„Soziales Lernen im Schulalltag kann Mobbing verhindern“

In Kleingruppen tauschten sich Lehrer, Polizisten und Eltern aus. (Foto: Sina Balkau)

Gewaltbeauftragte referierte auf Einladung des Präventionsrates

ALTWARMBÜCHEN (sib). Die Arbeitsgruppe Schule des Präventionsrats Isernhagen hatte am vergangenen Dienstag zur Fachtagung „Mobbing – wo hört der Spaß auf?“ geladen. Im Foyer der Heinrich-Heller-Schule hörten Schulleiter und Lehrer der weiterführenden Schulen, Elternvertreter sowie Vertreter von Polizei und Jugendpflege Isernhagen einen Vortrag der Gewaltbeauftragten der Landesschulbehörde Monika Harms und diskutierten anschließend über Präventions- und Reaktionsmöglichkeiten.
Demütigen, Bloßstellen, Isolieren, Peinigen – Mobbing hat viele Gesichter, die alle eins gemeinsam haben: Sie können dem Opfer starke psychische und auch physische Schäden zufügen, die oft nur schwer wieder zu beheben sind.
Zum Opfer kann jeder werden, nicht nur das unbeliebte „Mauerblümchen“. „Jedes sechste Kind war schon einmal von Mobbing betroffen, das geht quer durch alle Altersstufen und Schulformen“, erklärte Referentin Monika Harms den 32 Teilnehmern der Fachtagung. Das verdeutlichte auch der fiktive Fall, mit dem die Gewaltbeauftragte der Landesschulbehörde auf das Thema einstimmen und Betroffenheit erzeugen wollte: Die Achtklässlerin Jasmin ist ein hübsches und intelligentes Mädchen, das die Beziehung zu einem Mitschüler beendet. Der Verlassene, der in der Klasse als Meinungsmacher gilt, erfindet daraufhin üble Gerüchte, die Jasmin in einem schlechten Licht dastehen lassen. Schließlich sind beinahe alle Klassenkameraden gegen sie, das gipfelt darin, dass sie auf dem Nachhauseweg von mehreren Mitschülern verfolgt wird und das Mädchen als letzte Konsequenz die Schule wechselt.
Für mehrere der anwesenden Lehrer und Eltern – die drei weiterführenden Schulen Isernhagens schickten neben der Schulleitung je drei Vertreter aus Lehrerkollegium und Elternvertretung zu der Veranstaltung – war das keine ganz unbekannte Situation. Trotzdem waren sie größtenteils sehr froh über konkrete Vorschläge, wie mit so einem Fall umzugehen ist.
„Es gibt zwei unterschiedliche Methoden, Mobbing in der Schule zu begegnen“, berichtete Monika Harms. Da sei zum einen der „No Blame Approach“, der vollständig auf Schuldzuweisungen und Bestrafungen verzichte. Stattdessen bezieht der Lehrer Anführer und Mitläufer in die Lösung des Mobbingproblems ein und gibt ihnen auf diese Weise die Chance, ihr Gesicht zu wahren. Gegensätzlich geht die Farsta-Methode vor: Die Täter werden offen mit ihrer Tat konfrontiert und in die Verantwortung genommen.
Die Gewaltbeauftragte, die bis vor einem Jahr selbst im aktiven Schuldienst tätig war, hält es jedoch für viel entscheidender, dass Schulen sich grundsätzlich Gedanken über soziales Lernen im Schulalltag machen. Außerdem sei ein Leitbild der Schule, das ein Wir-Gefühl unter den Schülern fördert, unabdingbar. „Ich habe mit meinen Klassen zum Beispiel immer einen Ehrenkodex entwickelt, in dem festgehalten wurde, was jeder einzelne in der Klasse benötigt, um sich wohl zu fühlen“, so die ehemalige Lehrerin. Auch die Gründung eines Klassenrats sei hilfreich, eine negative Gruppendynamik gar nicht erst entstehen zu lassen.
„Unser erstes Ziel heute war, Ihnen den einen oder anderen Denkanstoß zu geben“, sagte Oliver Mengershausen vom Präventionsrat Isernhagen. Bei einem erneuten Treffen am 15. März 2011 soll es dann darum gehen, was die Teilnehmer aus der Tagung mitgenommen und eventuell auch angewandt haben. Die Rückmeldung an diesem Abend war jedenfalls schon einmal sehr positiv „Ich fand den Vortrag von Frau Harms unglaublich beeindruckend“, sagte beispielsweise Jens Könnecke, seit einigen Monaten Leiter der Realschule. Das soziale Lernen solle ein Schwerpunkt seiner Schule werden, eventuell auch mit Unterstützung durch eine Weiterbildung bei Monika Harms. „Da muss ich mal den Bedarf im Kollegium klären“, so Könnecke.