Sibylla Maria Merian-Grundschule in Fuhrberg hat jetzt eine Chorklasse

Nur mit dem Klavier und viel Erfahrung hat Lilli Schwarz aus der ersten Klasse der Grundschule Fuhrberg einen richtig guten Chor geformt. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Das Land Niedersachsen finanziert eine Wochenstunde Chorgesang für 1. Klasse

FUHRBERG (hhs). „An unserer Schule konnte in Zusammenarbeit mit der Musikschule Isernhagen-Burgwedel das Projekt der Chorklasse für die erste Klasse installiert werden. Das Land Niedersachsen finanziert eine Musikschullehrkraft der Musikschule für eine Musikstunde wöchentlich“, hieß es in einer Mitteilung der Sibylla-Maria-Merian-Grundschule in Fuhrberg. Und dann noch lud Schulleiterin Andrea Halden ein, das Projekt am Donnerstag dieser Woche der Öffentlichkeit vorzustellen.
Eingeladen war auch Ortsbürgermeister Heiner Neddermeyer, sicherlich der musikalischste Ortsbürgermeister weit über den Bereich der Stadt Burgwedel hinaus. „Mal sehen, was uns da erwartet“, sagte er etwas skeptisch im Flur der Grundschule. Jeder weiß, wenn Kinder singen, so schlecht auch immer, man muss das Loben, das ist gesellschaftlicher Konsens.
Aber, um es vorweg zu sagen, die Skepsis war schnell vom Tisch, der Ortsbürgermeister blühte geradezu auf vor dem Klassenraum, aus dem die ersten unüberhörbaren Töne der Chorklasse auf den Flur drangen. „Das hört sich gut an“, flüsterte Neddermeyer strahlend. Das war nicht nur gut, das war sehr gut. Als Schulleiterin Andrea Halden dann noch erläuterte, dass die Klasse nur eine Stunde wöchentlich von Musikschullehrerin Lilli Schwarz unterrichtet wird, war das Erstaunen aller ziemlich groß, verständlich, denn das Schuljahr dauert schließlich erst gut vier Wochen und von den Erstklässlern hatte noch niemand zuvor in einem Chor gesungen.
Auch Nicola Bodenstein Polito, die Leiterin der Musikschule Isernhagen-Burgwedel, war zugegen und ebenso überrascht wie alle anderen: „ Das stimmt Rhythmus, das ist gut von den Kindern artikuliert, da stimmt einfach alles, unglaublich für dieses Alter“, freute sie sich. Lilli Schwarz, die Musikschullehrerin, hat in nur vier Wochen den Grundstein gelegt für diese Leistung. „Eigentlich macht Singen jedem Menschen Spaß“, sagte sie. „Wir haben Stimmbildung gemacht und Gehörbildung, wir haben uns um den Rhythmus gekümmert, und die richtige Atmung“, erklärte sie ihr Vorgehen. „Die Kinder können mit den Begriffen Piano und Forte umgehen und diese auch im Gesang umsetzen. Ich unterstütze sie dabei mit dem Klavier“. Und nach einigem Überlegen schmunzelte sie: „Eigentlich könnten wir bald unser erstes Konzert geben“.
Singen, auch im Chor, sei ein klassisches Grundschulangebot, erläuterte Andrea Halden die Zusammenhänge. „Chorklassen stellen als eine besondere Form des Klassenmusizierens das Singen in den Mittelpunkt des Musikunterrichts. (Das ist neu - und doch auch wieder nicht. Denn das Singen in der Schule war erst im Zuge der so genannten „kritischen Musikpädagogik“ in den 50er und 60er Jahren in Verruf geraten“, brachte sie die Vergangenheit des Chorgesangs an den Schulen auf den Punkt. Wer erinnert nicht noch die Jahre, in denen nur der im Fach Musik eine gute Note erlangen konnte, der auch ein Instrument spielen konnte? Die Folge: Musik wurde im Rahmen Kunstwerk orientierter musikdidaktischer Konzeptionen eher analysiert als selber zum Klingen gebracht. „Heute besinnt man sich wieder auf das Lied im Unterricht - nicht zuletzt aus der Befürchtung heraus, es könnte uns gänzlich abhanden kommen“, so Andrea Halden. Die besonderen inhaltlichen Schwerpunkte einer Chorklasse fänden sich: im erweiterten Liedrepertoire, in einer kindgerechten Stimmbildung, in besonderen Formen der Liedvermittlung, in der Anbahnung des mehrstimmigen Singens, in der Steigerung der Freude am Singen sowie in der Entwicklung eines sängerischen Selbstbewusstseins.
Die Chorklasse bietet gegenüber den Formen des Klassenmusizierens mit Bläsern- oder Streichern den großen Vorteil, dass nicht erst Instrumente angeschafft und zusätzlich Instrumentalpädagogen hinzugewonnen werden müssen. „Jedes Kind bringt seine Stimmbänder ja mit - und die Lehrkraft ebenfalls!“, bringt es die Schulleiterin auf den Punkt. In Niedersachsen wurde die Idee der Chorklassen von der Hochschule für Musik und Theater Hannover entwickelt. Sie unterstütze auch die ersten hannoverschen Pilotschulen personell.( Besonders in der Stimmbildung wurden Studentinnen und Studenten als Assistenten eingesetzt. Auch für Schulen, die außerhalb des Wirkungskreises der Musikhochschule liegen, ist eine externe Unterstützung und Kooperation mit außerschulischen Fachstellen sinnvoll. Hierfür biete sich das landesweite Netz der Musikschulen an, die Zusammenarbeit mit Chören habe sich ebenso bewährt. Insbesondere für Grundschulen, jedoch auch an Gymnasien oder Gesamtschulen, hat sich das Konzept Chorklasse als praktikabel und zukunftsträchtig erwiesen. In der Grundschule ist das Konzept auf vier Jahre ausgelegt. In der Chorklasse werden nicht allein die sängerischen und sozialen Kompetenzen der Schüler entwickelt und gefördert, das Modell trage auch zur Profilbildung einer Schule bei.