St. Petri war zur Lukaspassion bis auf den letzten Platz besetzt

Die Lukaspassion in der St. Petri-Kirche wurde ein ganz besonderer Musikgenuss. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Barockkonzert mit zeitgenössischen Instrumenten

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am vergangenen Sonntag hatte die St. Petri-Kantorei in Großburgwedel zur Lukaspassion von Georg Philipp Telemann in Burgwedels Hauptkirche eingeladen. Die Passionszeit geht nun ihrem Höhepunkt entgegen, und da ist es in St. Petri schon seit vielen Jahren Tradition, im Vorfeld des Osterfestes mit einer Passion an die Leidensgeschichte Jesu zu erinnern. Die Kantorei wurde unterstützt von dem Barockorchester „Le Chardon“, der Sopranistin Annegret Kleindopf, dem Tenor Nils Giebelhausen und dem Bass Dirk Schmidt. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt, obwohl die Witterung frühlingshaft mild an diesem Nachmittag war, und draußen geradezu ideale Grillbedingungen herrschten. Aber die vielen Besucher des Konzertes in der St. Petri-Kirche erlebten einen wirklich außergewöhnlichen Musikgenuss.
Genauer gesagt stand die Lukaspassion von 1744 von Georg Philipp Telemann auf dem Programm. Die Jahreszahl muss schon sein, denn Telemann, einer der schaffensfreudigsten Komponisten seiner Zeit, hat allein fünf Lukaspassionen geschrieben. Das war in seinem Arbeitsvertrag damals begründet: 1721 war er zum Kantor des Johanneums in Hamburg ernannt worden und zum Musikdirektor der fünf Hauptkirchen der Hansestadt. In seinem Arbeitsvertrag waren als seine Pflichten vereinbart, für jeden Sonn- und Feiertag eine Kantate zu komponieren und in jedem Jahr eine neue Passion. Im Laufe seiner Tätigkeit in Hamburg entstanden auf diese Weise insgesamt 46 Passionen. Da Telemann offenbar auch über eine hohe Berufsehre und immensen Einfallsreichtum verfügte, schrieb er alljährlich neue Werke, so dass sie alle sehr unterschiedlich gerieten.
Die Lukaspassion von 1744 bearbeitet den Text des Lukasevangeliums auf etwas ungewohnte Weise. Zum einen beginnt die dramatische Handlung im Garten Gethsemane und zum anderen endet sie mit dem Tode Jesus am Kreuz. Musikalisch verarbeitet Telemann den Text des Evangeliums in den Rezitativen, die Arien dienen zum Ausdruck der Gefühle der handelnden Personen, der Chor übernimmt die Rolle eines „Turbaechores“, gibt die Stimmung der Massen wieder. Damit stellte der Komponist Melodie und dramatischen Ausdruck in den Vordergrund, womit er sich von vielen seiner damaligen Berufskollegen deutlich unterschied.
Charakteristisch für Telemann ist auch, dass allen seinen Kompositionen ein festes Klangbild zu Grunde liegt. Und dieses wurde am Sonntag in St. Petri auf ideale Weise durch die Mitwirkung des Barockorchester „Le Chardon“ erreicht. Die Damen und Herren spielen original Barockinstrumente und in Stimmtonhöhen, die zur Zeit des Komponisten üblich waren. Auch die drei Solisten sind ständige Begleiter von Ensembles für Alte Musik und Oratorienchöre.
Wen wundert es, dass bei diesen besten Voraussetzungen diese Lukaspassion zu einem ganz besonderen Musikgenuss geriet! Man konnte den Eindruck haben, dass die Sängerinnen und Sänger, die Mitglieder des Barockorchesters ihrer Freude Ausdruck geben wollten darüber, dass sie nun tun konnten, was ihnen selbst am meisten Freude bereitet: Ihr Publikum mit bester Musik verwöhnen!