Stadtrat beschließt Oberschule ohne gymnasialen Zweig für Burgwedel

Heinz Visel, Bündnis 90/Grüne (vorn links sitzend), sagte anschließend, ihm habe die Rede Lothar Urbans (stehend) riesigen Spaß bereitet. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Weichen für die Schulentwicklung in den kommenden Jahren gestellt

GROSSBURGWEDEL (hhs). Der Rat der Stadt Burgwedel hat in seiner Sitzung am Montagabend dieser Woche die Weichen für die Schulentwicklung in den kommenden Jahren gestellt: Burgwedel wird eine Oberschule ohne gymnasialen Zweig erhalten. Dieser Beschluss war zuvor vom Schulausschuss sowie vom Verwaltungsausschuss empfohlen worden und basiert auf dem Votum der Fraktionen von CDU und FDP. Damit scheint die Debatte um das Für und Wider des gymnasialen Zweigs der neu zu schaffenden Oberschule beendet. Wie in dieser Zeitung ausführlich berichtet hatte die Weiterentwicklung der schulischen Angebote in Burgwedel zu einer heftigen, zum Teil ideologisch und kontrovers geführten Diskussion in den Ratsfraktionen geführt.
Vor dem Beschluss nahmen die Fraktionen noch einmal die Gelegenheit wahr, ihre Positionen zu verdeutlichen. Ratsherr Lothar Urban von der SPD ergriff das Wort und forderte die Mitglieder der Mehrheitsfraktionen von CDU und FDP auf, sich von ihren parteipolitischen Zwängen zu lösen und im Sinne der Schülerinnen und Schüler und einer größtmöglichen Vielfalt für die Einführung eines gymnasialen Zweigs zu votieren. Selbst das Votum der Eltern und der Sachverstand der Leiterinnen der Grundschulen in den Ortschaften sei in einer Entscheidung gegen des gymnasialen Zweig unbeachtet. Die Damen und Herren der Mehrheitsfraktionen forderte er zu einer persönlichen Entscheidung auf unter Nichtbeachtung der Parteiraison.
Insbesondere dieser letzte Punkt führte zu Unmut bei der CDU. Rainer Fredermann entgegnete direkt, er halte die Äußerungen Urbans für eine Frechheit. Man habe die Schulentwicklung in den Ausschüssen intensiv diskutiert und sich gegen den gymnasialen Zweig entschieden, weil das Elterninteresse daran allgemein zu gering erschien. Man wolle eine Oberschule für Burgwedel schaffen, die in enger Verzahnung mit dem Gymnasium und den Berufsbildenden Schulen arbeite und so ganz neue Möglichkeiten biete. „Das war für die CDU die einzig richtige Entscheidung“, sagte er. „Wir haben es uns auch nicht leicht gemacht oder leichtfertig gehandelt“.
Heinz Visel, Ratsherr von Bündnis 90/Grüne, schloss an Urbans Rede an: „Mir hat Ihr Beitrag riesig Spaß gemacht“, entgegnete er. Er habe in der Vergangenheit mehrfach begründet, dass er die IGS oder eine Gesamtschule für die bessere Schulform halte auf der Basis seiner Erfahrungen mit den eigenen Kindern. Er habe bei der bisherigen Diskussion in Burgwedel darauf geachtet, inwieweit die für die neue Oberschule ohne gymnasialen Zweig angeführten Argumente auch für solche Kinder und ihre Eltern greifen, die nicht von vornherein mit dem Abitur als Schulziel antreten, weil sie auch andere Abschlüsse für attraktiv halten. „Sehr viele der „ohne Version“ sind bei mir durchgefallen“, so Visels Urteil. Er wolle für das gymnasiale Angebot stimmen. Allerdings machte Visel auch klar, dass bei einer Ratsentscheidung gegen das gymnasiale Angebot die Grünen den Start „auch dieser Form ohne gymnasiales Angebot nach besten Kräften unterstützen werden“.
Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt ging noch einmal auf die Rede Urbans ein und bezeichnete sie als „unangemessene Büttenrede angesichts der weit fortgeschrittenen Passionszeit“. Er forderte alle Ratsfraktionen auf, die jetzt vom Rat zu treffende Entscheidung nach Kräften zu unterstützen.
Bevor der Rat zur Abstimmung kam, stellte der Ratsherr Gutte aus der SPD noch einen Antrag: Der Rat möge beschließen, die Eltern noch einmal nach der Einführung der gymnasialen Oberstufe zu befragen und erst dann den endgültigen Beschluss über die weitere Entwicklung des Schulsystems in der Stadt Burgwedel zu fassen. In der SPD Fraktion machte sich angesichts dessen Verwunderung breit, zumal ein gleichlautender Antrag schon in der letzten Sitzung des Schulausschusses gestellt und mehrheitlich abgelehnt worden war... Gutte erklärte darauf hin, er habe einen persönlichen Antrag gestellt, der nicht abgesprochen war. Joachim Papenburg, Vorsitzender der SPD Fraktion, meinte, es entspreche nicht demokratischem Brauch, Anträge zweimal zu stellen. Zunächst wies der Stadtrat den Antrag des Ratsherrn Gutte ab, dann entschied er sich für die Einführung der Oberschule ohne gymnasiales Angebot. 14 Ratsmitglieder stimmten dafür, sieben waren dagegen und zwei enthielten sich.