„Sie gaben Anschwung ohne zu übernehmen“

Langenhagens Bürgermeister Mirko Heuer (links) dankte dem Superintendenten für die gute Zusammenarbeit der vergangenen Jahre. (Foto: Andrea Hesse/Kirchenkreis)
 
Dr. Petra Bahr, Regionalbischöfin des Sprengels Hannover, entpflichtete Holger Grünjes in einem festlichen Gottesdienst. (Foto: Andrea Hesse/Kirchenkreis)

Herzliche Verabschiedung für Superintendent Holger Grünjes

Burgwedel/Isernhagen/Langenhagen (r/bs). „Wenn es einen Beweis brauchte, dass Humor eine ausgezeichnete Gabe Gottes ist – du würdest ihn liefern“, erklärte Dr. Petra Bahr.
In einem festlichen Gottesdienst in der Martinskirche in Engelbostel entpflichtete die Regionalbischöfin des Sprengels Hannover Holger Grünjes von seinem Dienst als Superintendent des Kirchenkreises Burgwedel-Langenhagen; viele Mitarbeitende und Weggefährten verabschiedeten ihn im Anschluss mit großer Herzlichkeit in den Ruhestand.

„Danke für den Einsatz deines Glaubens, für deine Klugheit und deinen Witz, für deine Geduld – und für diesen besonderen Grünjes-Moment“, fuhr die Regionalbischöfin fort. Sie selbst habe diesen Moment mehrfach erlebt und sehr geschätzt: eine knappe, treffende Bemerkung, die aus einem „aufgeblasenen Gremium die Luft rauslässt“ – und plötzlich hätten alle zugehört.
„Ein großes, einsames Ego war dir immer zuwider“, fuhr Bahr fort; die Arbeit mit anderen sei immer das Ziel Grünjes‘ gewesen. Immer habe er das Andere als Reichtum begriffen, vor diesem Hintergrund auch so wenig Angst vor den Ideen der Jungen gehabt. „Das merkt man in deinem Kirchenkreis“, äußerte die Regionalbischöfin Anerkennung.
Für die zurückliegende Zusammenarbeit dankten auch Superintendentin Sabine Preuschoff aus dem Nachbarkreis Burgdorf gemeinsam mit ihrem Amtskollegen Karl Ludwig Schmidt aus Hannover und Kirchenkreisamtsleiterin Claudia Bergmann. In gereimten Versen würdigte Preuschoff die Verlässlichkeit und Nähe in der Zusammenarbeit, verkniff sich aber auch einen kleinen freundschaftlichen Seitenhieb nicht: Während man im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen über die Gestaltung der Weihnachtsgottesdienste sinniere, plane man in Burgdorf bereits das nächste Osterfest.
Claudia Bergmann übermittelte den Dank aller Mitarbeitenden im Kirchenkreisamt: Dank für ein immer offenes Ohr, für die Klarheit bei notwendigen Entscheidungen, für die verlässliche Unterstützung auch in schwierigen Zeiten.
Für die evangelische Jugend und den Kirchenkreisjugendkonvent ergriffen Nora Schneider und Ole Mewes das Wort: „Sie gaben uns Anschwung, ohne das Steuer zu übernehmen“, dankten sie Holger Grünjes. „Das Miteinander mit Ihnen war immer auf Augenhöhe, und manchmal haben Sie auch zu uns aufgeschaut.“
Es gebe schöne Erinnerungen an gemeinsame Treckertouren und einen besonderen Segen, an das Wintergrillen in Brelingen und das Jugendfestival in Elze. Zum Dank überreichten sie Grünjes ein kleines silbernes Kugelkreuz, das Symbol der Evangelischen Jugend, zum Anstecken: „Diejenigen, die es normalerweise bekommen, sind deutlich jünger als Sie“, stellte Mewes dazu fest.
„Sie waren immer ein Teamplayer – Sie haben uns wahrgenommen und haben sich uns immer als Gesprächspartner angeboten“, erklärte Pastor Michael Brodermanns im Namen der Kirchenkreiskonferenz, zu der alle Pastoren und Diakone gehören. Er dankte insbesondere für die verbindenden Erlebnisse und die gemeinsamen Erfahrungen, die etwa die Reise der Konferenz nach Jerusalem mit sich gebracht habe.
Dem schlossen sich Anna Thumser und Anne Basedau aus dem Kirchenkreisjugenddienst an: Sie erinnerten an Grünjes häufige und immer begeistert gestellte Frage: „Ist das nicht großartig?“ „Es war großartig!“, stellten beide Diakoninnen fest und schlossen mit einem typischen Grünjes-Wort: „Viel Gutes für Sie!“
Stellvertretend für die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der vier Kommunen des Kirchenkreises dankte Langenhagens Bürgermeister Mirko Heuer dem Superintendenten für die gute Zusammenarbeit der vergangenen Jahre: „Sie haben immer eine klare Haltung gezeigt und Zuversicht vermittelt; und Sie haben Kirche nahbar gemacht.“ Ihm persönlich sei es eine echte Freude gewesen, mit Holger Grünjes zusammenzuarbeiten, etwa im Rahmen des Volkstrauertages: „Es war so herrlich unkompliziert.“
„Ich war immer Pastor mit Leib und Seele“, verabschiedete sich Holger Grünjes schließlich von allen Gästen des Gottesdienstes, zu denen auch die Bundestagsabgeordneten Rebecca Schamber aus der Wedemark und Dr. Hendrik Hoppenstedt aus Burgwedel gehörten. Es sei für ihn ein Glück gewesen, diese Leidenschaft mit der Leitungsfunktion als Superintendent verbinden zu können – insbesondere auch dank der Bereitschaft seiner Familie, ihm dafür den Rücken freizuhalten und immer wieder zurückzustecken.
Mit einem Ständchen, im Freien und mit Maske gesungen, hatte die Kirchenkreiskonferenz bei dieser besonderen Verabschiedung dann das letzte Wort. „... manchmal hat es da gekracht, doch irgendwie auch Spaß gemacht, denn wenn man’s bei Licht betracht – meistens hat er ja gelacht“, hatte Pastor Torsten Kröncke aus der Elisabeth-Kirchengemeinde in Langenhagen gereimt.
Fast genau acht Jahre lang, seit dem 1. Januar 2014, war Holger Grünjes Superintendent des Evangelisch- lutherischen Kirchenkreises Burgwedel-Langenhagen. Zum Jahresende verlässt er den Kirchenkreis und geht in den Ruhestand.
Mit der Verabschiedung Grünjes‘ übernahm Pastor Rainer Müller-Jödicke aus Engelbostel, 1. Stellvertreter des Superintendenten, die Vakanzvertretung. Das Verfahren zur Wiederbesetzung der Stelle einer Superintendentin oder eines Superintendenten im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen ist unter der Leitung von Tilmann de Boer, Präsident der Kirchenkreissynode, angelaufen. Voraussichtlich für Sommer 2022 wird mit der Wiederbesetzung gerechnet.