„Schwester Gertrud“ starb 91-jährig

Gemeindeschwester und Tirol-Fan – Gertrud Zielke als sie noch in Wettmar lebte. (Foto: Renate Tiffe)

Erinnerung an eine Wettmarer Institution

Engensen (ti). Ihre Zeit waren die sechziger, siebziger und achtziger Jahre bis hinein in die neunziger Jahre, in denen viele in Wettmar sie noch kannten und in denen auf ihre Stimme gehört wurde. Gertrud Zielke war lange Jahre Gemeindeschwester in Wettmar, zuständig auch für Engensen und Thönse. Sie hat viel in der Seniorenarbeit getan und sie war Gründerin des bis heute lebendigen Tirolkreises.
Geboren wurde sie 1919 im Posenschen, dem östlichen Landstrich Europas mit der wechselvollen Geschichte im 20. Jahrhundert. Sie verließ Polen 1946 im Zuge der Familienzusammenführung und begann 1947 eine Schwesternausbildung in Frankfurt/Main. Durch die Heirat mit Eugen Zielke kam sie 1952 nach Hannover. 1962 wurde ihr Sohn Ulrich geboren  und 1965 ließ sich die Familie  in Wettmar nieder. Gertrud Zielke folgte dem Ruf des damaligen Ortsbürgermeisters „wir brauchen eine Gemeindeschwester“ und sie verschaffte sich damit die Stellung ihres Lebens. In enger Zusammenarbeit mit dem Arzt Dr. Gregor Ottlewski betreute sie vor allem alte Menschen - kompetent, couragiert und immer einsatzbereit. Sie ging in ihrem Beruf auf, sagt ihre Familie. Ihre Arbeit – damals die einzige Art sozialer Hilfestellung - war höchst anerkannt. Auch als in Burgwedel schon eine Sozialstation bestand, versah „Schwester Gertrud“, wie sie allgemein genannt wurde, ihren Dienst in Schwesterntracht und mit gestärkter Haube.
Aber sie beschränkte sich nicht allein auf ihren Beruf. Sie praktizierte auch das, was heute Seniorenarbeit genannt wird, lud ein zu Kaffeenachmittagen, Wanderungen und Fahrten. Ihre erste Tirolfahrt fand in Zusammenarbeit mit der AWO mit älteren Menschen statt. Danach wandte sie sich auch den Kindern zu, die sonst keine Möglichkeit hatten, aus den Familien herauszukommen. 1971 wurde der Tirolkreis gegründet und die erste der bis heute alljährlichen Fahrten gestartet. Es gab Zeltlager im Sommer, Faschingsfeiern, Filmabende und Bastelnachmittage im Advent, Winterwanderungen „rund um Wettmar“ und immer wieder Busfahrten, nach Hamburg, nach Westberlin, wo immer etwas los war. Gertrud Zielke war eine Macherin, die Menschen mitreißen konnte, auch wenn sie an anderer Stelle mal aneckte. Ein Berufsleiden zwang sie, ihre Schwesterntätigkeit 1977 aufzugeben. Den Tirolkreis gab sie 1980 in jüngere Hände, führte aber die Seniorenarbeit weiter.
1996, nach dem Tod ihres Ehemannes, zog Gertrud Zielke zu ihrem Sohn nach Engensen und lebte dort zehn Jahre. Am 24. Juli ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben. Nach einer Trauerfeier in der St. Marcus-Kirche wurde sie gestern auf dem Kirchfriedhof in Wettmar zu Grabe getragen.