben gegründeten „Bürgerforums Burgwedel“ zufrieden mit der Veranstaltung. Sie sei sachlich und konstruktiv gewesen. Dennoch erwarte er, dass die Wirtschaftlichkeitsberechnungen möglichst früh bekannt gegeben werden. Wettmars Ortsbürgermeister Rainer Fredermann (CDU) sagte, von der Politik werde erwartet, dass sie sich bewege. Im Fall der Trassenführung könne sie vorerst nur die Zusammenhänge deutlich machen. - Kommunalpolitiker aus allen Parteien waren unter den Zuhörern und Mitdiskutierenden bei der Versammlung.