Sexualisierter Gewalt im Sport

Rege Diskussion bei der Online-Sitzung des Sportrings

Burgwedel (r/bs). In seiner Online-Sitzung Ende März diskutierten die Mitglieder des Sportrings Burgwedel (SR) über das Thema „Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport“.
Die Brisanz des Themas verdeutlichte der SR-Vorsitzende Ulrich Friedrich anhand von erschreckenden Zahlen. „Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik gab es 2019 in Deutschland mehr als 12.200 Fälle von Kinderpornografie, ein Anstieg um fast 65% gegenüber 2018. Hinzu kommen 13.600 polizeilich erfasste Fälle sexuellen Missbrauchs. Doch diese Zahlen sind nur das Hellfeld. Das Dunkelfeld ist um ein Vielfaches größer. Im Durchschnitt werden in Deutschland 1 bis 2 Kinder pro Schulklasse Opfer sexueller Taten. Dabei kommen die Täter aus allen gesellschaftlichen Schichten“, so Ulrich Friedrich.
Die Teilnehmer diskutierten verschiedene Lösungsansätze. Ob ausdrückliche Anerkennung von Verhaltensrichtlinien durch Übungsleiter und Trainer, die Aufnahme von Sanktionsmöglichkeiten gegenüber übergriffig werdenden Personen in die Vereinssatzung oder die Verknüpfung von kommunalen Fördermitteln mit Schutzkonzepten gegen sexuellen Missbrauch.
Letztlich überzeugte Dagmar Ernst, Referentin und Vorstandsmitglied des Regionssportbundes, alle Beteiligten mit dem von ihr vorgestellten und favorisierten Schutzkonzept. Es setzt auf die Sensibilisierung aller Beteiligten.
Neben sexualisierten Grenzüberschreitungen müssten Kinder und Jugendliche auch vor z.B. Mobbing und heimlichen Fotoaufnahmen geschützt werden. Gerade im Leistungssport, aber auch in Kirche und Schule begünstigten die Machtstrukturen sexuellen Missbrauch. Auch in der Region Hannover habe es Missbrauchsfälle gegeben, wusste Ernst zu berichten.
Ausgebildete Teams und Fachberatungsstellen der Region unterstützen Vereinsverantwortliche, Übungsleiter und Trainer bei der Entwicklung eines Schutzkonzeptes. Mindestens sechs Bausteine sind zu absolvieren. Darunter das Fertigen einer Risikoanalyse, die Schulung von Übungsleitern und Vertrauenspersonen sowie die Erstellung eines Fahrplans, wie sich der Verein bei Vorfällen und Verdachtsfällen zu verhalten hat.
Nach bis zu zwei Jahren Arbeit an Konzepterstellung und Schulung winken nicht nur ein Zertifikat, sondern die Gewissheit, Kindern und Jugendlichen einen bestmöglichen Schutz vor Übergriffen im Sportverein bieten zu können.
Es obliegt nun den teilnehmenden Vereinsvorständen ihren Kollegen in den Vereinen von der Notwendigkeit der Erstellung eines Schutzkonzeptes zu überzeugen.