Stimmgewaltiges Feuerwerk

Die „Ringmasters“ zauberten ein Feuerwerk der Sangeskunst aus dem Hut. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Schwedisches Barbershop-Quartett bringt den Amtshof zum Beben

Von Bettina Garms-Polatschek

GROSSBURGWEDEL. Die vor Wochen ausverkauften Kartenkontingente für die „Ringmasters“ waren schon erste Vorzeichen für einen Konzertabend der Extraklasse. Am Mittwochabend wurde dieser von dem Barbershop-Quartett in die Tat umgesetzt.
Im voll besetzten Amtshof brannten die vier stimmgewaltigen Schweden ein Feuerwerk des a Capella Gesangs auf der Bühne ab. Schon der Konzerttitel und erste Beitrag „Tonight, Tonight“ aus dem Musical West Side Story führte zu Begeisterungsstürmen beim Publikum.
In gut verständlichem Englisch und ein wenig Deutsch hieß Ringmaster Emanuel Roll alle „herrlich willkommen“ und erklärte den gemeinsamen Werdegang des Quartetts vom Besuch der Adolf Fredrik´s Music School bis hin zur ersten Berührung mit dem Barbershop-Gesang. Darüber seien sie mehr oder minder zufällig in der Zeichentrickserie „Die Simpsons“ gestolpert.
Von da an arbeiteten sie stetig daran, sich auf diesem Gebiet zu steigern. 2012 gelang es den Ringmasters, als erste nicht-amerikanische Gruppe in der über 50-jährigen Geschichte des Wettbewerbs der Barbershop Harmony Society in Portland (USA) den ersten Platz in der Kategorie „Quartet Championships“ zu erringen.
Mit Witz und Charme führten die Sänger aus dem fernen Norden in die Gesangsart ein, die ursprünglich den Herren der Schöpfung die Wartezeit im Barbershop verkürzen sollte. Die „Ringmasters“ bauten das Stück „Blue Skies“ nacheinander mit den einzelnen Stimmen auf. Damit machten sie klar, welche Aufgaben jeder Sänger im Quartett zu erfüllen hat.
Der 2-Meter-Mann Didier Linder sei für den Bass zuständig, Rasmus Krigström singe Tenor, arrangiere und bilde die Melodiestimme, Tenor Jakob Stenberg könne alle Noten singen, nicht nur lange und hohe, merkte Bariton Emanuel Roll launig an. Er selbst singe alle Noten, die von den anderen nicht gesungen würden, demzufolge alles „was übrig bleibt“.
Der Funke war beim Publikum sofort übergesprungen, als die Gesangsprofis „All shook up“ von Elvis Presley sauber abgestimmt intonierten. Immer wieder applaudierten die Gäste zwischen den einzelnen Liedern begeistert. Ein atemberaubendes Stimmenstaccato legte das Quartett mit dem schwedischen „Bierstubenlied“ vor.
Schließlich müsse man mit dem Trinken „im Tempo“ bleiben, sagten die Sänger und hatten die Lacher auf ihrer Seite. Ihre solide klassische Chorausbildung demonstrierten sie auch mit einem alten schwedischen Lied über den Sommer und dessen Blütenpracht. Melancholisch wurde es bei dem Stück „It is well with my soul“. Der amerikanische Rechtsanwalt und Geschäftsmann Horatio Spafford schrieb es nach dem Verlust seiner vier Töchter durch ein Schiffsunglück im Atlantik.
Die Zuschauer waren begeistert vom Charme und den brillanten Arrangements der vier Gesangsprofis, die bereitwillig noch ein paar Zugaben auflegten und sich mit dem Beatles-Song „All you need is love“ herzlich verabschiedeten. Minutenlanger Applaus und Begeisterungsrufe begleiteten die Ringmasters aus dem Konzertsaal.