Stadt kauft Bahnhofsgebäude

Weg vom Schmuddelimage: aus dem alten Bahnhofsgebäude soll ein Leuchtturmprojekt für die Region werden.
 
Seit Jahren nutzt die regiobus das Gelände hinter dem Bahnhof als Pausen- und Wendeplatz für ihre Linien. Mit der Aufwertung des gesamten Bereiches soll insbesondere die Pausenqualität des Fahrpersonals verbessert werden.

Zukünftiger „Mobilpunkt“ soll ein Vorzeigeprojekt in der Region werden

Großburgwedel (bs). Ab 1. Juni 2021 gehört das rund 800 Quadratmeter große Bahnhofsgebäude in Großburgwedel der Stadt Burgwedel. Die Richtung Kleinburgwedel angrenzende Fläche mit rund 1120 Qaudratmeter hat das Unternehmen regiobus erworben.
In Zusammenarbeit mit der Region Hannover soll hier in den nächsten Jahren ein ganz besonderes Projekt auf die Beine gestellt werden. Unter dem Titel „Mobilpunkt Großburgwedel“ geht es um die Aufwertung, Umgestaltung und völlige Neukonzeption des Bahnhofs Großburgwedel. Für dieses Ziel arbeiten Region, Stadt und regiobus Hand in Hand.
„Nahverkehr im Umland muss attraktiver, unkomplizierter und direkter erfahrbar werden“, sagt Ulf-Birger Franz, Verkehrsdezernent der Region. „Mit dem On-Demand-System sprinti starten wir ab Juni mit einem bundesweit beachteten Angebot. Mit dem geplanten „Mobilpunkt“ setzen wir ein weiteres Zeichen für die Verkehrswende im ländlichen Bereich“, ist sich Franz sicher.
Dreh- und Angelpunkt ist das Bahnhofsgebäude an der Bahnhofstraße. „Die Stadt Burgwedel hat die Immobilie, die aktuell zum Verkauf stand, für 200.000 Euro erworben, nachdem der Verwaltungsausschuss hierfür grünes Licht gegeben hatte. Nach Gesprächen mit der Region und regiobus war uns schnell klar, dass sich hier eine einmalige Chance bietet, das Gebäude und das gesamte Umfeld im Sinne einer bürgernahen und zukunftsfähigen Mobilität zu gestalten“, freut sich Bürgermeister Axel Düker und dankt ausdrücklich den politischen Gremien für die breite Unterstützung und die schnelle Entscheidung.
Die drei Partner sehen große Potentiale hinsichtlich der Aufwertung der Liegenschaft und der Einbettung in das „Mobilpunkt“-Konzept. Die regiobus soll Ankermieter werden und entsprechende Flächen als Aufenthaltsräume für das Fahrpersonal nutzen.
„Die regiobus nutzt die Außenflächen seit Jahren als Pausen- und Wendeplatz für ihre Linien“, erklärt regiobus Geschäftsführerin Elke van Zadel. „Die Bedingungen für unsere Fahrerinnen und Fahrer sind allerdings zurzeit suboptimal – sowohl was die Beschaffenheit des jetzigen Areals angeht, als auch die sanitären Anlagen betreffend“.
Gerade in der kalten Jahreszeit oder nach stärkerem Niederschlag müsse mit großflächigen Pfützen und Schlaglöchern gerechnet werden, auch wenn es immer wieder Ausbesserungen gegeben habe. „Die Aufwertung des Geländes sehen wir als Riesenchance, die Belange des Busverkehrs auf ein ganz anderes Niveau zu heben“, so van Zadel.
„Die Verbesserung der Pausenqualität für unser Fahrpersonal ist ein ganz wichtiger Aspekt“, betont regiobus Geschäftsführerin Regina Oelfke. „Außerdem müssten unsere Busse bei entsprechender Ausstattung vor Ort nicht mehr auf das Schulzentrum ausweichen, um dort ihre Ruhezeiten zu absolvieren, so wie es momentan teilweise der Fall ist. Eine Neukonzeption hätte auch Vorteile aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht“, meint Oelfke
Für das Projekt „Mobilpunkt Großburgwedel“ wird zunächst eine Machbarkeitsuntersuchung durchgeführt. Diese soll im Sommer 2021 abgeschlossen sein. In einem ersten Realisierungsschritt soll ein Buswarteplatz mit mindestens sechs Haltepositionen umgesetzt werden. Eine Neuordnung und Sanierung der Haltestellen sowie der Fahrbahn ist ebenso geplant.
Abgesehen von den Maßnahmen im Außenbereich gibt es bereits einige weitere Ideen für die Nutzung des Gebäudes. „Neben modern gestalteten Aufenthaltsräumen für Mobilitätskunden, sind ein Fahrradreparatur-Café, die Einrichtung von Co-Working Spaces, und weitere Dienstleitungen rund um Car Sharing und das Thema Fahrrad denkbar“, unterstreicht Düker.
„Wir müssen weg von dem Schmuddelimage, das vielen Bahnhöfen anhaftet“, meint Franz. „Bereits die Wartezeit auf den Zug oder den Bus muss so angenehm wie möglich gestaltet werden.“
Über die Höhe der nötigen Investitionen können Region, Stadt und regiobus aktuell noch keine konkreten Angaben machen. Hier soll die erwähnte Machbarkeitsstudie abgewartet werden. „Durch die derzeitige Förderlandschaft für ÖPNV-Projekte sind wir aber optimistisch was die finanzielle Unterstützung angeht“, erklärt Verkehrsdezernent Franz.
Die Beteiligten rechnen damit, dass der „Mobilpunkt GBW“ in Teilabschnitten umgesetzt wird. „Manches wird schneller gehen, anderes länger brauchen“, so Bürgermeister Axel Düker. Ab Ende 2023 könnte der „Mobilpunkt Großburgwedel“ in den Komplettbetrieb gehen und damit das Leuchtturmprojekt für die Region und darüber hinaus werden.
Die Verbesserung der Aufenthaltsqualität am Bahnhof Großburgwedel spielt gerade mit Blick auf die Entwicklung des Zugverkehrs eine große Rolle. Denn der Wunsch nach einer Halbstunden-Taktung von und nach Hannover wird vorerst nicht zu realisieren sein. „Das gibt die Schieneninfrakstruktur einfach nicht her“, so Ulf-Birger Franz.