Starker Schneefall treibt die Buntspechte in die Gärten

Herr Buntspecht, zu erkennen an dem roten Nackenstreif, hat eine Nuss in einer Astgabel eingeklemmt. Er braucht nur wenige schnelle Schnabelhiebe, bis der Kern freiliegt. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Hasel- und Walnüsse stehen jetzt oben auf der Speisekarte

FUHRBERG (hhs). Eigentlich sieht man Buntspechte in Wohngebieten äußert selten. Im Sommer hat man hin und wieder die gute Chance, zumindest einen Grünspecht zu sehen, wenn dieser auf den gemähten Rasenflächen, manchmal gemeinsam mit seinen Nachwuchs, nach Ameisenpuppen sucht. Zur Zeit aber treiben sich einige Buntspechte in der Ortschaft herum, fliegen von einer Futterstelle zur nächsten. Mit etwas Glück und Durchhaltewillen bei der Kälte kann man sie auch unter Haselnusssträuchern beobachten, wo sie nach Haselnüssen suchen. Die stehen bei Familie Dendrocopos major ganz oben auf der Speisekarte.

Spechte lieben insbesondere Hasel- und Walnüsse, und zwar in jeder Form an den Futterstellen. Der Handel hat sich darauf eingerichtet und bietet Haselnusskerne in kleinen Netzen oder in Containern aus Drahtgeflecht an. Wenn die Spechte eine Möglichkeit haben, sich daran festzukrallen oder aber ein sicherer Zweig direkt sich daneben befindet, dann gehört er neben den Meisen zu den eifrigsten Nutzern. Er pickt mit seinem starken spitzen Schnabel die Nusskerne im Netz klein, das geschieht meistens schneller, als man es vom geschützten Beobachtungsposten wahrnehmen kann. Dabei verhalten sich Spechte ziemlich unverträglich den Kleinvögeln gegenüber, die auch ein Faible für Nüsse haben. Sogar die dreisten Elstern nehmen sich vor seinem Schnabel in Acht.
Interessant wird es am Vogelfutterhaus, wenn man ganze Nüsse mit der Schale hineinlegt. Wird die Futterfläche um das Haus herum von einer Leiste begrenzt, so versucht Meister Specht zunächst die Nuss in einer Ecke, aus der sie nicht wegrollen kann, aufzupicken. Gelingt ihm das nicht, dann nimmt er die Nuss in den Schnabel und fliegt zu einem Baum in der Nähe. Dort klemmt er die Nuss in eine enge Astgabel. Innerhalb weniger Sekunden hat der Buntspecht seine Beute freigelegt. Er setzt dabei die Meißelhiebe mit seinem Schnabel schräg an der Nussschale an. Es entsteht ein rundliches Loch darin, und der Festschmaus kann beginnen.
Auch Walnüsse sind kein Problem. Da ist der Specht viel schneller am Ziel. Auch diese wird eingeklemmt in der Astgabel, ein paar starke Schnabelhiebe auf die Naht zwischen den beiden Nussschalenhälften, und der Kern liegt frei. Lässt man Meister Specht bei diesem Tun in Ruhe, dann findet man ein paar Tage später eine Menge Walnussschalen und geleerte Haselnüsse auf dem Boden unter dem Baum. Die Vogelfreunde nennen das eine Spechtschmiede. Man findet diese Spechtschmieden auch häufig im Wald, als einen Haufen aufgepickter Kiefernzapfen, die dort, wo es keine Nüsse für die Spechte gibt, deren beliebtestes Winterfutter sind.