St. Marcus-Kirchengemeinde vor großen baulichen Herausforderungen

Widerspruch regte sich in der Gemeindeversammlung gegen den Abbruch der 150 Jahre alten Pfarrscheune. (Foto: Renate Tiffe)
 
Hohen Sanierungsaufwand erfordert auch das Gemeindehaus. (Foto: Renate Tiffe)

Pfarrscheune, Gemeinde- und Pfarrhaus sind sanierungsbedürftig

WETTMAR (ti). Schon seit dem Jahr 2008 befasst sich der Vorstand der St. Marcus-Kirchengemeinde mit dem baulichen Zustand der Gemeindegebäude. Mehrere Gutachten sind bereits eingeholt worden. Eine genauere Planung für eine Sanierung oder evtl. Neubauten gibt es noch nicht, wohl aber ist der Kostenrahmen bereits abgesteckt. In einer öffentlichen Gemeindeversammlung wurden jetzt die Kirchenmitglieder informiert.
Das Gebälk der Pfarrscheune ist von Holzschädlingen befallen und im vergangenen Winter konnte das Gemeindehaus wegen der Gefahr des Dacheinbruchs zeitweise nicht geöffnet werden. Der Handlungsbedarf wird also immer dringlicher. Ein Fachmann des Kirchenkreises ist bereits zu Rate gezogen worden und hat allein für die Instandsetzung der Pfarrscheune, in der Kirchenbüro und Gemeinderäume untergebracht sind, Kosten von 78.000 Euro errechnet. Soviel Geld hineinstecken in ein Gebäude, das weder den aktuellen Bedürfnissen der Kirchengemeinde noch der erforderlichen Energieeinsparung entspricht, fragte sich die Kirchenvorstand. Und kam nach reiflicher Überlegung zu dem Ergebnis, dass der Neubau eines Gemeindehauses am günstigsten sein dürfte, wie der Vorsitzende Günter Hennigs darlegte. Die Landeskirche gewährt nur für Neubauten einen Zuschuss von 30 Prozent. Der Kirchenkreis beteiligt sich ebenfalls mit 30 Prozent und den Rest müsste die Kirchengemeinde selbst aufbringen. Nach derzeitigen Kostenberechnungen sind dies 189.000 Euro. Etwas Erspartes ist bereits vorhanden.
Der Neubau eines Gemeindehauses – statt bisher zwei Gebäuden – hat den Vorteil, dass die Räumlichkeiten dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden können. Statt bisher 340 qm Fläche werden nur noch 270 qm benötigt. Ein großer Gemeindesaal wird nicht mehr gebraucht und die energetische Ausstattung könnte modernsten Standards entsprechen.
Widerspruch regte sich in der Gemeindeversammlung gegen den Abbruch der 150 Jahre alten Pfarrscheune. Einerseits birgt sie viele Erinnerungen an die Zeit von Konfirmandenunterricht und Jugendarbeit, auch Mutter-Kind-Gruppen waren dort zu Hause. Andererseits möchten manche den vertrauten Anblick des alten Fachwerkbaus nicht missen. Der Wunsch nach einer Fachwerkbauweise ist spürbar, stellte Ortsbürgermeister Rainer Fredermann fest. Es gab Überlegungen und Vorschläge, wenigstens Teile in ein neues, kompaktes Gebäude in Klinkerbauweise zu integrieren. Letzten Endes wird alles eine Frage der Kosten sein. „Wir sind nur Verwalter auf Zeit“, gab Carsten Timm zu bedenken. Es sei nicht gut, kommende Generationen mit zu hohen Hypotheken zu belasten. Der Thönser Architekt steht dem Kirchenvorstand mit seinem fachlichen Rat zur Seite. Im Jahr 2013 könnte mit dem Bauen begonnen werden.
Während für das Gemeindehaus schon die finanziellen Zusagen der Landeskirche und des Kirchenkreises vorliegen, stehen die Erwägungen für das Pfarrhaus noch ganz am Anfang. Die Landeskirche legt großen Wert, auf die Erhaltung dieser Häuser, auch für künftige Pastorenfamilien. Für das Pfarrhaus von St. Marcus, in den 1960er Jahren entstanden und ohnehin kein großer architektonischer Wurf, trifft das Gleiche zu wie für das Gemeindehaus. Der Sanierungsaufwand wäre zu hoch. Das Projekt werde jedoch erst einmal zurückgestellt, sagte Hennigs.
Die großen baulichen Herausforderungen seien zugleich eine Chance für die Kirchengemeinde, die hier gut aufgestellt ist, meinte Superintendent Martin Bergau, der bei der Versammlung anwesend war. Während andere Gemeinden sich um den Rückbau bemühen müssen, wird in Wettmar etwas Neues entstehen. Die einsetzenden innergemeindlichen Diskussionen werden zeigen, was das Gemeindeleben ausmacht.