Stresstest für die Zukunft

Die Aufgabe „Wer baut den höchsten Turm?“ erforderte Teamfähigkeit und Strategien, wie man die Zeitung am besten falten kann, damit die Statik stimmt. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Jörg Jacob (l.) vom Karriereinstitut Hannover brachte das Assessment-Center humorvoll auf den Punkt: „Wir wollen Sie richtig nerven!“. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Zwölftklässler bewiesen ihre Fähigkeiten im schulinternen Assessment-Center des Gymnasiums

GROSSBURGWEDEL (bgp). Am vergangenen Samstagmorgen rückten die Schülerinnen und Schüler des zwölften Jahrgangs weniger mit Schultaschen als mit Decken und Kissen bewaffnet im Gymnasium an.
Ihr Ziel war die große Turnhalle, in der sie von Dr. Anne Bosum-Dybus und ihrem Team empfangen werden. Allerdings war für diesen Tag kein normaler Unterricht geplant, sondern ein simuliertes Auswahlverfahren, das unter Begleitung des Karriereinstituts Hannover durchgeführt wurde, mit dem Ziel die jungen Menschen auf den Ablauf eines Assessment-Centers bei der Bewerbung um Ausbildungsplätze oder Jobs nach dem Studium vorzubereiten.
Jörg Jacob vom Karriereinstitut Hannover startete direkt durch und stellte sich auf die andere Seite der Turnhalle, damit die Probanden sich umdrehen mussten. Es galt die „Perspektive zu verändern“ und die Position eines potenziellen Arbeitgebers einzunehmen.
Anschaulich vermittelt der den jungen Menschen, welche entscheidenden Kriterien zu einer Einstellung führen könnten. Die Zwölftklässler reagieren noch etwas verhalten, aber das ist Alltagsgeschäft für den erfahrenen Karriereberater. Er lockt sie aus der Reserve und bekommt Antworten. Neben passender Kleidung seien das Auftreten und die Körperhaltung wichtig, ebenso wie eine klare Stimme in angemessener Lautstärke, lassen die angehenden Bewerber wissen.
Zur begrenzten Validität von Zeugnissen und Bewerbungsunterlagen legt Jacob Zahlen vor: „18 Prozent, das heißt bei fünf Kandidaten gibt es einen Treffer“ verdeutlichte er. Neben Referenzen und Praktika oder wissenschaftlich basierten Testverfahren sei eine Kombination aus Tests und persönlicher Präsentation mit 44 Prozent Validität wesentlich aussagekräftiger. Dort zeige sich schon recht deutlich, wie teamfähig, organisiert und stressresistent jemand sei: „Wir wollen Sie richtig nerven“, erklärt der Personalexperte lachend.
Anne Bosum-Dybus koordiniert die gesamte Maßnahme seitens der Schule und wird vom Kollegium unterstützt. Mit dabei ist auch ein Team aus 25 Assessoren, die sich freiwillig für den Tag gemeldet haben. Sie arbeiten in der Wirtschaft, sind freiberuflich tätig oder im öffentlichen Dienst. Sie vereint die Erfahrung mit Bewerbern, da sie entweder selbst Personal einstellen oder für ihre Bereiche an der Auswahl beteiligt sind.
Assessorin Perdis Kloth-Höke ist Juristin und bringt langjährige Erfahrung im Arbeitsrecht mit. „Ich habe am Anfang selbst an Assessment-Centern teilgenommen, jedes Mal wächst die Erfahrung“, so Kloth-Höke. Mittlerweile habe sie auf der Arbeitgeberseite schon sehr viele Bewerbungsverfahren begleitet und sei begeistert davon, dass den Schülern im internen Assessment-Center alles so praxisnah vermittelt werde. Unterdessen schlagen sich die potenziellen Bewerber unter Zeitdruck durch zahlreiche Aufgaben, die bewältigt werden müssen. Im „Stresstest“ sind logisches Denken, lebendiger Wortschatz und Sprachbegabung in Englisch ebenso gefordert wie Finanzrechnung oder der „Postkorb“.
Im Verlauf des Stresstests wurden immer wieder Kandidaten zum „Bewerbungsgespräch“ herausgebeten. Sie hatten bereits vor einigen Wochen ein für sie interessantes Stellenangebot aus einem Pool ausgewählt und ihre Bewerbungsmappe abgegeben. Diese wurde von den Fachleuten begutachtet und dient wie im wirklichen Bewerbungsverfahren als Grundlage.
Darüber hinaus sollten die Kandidatinnen und Kandidaten einige Gegenstände mitbringen, die in der Präsentation ihre persönliche Motivation für den Job untermauern. Die Moderatoren stellten dazu Fragen, während die Assessoren das Gespräch beobachteten. Anschließend erfuhren die Bewerber, was sie besonders gut gemacht hatten und wo noch Verbesserungsbedarf besteht.
Am Ende des langen Tages waren sich die Zwölftklässler weitgehend einig, dass sie für die Zukunft viel daraus mitgenommen haben, aber: „Das war ganz schön stressig!“