Sexueller Missbrauch in den 70er Jahren

Nach dem Bekanntwerden des Mißbrauchsfalls soll der Pastor-Badenhop-Weg in Großburgwedel umbenannt werden. (Foto: Stadt Burgwedel)
 
„Wir sind beschämt, dass dies in unserer Einrichtung möglich war“, erklären die Pestalozzi-Vorstände Claus Fitschen (links) und Sebastian Bernschein.

Opfer von Pestalozzi-Vorsteher Hans-Georg Badenhop wendet sich an die Stadt Burgwedel

Großburgwedel (bs). In Großburgwedel wird voraussichtlich noch in diesem Jahr die Straße „Pastor-Badenhop-Weg“ ihren Namen verlieren: Ein von Hans-Georg Badenhop, ehemaliger und inzwischen verstorbener Vorsteher der Pestalozzi-Stiftung, als 11-Jähriger sexuell missbrauchtes Opfer hat sich an die Stadt Burgwedel gewandt und darum gebeten, die Umbenennung vorzunehmen.
„Wir sind zutiefst erschüttert, dass es in den 1970er Jahren einen sehr schweren Fall von sexueller Gewalt in der Pestalozzi-Stiftung gegeben hat“, erklären Bürgermeister Düker, Ortsbürgermeister Fortmüller und die Erste Stadträtin Christiane Concilio.
In dem der Stadt vorliegendem Schreiben des ehemaligen Schützlings der Pestalozzi-Stiftung und des Landeskirchenamtes Hannover wird der ehemalige und inzwischen verstorbene Vorsteher Pastor Hans-Georg Badenhop als einer der maßgeblichen Täter benannt.
Die Pestalozzi-Stiftung hat sich, wie viele andere kirchliche und staatliche Einrichtungen, seit mehr als zehn Jahren mit dem Thema Gewalt und sexueller Missbrauch in der Heimerziehung in den 50er bis 70er auseinandergesetzt. Dabei ist die Stiftung mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs und Gewalt durch Erzieher, Lehrer und auch durch die damaligen Vorsteher Pastor Johannes Badenhop und Pastor Hans-Georg Badenhop konfrontiert worden.
„Wir haben persönliche Gespräche mit Betroffenen geführt und sind beschämt, dass dies in unserer Einrichtung möglich war“, erläutert Pestalozzi-Vorstand Claus Fitschen. Darüber hinaus habe man den Kontakt zu übergeordneten Institutionen vermittelt, damit Anerkennung, Hilfe und Entschädigungsleistungen in Anspruch genommen werden konnten.
Dies geschah auch im Oktober 2018, als sich das heute 59-jährige Opfer mit der Pestalozzi-Stiftung in Verbindung setzte. Nach Prüfung des Anliegens urteilte im Juni 2019 die Unabhängige Kommission der Ev.-luth. Landeskirche Hannover zur Prüfung von Leistungen in Anerkennung des Leids an Opfern sexualisierter Gewalt, dass Anfang der 70er Jahre in der Pestalozzi-Stiftung ein „institutionelles Versagen“ der Verantwortlichen vorlag. Damit waren die in der Fürsorgeeinrichtung untergebrachten Kinder (6 bis 15 Jahre), die mehrheitlich aus Burgwedel stammten, dieser sexuellen Gewalt völlig schutzlos ausgeliefert.
Neben der Betroffenheit über diese schrecklichen Taten gibt es auch großen Unmut seitens der Stadt Burgwedel. „Wenn uns der Brief des Opfers nicht erreicht hätte, wüssten wir von nichts“, so Bürgermeister Axel Düker, „es ist unerträglich, dass ein Straßenname in unserer Stadt in Verbindung mit derartig schlimmen Verbrechen steht.“
Seit vielen Jahren arbeite die Kommune eng verzahnt mit der Pestalozzi-Stiftung. „Spätestens nach der Anerkennung durch die unabhängige Kommission der ev.-luth Landeskirche Hannover im Juni 2019 hätte die Pestalozzi-Stiftung auf uns zugehen müssen“, so Düker weiter.
„Es ist für mich selbstverständlich, dass der Ortsrat Großburgwedel rasch und entschlossen der Aufforderung des Opfers auf Umbenennung des Pastor-Badenhop-Wegs entspricht“, führt Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller aus. Eine weitere Beibehaltung des Straßennamens sei nach den durch das Landeskirchenamt bestätigten Missbrauchsfällen nicht tragbar. „Die Straßenumbenennung ist ein wichtiges Signal“, betont auch Burgwedels Erste Stadträtin Christiane Concilio und wendet sich mit der dringenden Empfehlung an die Pestalozzi-Stiftung, diese Vorfälle intensiv aufzuarbeiten.