Sprachlosigkeit zwischen Bürgern und Politikern

Bürgerinitiativen anstelle von Parteien? Doris Schröder-Köpf erteilte dieser Entwicklung eine klare Absage. (Foto: Renate Tiffe)

Lesung und Diskussion mit Doris Schröder-Köpf

GROSSBURGWEDEL (ti). „Mal etwas anderes bieten“ wollten die Burgwedeler Sozialdemokraten und der hiesige SPD-Landtagsabgeordnete und -kandidat Marco Brunotte – „etwas Kulturelles mit politischem Hintergrund“. Das ist durchaus gelungen. Nach einer Lesung von Doris Schröder-Köpf, SPD-Politikerin und Ehefrau des Ex-Bundeskanzlers, entspann sich eine rege Diskussion unter den etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung im Amtshof.
Doris Schröder-Köpf, ebenfalls Landtagskandidatin mit Wahlkreis in Hannover, las aus ihrem 2001 erschienenen Buch „Der Kanzler wohnt im Swimmingpool“. Geschrieben für Kinder und Jugendliche, wird in Form einer Sammlung von Artikeln prominenter Zeitgenossen, darunter Thomas Gottschalk, Elke Heidenreich u.a, auf einfache Weise erklärt, „wie Politik gemacht wird“, so auch der Untertitel des Buches.
Im Beitrag „Kein Loblied auf die Parteien“ setzt der Politikwissenschaftler Claus Legewie sich mit der Parteiendemokratie auseinander - eine prima Vorlage für die anschließende Diskussion. Sie drehte sich um den Mitgliederschwund bei den Parteien, die Bürgerbeteiligung bei politischen Entscheidungen, um die Bringschuld der Parteien, aber auch die Holschuld der Bürger. Axel Düker, SPD-Ratsherr der Stadt Burgwedel, moderierte umsichtig.
Eine gewisse Sprachlosigkeit hat sich breitgemacht zwischen Bürgern und den Politikern in den Parteien. Einer weiß nicht, was der andere tut. Marco Brunotte lädt oft Schüler zu Praktika im Landtag ein und staunt manchmal über deren Unwissen und Voreingenommenheit. Dazu komme, dass sich Politik deutlich verändere durch die neuen Medien, durch Facebook u.a., meinte er. Über aller Komplexität der Probleme („wir befassen uns mit den Themen für acht Millionen Menschen in Niedersachsen“) müsse aber auch vermittelt werden, dass Politik Spaß mache. Es gehe um Macht auf Zeit.
Wie steht es um die direkte Demokratie? Welche Rolle spielen Bürgerinitiativen? Können sie an die Stelle der Parteien treten? Doris Schröder-Köpf erteilte dieser Entwicklung eine klare Absage. Politik dürfe nicht in Grüppchen zerfallen. Es gehe auch um größere Zusammenhänge, um Wirtschaftsansiedlung und Arbeitsplätze. Wichtig sei es, dass sich die Parteien das Vertrauen erhalten.
Die Erfahrung, dass es andererseits schwierig ist, Bürger zu aktivieren macht die SPD, wie alle anderen Parteien auch, gerade in Burgwedel bei der Innenstadtsanierung. Stephan Nikolaus-Bredemeier vom SPD-Parteivorstand hofft nun, wie er sagte, auf eine stärkere Beteiligung, wenn die Planungen im Detail vorgestellt werden.
Das Bildungsthema wurde angesprochen. Ein Gymnasiallehrer (nicht aus Burgwedel) stellte fest, dass fast niemand von den Schülern am Politikunterricht interessiert sei. Höchstens, dass man mal mit zur Demo gehe. Die Parteien werden als „stinklangweilig“ angesehen.
Eine Juso-Gruppe aus Langenhagen meldete sich zu Wort. Es müsse mehr Jugendveranstaltungen geben. Wie sollen sich Jugendliche für die Parteiarbeit begeistern, fragte ihr Vorsitzender. Doris Schröder-Köpf hatte da eine einfache Antwort parat: „es gibt auch eine Holschuld. Es geht um Eure Zukunft in Europa“, gab sie den Jugendlichen mit auf den Weg.