Strafaktion vorm Rathaus: Mirco Wünsch musste die Treppe fegen

Schöne Verrenkungen von Uli Appel, links, und Mirco Wünsch, als es galt, den Bleistift in den Flaschenhals zu bekommen. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Letzter Sieg für Mirco: Er hatte das einzige ungekochte Ei erwischt und durfte es auf dem gegnerischen Kopf zerschlagen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Die Schar der Freunde hat es mit ihm gut gemeint

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am vergangenen Donnerstag brach sich wieder einmal ein netter alter Brauch Bahn am Rathaus in Großburgwedel: Mirco Wünsch feierte an diesem Tag seinen 30. Geburtstag und er hatte in all den Jahren keine Zeit gefunden zum Heiraten. Das mag seinen Grund haben, denn Mirco ist ein wahrlich rühriger Mensch: Er engagiert sich in vielen Bereichen, ist Grundschullehrer und überzeugter Großburgwedeler, trainiert den Fußballnachwuchs, sowohl der Männer wie der Damen, ist in seinem ehrenamtlichen Engagement auch nicht mehr aus dem Jugendzentrum an der Wiesenstraße wegzudenken. In all dem mag nun wohl die Ursache seiner noch bestehenden Junggesellenschaft liegen, denn eine feste Freundin hat er, Stephanie, die tatkräftig an der Wiederbelebung des guten alten Brauchs, des Treppe fegens, mitgewirkt haben soll.

Zur Vorbereitung des „Treppe fegens“ muss man landauf landab nicht lange motivieren. Da finden sich ausreichend Mittäter, die sich für keinen Schabernack zu schade sind, die ruhigsten und besonnensten Mitbürgerinnen und Mitbürger glänzen mit Einfällen, wie man das arme Geburtstagskind mit Witz und Spott überziehen kann, und das kann sich am wenigsten dagegen wehren. Meistens weiß das Opfer, bislang hat es jeder überlebt, also Augen zu und durch. So schien auch die Anfangseinstellung bei Mirco Wünsch gewesen zu sein: Er hatte sich bereitwillig im Vorfeld zum Affen machen lassen und ein Sträflingskostüm übergezogen, als er von seinen besten Freunden zum Rathaus gebracht wurde. Dort wurde er von einer johlenden Menge vorwiegend junger Leute begrüßt. Hier wurde der Delinquent in den weiteren Ablauf des Geschehens eigeführt: Er habe die Kronenkorken von der Treppe zu fegen, zunächst mit einer Zahnbürste, dann, wenn er eine Aufgabe richtig gelöst hat, werde das Fege-Utensil größer. Er müsse bei den sechs Aufgaben immer gegen einen seiner Freunde im Wettstreit antreten, wenn er gewänne, erhalte er den größeren Besen.

Erster Gegner war Uli Appel, der Jugendpfleger. Die Aufgabe bestand darin, das beide einen Bleistift vom Gürtel über den Hintern bis etwa in Kniehöhe hängen hatten, den sie dann ohne Nutzung der Hände in den Hals einer Bierflasche balancieren mussten. Es gab herrliche Verrenkungen zu beklatschen, aber dieses erste Spiel gewann Mirco Wünsch. Der etwas größere Pinsel, den es zur Belohnung gab, änderte auch nichts daran, dass Kronenkorken von Waschbeton fegen ausgesprochen ausgesprochen schlecht funktioniert. Weiter ging es: Mirco musste einen Teller mit Wasser leer löffeln, was er verlor. Nun wurde es etwas anzüglich: Die zwei Kontrahenten bemühten sich, jeweils ein Kondom so über den eigenen Kopf zu stülpen, dass die Nase bedeckt, der Mund allerdings offen blieb. Das Kondom sollten sie durch die Nase bis zum Platzen aufblasen. Hier waren die Reaktionen des Publikums ganz unterschiedlich, sie reichten vom blanken Gelächter der eher Jüngeren, bis zum betretenen Wegschauen einiger Rathausbesucher. Weiter ging es mit Türmchen bauen und einem Nagelbalken, was wieder für Mirko verloren ging, bis zum letzten Höhepunkt: Die beiden Spieler mussten sich gekochte Eier auf den Kopf hauen, eines von sechs war dagegen ungekocht. Hier gewann Mirco und sein Kontrahent sah ganz schön vereiert aus mit der Rohmasse im Haupthaar.
Das Treppefegen war nett gemacht und ausgesprochen fair. Da hat man schon Schlimmeres erlebt: Schmierereien mit Schokolade und anschließendem „Federn“, rückwärts auf einem Esel durchs Dorf reiten oder andere noch größere Peinlichkeiten. Mirco weiß jetzt, dass es seine Freunde gut gemeint haben mit ihm. Viele andere „Opfer“ dieses Brauches wussten hinterher genau, dass sie bei solchen Freunden keine Feinde mehr brauchen. Schwierig war es für Mirco, sich hinterher freiküssen zu lassen, um endlich aus dem Kostüm raus zu kommen. Das Rathaus war unterdessen geschlossen, der Markt war lange beendet, keine Jungfrau weit und breit, die kleine Janna, eine junge Bekannte, wollte nicht und versteckte sich hinter Mamas Beinen und Christiane Concilio, erste Stadträtin Burgwedels, wusste auf dem Weg zum Wahlausschuss auch keinen Rat. Das dauerte dann ein bisschen, aber soll Mirco dem Vernehmen nach auch diese Hürde genommen haben.