Seltene Pflanzenarten gedeihen nur wenige Meter voneinander entfernt

Unscheinbar elegant erscheinen die Blüten des Breitblätterigen Stendelwurzes. Am Weg im „Sprill“ hat sich ein ordentlicher Bestand entwickelt. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Fruchtstand eines Gefleckten Knabenkrautes. In gut zwei Wochen werden die Samen ausgereift sein und hoffentlich zur Vermehrung der Art im kommenden Jahr beitragen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Neue Vorkommen von Breitblättrigem Stendelwurz und Geflecktem Knabenkraut

KLEINBURGWEDEL/FUHRBERG (hhs). Man kann manche abgelegene Waldwege gehen und erlebt eine Überraschung, oder man lässt sich etwas Zeit, den häufig genutzten Weg einmal in Ruhe entlang zu spazieren mit den Augen am Boden, und erlebt sie auch. Das ist in den vergangenen Tagen geschehen in und um das „Sprillgehege“, ein Forstort zwischen Fuhrberg und Kleinburgwedel. Dort gedeihen zwei Orchideenarten gegenwärtig prächtig: Das Gefleckte Knabenkraut und der Breitblättrige Stendelwurz. Das beste an dem neuen Fund der beiden seltenen Arten: Das Gefleckte Knabenkraut hat schon ausgeblüht und setzt Fruchtstände in großer Zahl an.
Der Breitblättrige Stendelwurz, der von Anfang Juni bis in den September blüht, ist nicht weit vom Fundort des Knabenkrautes in allen Wuchsstadien zu bestaunen und wird sich dort auch vermehren.
Das Gefleckte Knabenkraut kommt an mehreren Stellen in der Gemarkung der Stadt Burgwedel vor. Die Burgwedeler Nachrichten haben darüber bereits berichtet. Es ist eine schlanke Pflanze bis etwa 60 cm Höhe und verfügt über einen harten Stängel, den man nur schwer mit den Fingern zusammendrücken kann. An diesem Stängel befinden sich zwischen sechs und zwölf lanzettliche Blätter, die in der Regel gefleckt sind. Daher rührt der Name dieser Orchidee. Die Blüten fallen farblich etwas verschieden aus, sie sind aber immer hell in Purpur bis Violett. Die Einzelblüten sind aus der Nähe betrachtet wunderschön und stehen in einer Ähre, die sich im Triebstadium anfangs pyramidenähnlich, später aber zylindrisch entwickelt.
Dieses Knabenkraut liebt eigentlich nasse oder feuchte Wiesen, Flachmoore, Heiden und lichte Wälder, sofern diese über nährstoffarme und eher saure Böden verfügen. Diese Pflanzenart kommt überall in Europa vor, in Deutschland allerdings zerstreut bis selten, und an manchen Stellen häufig, wie eben in der Gemarkung Burgwedels. Blütezeit des Gefleckten Knabenkrautes ist von Mai bis in den August. Der jetzt gefundene Bestand hat ausgeblüht und wird in etwa drei Wochen seine Samen freisetzen.
Der Breitblätterige Stendelwurz gedeiht an einem viel befahrenen Waldweg im „Sprill“. Die Pflanzen werden zwischen 20 cm und einem Meter groß und sind damit die größten der hiesigen Sumpfwurzarten. Ihr Stängel ist ein wenig kurvig gebogen und manchmal scheint es, er sei rot angelaufen. Schaut man sich die Blätter an, dann glaubt man, die Pflanze leiste sich den Luxus, zwei unterschiedliche Blattformen zu schieben: Unten am Stängel sind sie beinahe rundlich oder eiförmig breit, nach oben hin werden sie zunehmend lanzettlicher. Die Blüten stehen in einer langen Ähre in lockerem Verbund. Sie sind überwiegend grün mit rosa oder rötlichen Einfärbungen. Die seitlichen und oberen Hüllblätter sind blass grün, die Lippe ist rot oder rosa. Der Vorderteil der Lippe ist spitz und eiförmig.
Eigentlich wächst der Breitblätterige Stendelwurz in Buchen und Eichenwäldern, immer aber auf Böden mit Kalkgehalt. Diese Voraussetzungen liegen im „Sprill“ zwar nicht im Idealmaß vor, nur eben an den Wegen, die mit ortsfremden Schotter gebaut wurden. Stendelwurz gilt in Deutschland zwar nicht als selten, aber als selten in der Norddeutschen Tiefebene wegen des Fehlen des Kalkes. Der hiesige Bestand ist deswegen ziemlich genau auf die entsprechenden Wegraine begrenzt.
Die Standorte beider Orchideenarten sind vorerst nicht durch Mäharbeiten gefährdet. Friedhelm Leisenberg, Vorsitzender des Realverbandes Kleinburgwedel, erklärte auf Anfrage, der Fundort des Gefleckten Knabenkrautes auf dem Weg werde erst im Spätherbst gemäht, zu einem Zeitpunkt, wenn die Orchideen ausgesamt haben. Im Übrigen wisse er um die Besonderheiten der Fauna dort und lasse den Weg nur alle zwei Jahre mähen, um ihn für Wanderer frei zu halten. Auch Förster Helmut Andrick vom Niedersächsischen Forstamt Fuhrberg erklärte, der Bereich des Breitblätterigen Stendelwurzes werde von allen Pflegemaßnahmen verschont.