„Spaziergang“ beim Schützenfest

"Der smarte Spaßvogel" Kinderkönig Durentin Zeka (r.) mit Ortsbürgermeister Friedhelm Stein.
 
"Spaziergang" der Engensener Schützengesellschaft auf dem Kiebitzweg.

Organisatoren bekamen keine Genehmigung für den Umzug – Engensen feierte trotzdem drei tolle Tage

ENGENSEN (bgp). Das Schützenfest in Engensen hatte am vergangenen Wochenende zwar einen holprigen Start, die gute Laune der Festteilnehmer wurde dadurch allerdings wenig getrübt. Den Organisatoren war „aus formalen Gründen“ von der Region Hannover keine Genehmigung für die Umzüge am Samstag und Sonntag erteilt worden. Das Fax mit dem Antrag sei an eine falsche Nummer bei der Region gesendet worden und lag dem zuständigen Sachbearbeiter nicht rechtzeitig vor, so Holger Laue, zweiter Vorsitzender des Schützenvereins Zentrum Engensen.
Da war Kreativität gefragt und die Schützen ließen sich etwas anderes einfallen. Sie luden ihre Gäste kurzerhand zum „Spaziergang“ ein, dem sich anschließen möge, wer wolle. So „spazierten“ die zahlreichen Teilnehmer hinter Ortsrat, Schützen und Spielmannszügen her und überquerten in Gruppen geduldig die Hauptstraße an der Fußgängerampel, als diese Grün für sie zeigte.

Ortsbürgermeister Friedhelm Stein ärgerte sich zwar sehr über den bürokratischen Akt der „Verwaltungsdiktatur“, übernahm jedoch am Sonntag gut gelaunt die Festansprache zur Würdigung des Kinderkönigs Durentin Zeka. Die Familie lebe schon seit vielen Jahren im Ort und liebe Engensen ebenso wie den Kosovo, wo sie ursprünglich gelebt hatten. Als Zeichen der „Freude und des Stolzes“ auf den Königstitel seines Sohnes habe der Vater schon früh begonnen, den Gartenzaun mit grün-weißen Fahnen zu schmücken, so Stein. Der elfjährige Durentin besuche die Thönser Sonnenblumenschule und sein Notendurchschnitt im vorderen Bereich von zwei gebe „keinen Grund zum Klagen“, merkte der Ortsbürgermeister verschmitzt an. Der Junge habe in einem Gespräch spontan erklärt, dass er auch mal Bürgermeister werden wolle, da er am gleichen Tag Geburtstag hat, wie Stein selbst. Das „monatliche Gehalt“ habe jedoch nicht seinen Vorstellungen entsprochen, ließ dieser unter fröhlichem Gelächter der Teilnehmer wissen. Da der Kinderkönig „immer zu Späßen aufgelegt“ sei, bekam er von Stein den Namen: „Durentin, der smarte Spaßvogel“ verliehen.
Auch bei Andreas Brakhage sparte Stein nicht mit humoristischen Einlagen und nannte den 1982 nach Engensen gezogenen Volkskönig einen „Sympatischen Innhucker“. Die Familien der Könige erwiesen sich währenddessen als freundliche Gastgeber und versorgten die Schützengesellschaft mit Getränken, Snacks, Eis und Süßigkeiten.

Neben dem Kinder- und Volkskönig gab es noch weitere Majestäten, die ausgiebig gefeiert wurden. Zwei Titel auf Stadtebene gingen in diesem Jahr nach Engensen: Die Würde des Burgwedeler Stadtkönigs errang Olav Lahmann, Stadtjugendkönigin wurde Phoebe Behre. Mike Dytkiewicz konnte sich zum vierten Mal als Schützenkönig in Engensen durchsetzen und wird im kommenden Jahr den Wettkampf um die Stadtkönigswürde antreten. Lily Marie Lahmann, Tochter des Stadtkönigs, blieb nicht untätig und sicherte sich die Engensener Jugendkönigsscheibe. Bernd Hartwig wurde Seniorenkönig.
So feierten die Schützen und ihre Gäste drei Tage lang ausgelassen, auch am Sonntag brodelte das Zelt mit Kindertanz und Erwachsenen, die das Fest bei strahlendem Sonnenschein mit einem kühlen Getränk in der Hand noch einmal in vollen Zügen genossen.

Die Polizei war an den Umzugstagen „im Rahmen der Gefahrenabwehr“ vor Ort und gewährleistete eine „sichere Durchführung“, erklärte Antje Heilmann, Sprecherin der Polizeidirektion Hannover. Aus polizeilicher Sicht sei das gesamte Schützenfest störungsfrei verlaufen. „Ob die Veranstaltung als Umzug oder Spaziergang gewertet wird, obliegt allein der Region Hannover als verfahrensführende Behörde“, resümierte Heilmann am Montag im Hinblick auf eventuelle Bußgelder, die in Engensen fällig werden könnten.