St. Marcus in Wettmar – Kirchengemeinde im Umbruch

Alles kommt bei der Visitation auf den Prüfstand: das Finanzgebaren der Kirche und der Zustand der Gebäude oder der Orgel wie auch die Strukturen des Gemeindelebens. Bergau (rechts) sprach von einem „guten Sinn“ in dieser Kirchengemeinde. (Foto: Renate Tiffe)

Visitation zur Zeit des Wechsels im Pastoren-Amt

WETTMAR (ti). Alle sechs Jahre findet in den Kirchengemeinden die Visitation durch den Kirchenkreis statt. Wegen der Erkrankung von Pastor Wilfried Karneboge hatte sich der Zeitraum in der St. Marcus Kirche in Wettmar um mehr als ein Jahr verlängert. Ende Juni war nun Superintendent Martin Bergau zehn Tage lang zu Gast im Kirchspiel Wettmar-Engensen-Thönse. Der „Blick ins Innere“ der Kirchengemeinde fiel damit in eine Zeit, in der Pastorin Karin Borchers-Schmidt kommissarisch wirkte und der Wechsel im Pastoren-Amt anstand.
Alles kommt bei der Visitation auf den Prüfstand: das Finanzgebaren der Kirche und der Zustand der Gebäude oder der Orgel wie auch die Strukturen des Gemeindelebens. Festgehalten wird dies in einem Bericht, welcher der Kirchengemeinde als Richtschnur für die kommenden Jahre dient. Karin Borchers-Schmidt sah in dem Vorgang vor allem das Prozesshafte, wie es schon seit Längerem im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen gehandhabt wird.
In einer Zeit der übergroßen Herausforderungen für alle Beteiligten – für den neuen Kirchenvorstand steht neben dem Pastorenwechsel der Neubau des Gemeindezentrums an, stellte Bergau in erster Linie die positiven Elemente heraus. Er zeigte sich beeindruckt, wie die Gemeinde in der vergangenen schwierigen Phase zusammengerückt sei, was die Ehrenamtlichen geleistet haben. Das gute Netzwerk sei deutlich geworden, auch dass systematisch auf die künftige Bausituation hingearbeitet worden sei, was die Finanzmittel betrifft. Bergau sprach von einem „guten Sinn“ in dieser Kirchengemeinde.
Ihre Stärke und Besonderheit ziehe sie aus dem Zusammenwirken der drei Dörfer Wettmar, Engensen und Thönse im Kirchspiel. In der Zeit von Pastor Karneboge sei die Kirche stark nach außen gerichtet gewesen. Ein enger Draht habe zu den Dorfgemeinden bestanden. Das solle, wenn möglich, auch so bleiben.
Die spannendsten Abende habe er im Gespräch mit den Ehrenamtlichen erlebt, berichtete Bergau. Es gebe viele etablierte Gruppen. 55 der Freiwilligen - „alle in Funktion“ - seien an einem Abend zusammengekommen. Da werde „geredet, was los ist“. Von außen gesehen würde er sich mehr Bewegung und Dialog unter den Gruppen wünschen, meinte Bergau. Als Beispiel nannte er die Frauengruppen. Die Älteren verfügten über ihre festumrissenen Aufgaben und Termine, wogegen sich die jungen Frauen, heute meist berufstätig, beim Frauenfrühstück treffen.
Defizite haben sich in letzter Zeit vor allem in der Jugendarbeit ergeben, welche innerhalb der halben Stelle von Karin Borchers-Schmidt nicht zu leisten war. Günter Hennigs, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, wies darauf hin, dass St. Marcus mit 3.600 Gemeindegliedern eine große Kirchengemeinde sei, die zwingend auf eine volle Pastorenstelle angewiesen sei.
Bis zum 31. August wird noch Karin Borchers-Schmidt für die Amtsgeschäfte in St. Marcus zuständig sein. Sie ist zur Zeit im Urlaub. Seit Oktober vergangenen Jahres war die Pastorin aus Langenhagen in Wettmar tätig – ein beiderseitiger Glücksfall. Über die halbe Stelle hinaus habe sie „gewinnbringend“ für die Kirchengemeinde gewirkt, sagte Bergau. Sie habe die Kirche in einer dörflichen Struktur kennengelernt. Es gebe Unterschiede zur Stadt. Eine Zeit lang habe sie nun auch eine Kirchengemeinde geleitet und dabei eine Kirche in Umbruchstimmung erlebt, die mit großer Offenheit geführt werde, erklärte die Theologin. Nun werde alles konkreter.
Am 1. September wird Reni Kruckemeyer-Zettel die Nachfolge von Pastor Karneboge antreten. Die gebürtige Bremerin hat seit fünf Jahren eine Pfarrstelle in Cuxhaven-Waldhagen inne. Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte wird die Kinder- und Jugendarbeit sein. Auf die 41-Jährige kommt eine große Aufgabe zu. Von Kirchenvorstandsmitgliedern wird sie als couragiert geschildert. Eine einjährige Probezeit ist verabredet, die von beiden Seiten gelöst werden kann. „Eine Riesenchance“ sowohl für die neue Pastorin wie auch für die Kirchengemeinde von St. Marcus insgesamt sieht Superintendent Martin Bergau voraus.