Sommerdrama: Im Würmsee sterben wieder die Fische...

Ein idyllisches Fleckchen ist der Würmsee, in dem gegenwärtig die Fische sterben und der angesichts der Hitze gen Himmel stinkt. (Foto: Hans Hermann Schröder)

...und der Realverband Kleinburgwedel wird zum Wasserpumpen verdonnert

KLEINBURGWEDEL (hhs). Spaziergänger entdeckten am vergangenen Samstag beim Marsch rund um den Würmsee wieder tote Fische Bauch oben auf dem Wasser treibend. Sie setzten Beamte des Polizeikommissariats Großburgwedel in Kenntnis darüber. Diese fuhren umgehend dorthin, konnten keinerlei Einleitungen gefährlicher Stoffe Verunreinigungen in den Würmsee feststellen. Sie zogen daraus den Schluss, dass die hohen Temperaturen der vergangenen Tage und der damit einhergehende Sauerstoffverlust des Flachgewässers Ursache des Fischsterbens sei und setzten die Untere Wasserbehörde bei der Region Hannover darüber in Kenntnis. Diese reagierte schnell und erteilte dem Besitzer des Würmsees, dem Realverband Kleinburgwedel, die Auflage, umgehend frisches Wasser in den See einzuleiten. Der Vorsitzende des Realverbandes, Friedhelm Leisenberg, stellte noch am Samstagnachmittag die Pumpe an.
Die Pumpe befindet sich knapp fünf Meter vom Seeufer entfernt kurz hinter dem Gelände der Gaststätte am Würmsee. „Dort, wo früher einmal der Bootsverleih war“, erklärte es Friedhelm Leisenberg. „Der Brunnen ist 15 Meter tief und direkt neben dem Brunnen fließt das Wasser in den See“. Man hört es plätschern und irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass diese gesamte Anlage eher den Charakter einer Umwälzanlage hat. Für Leisenberg ist das Zupumpen von Wasser in den Würmsee nichts Neues, beinahe jedes Jahr stirbt ein Teil des Fischbesatzes im See, wenn es eine Hitzeperiode gibt. Und dann muss der Realverband eben zupumpen. Die Pumpenanlage habe der letzte Pächter des Bootsverleihs, Herr Maaß, angelegt, vor vielen Jahren schon, um seinen Bootsbetrieb auf dem verlandenden Gewässer weiter betreiben zu können. Genützt habe das damals auch nichts. 138.000 Kubikmeter Wasser dürfe der Realverband Kleinburgwedel jedes Jahr in den Würmsee pumpen. Die Untere Wasserbehörde habe diese Menge auf der Basis der Angaben des Bootsverleihers festgelegt. „Viel zu wenig“, meint Leisenberg, denn man sehe auch nach Tage langem Pumpen kaum, dass sich am Wasserstand etwas ändere.
Dennoch, 138.000 Kubikmeter sind eine Menge: Ein kleines Rechenexempel mag es verdeutlichen. Leisenberg schätzt die gegenwärtige Fläche des Würmsees auf zweieinhalb Hektar, (etwa 25.000 Quadratmeter). Wenn auf diese Fläche 138.000 Kubikmeter Wasser verteilt werden, müsste der Wasserspiegel um 5,52 Meter ansteigen. „Wo bleibt das Wasser?“ Der Realverband habe schon ein paar mal das gesamte Jahreskontingent an Fischwasser hinein gepumpt, ohne dass etwas dabei herauskam. Ist die Pumpe vielleicht doch eine Umwälzpumpe? Der Realverband müsse dafür auch die Kosten tragen. „Wir können dafür nur eine gewisse Summe ausgeben“, sagt Leisenberg, der sich von der Mitgliederversammlung des Realverbandes den Betrieb der Pumpe hat absegnen lassen. „Wir machen das, obwohl wir dafür gar nicht zuständig sind“, ärgert er sich. „Die Aufgabe eines Realverbandes ist die Instandhaltung und der Ausbau des landwirtschaftlichen Wege- und Grabensystem, keinesfalls aber die Erhaltung eines Naherholungsgebietes. Dafür ist die Region Hannover zuständig und nicht wir. Lange können wir diese Mehrbelastung nicht mehr wuppen“. Früher habe die Region die Kosten getragen, jetzt sei der Realverband seit einigen Jahren allein in der Pflicht.
Es gebe keinerlei Klarheit, was weiterhin mit dem See geschehe. „Was, wenn die alte Pumpe ihre Mitarbeit einstellt? Wer finanziert dann eine neue?“, fragt er. Antworten hat er bislang nicht bekommen, nur eben die beinahe jährliche Auflage, dass gepumpt werden muss. „Das Übel ließe sich mit ein bisschen guten Willen lösen. Wenn man den See in seinem Zustand erhalten will, muss etwas gegen die Verlandung getan werden: Er muss ausgebaggert werden, damit er an Tiefe gewinnt. Das ist allen, die sich um den See kümmern, vollkommen klar und außer Frage“. Leisenberg schätzt den Aufwand dieser Maßnahme auf etwa eine halbe Million Euro. „Aber die Region Hannover muss das nach unserer Einschätzung finanzieren, doch die hat kein Geld. Neulich war der Regionspräsident mit dem Fahrrad auf Sommertour in Burgwedel. Aber zum Würmsee ist er nicht gekommen. Jagau meidet offensichtlich diesen Problempunkt hier“, ärgert sich der Vorsitzende des Realverbandes. Eine sinnvolle Lösung für den Würmsee sieht er allerdings mittelfristig nicht. Immerhin aber, Leisenberg kann sicher sein, dass die Region zuständig ist für den Würmsee, andernfalls hätte sie ihm schließlich nicht die Auflage erteilt, frisches Wasser in den See zu pumpen, fühlt sich also doch, wenn auch nur irgendwie, verantwortlich.