Schwarzkehlchen haben erfolgreich im Grasbruch bei Fuhrberg gebrütet

Dieses Schwarzkehlchenmännchen wartet darauf, dass sein Nachwuchs auch auf den Weidepfahl kommt, um gefüttert zu werden. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
34 Brachvögel wurden in den vergangenen Tagen im Hastbruch beobachtet, acht von diesen zeigt das Foto. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Im Hastbruch bei Wettmar gaben 34 Brachvögel ein Gastspiel

BURGWEDEL (hhs). Es mag vielleicht an dem langen Winter liegen, dass in diesem Jahr in der Natur vieles anders läuft als in Normaljahren: Die meisten Rehkitze kamen erst Ende Mai, die Nachtigallen sind selbst in ihren angestammten Brutbiotopen erst vor drei Wochen eingetroffen und einige andere Vogelarten, die man in früheren Jahren hier allenfalls als Zufallsbegegnung während des Frühjahrszuges sehen konnte, sind nun im Bereich Burgwedel häufiger zu beobachten. Zu letzteren gehören Wacholderdrosseln in großer Zahl, die auch schon erfolgreich gebrütet haben , und Schwarzkehlchen. Im Grasbruch östlich von Fuhrberg wurden sie Mitte April dort zum ersten Mal gesehen: Ein bunt wirkender Vogel saß auf einem Weidepfahl, schwarzer Kopf, rote Brust und deutliche weiße Abzeichen waren auf die Schnelle zu bemerken, dann war er entschwunden. Ab Anfang Mai konnten mehrere Exemplare beobachtet und dann auch bestimmt werden: Es handelte sich um Schwarzkehlchen-Männchen, Dann wurde noch ein unbekannter Vogel entdeckt: etwas unscheinbar im Wesentlichen braun wirkend mit weißen Abzeichen und seitlichen Kehlfleck. Das waren die Weibchen. Nun wurde es interessant: Würden diese Fliegenschnäpperartigen dort brüten oder nicht?
Sie haben dort gebrütet, sechs Paare und alle scheinen unterdessen ihre erste Brut erfolgreich zu beenden. Zur Zeit kann man die schönen Vögel beim Füttern ihres Nachwuchses beobachten. Es hat den Anschein, dass insbesondere die Männchen sie dabei in die hohe Kunst des Fliegens einweisen. An einer Wiesenecke oben auf dem Draht begann die Fütterung. Die Jungen saßen dort, und das Männchen steckte ihnen Kleininsekten in den Schlund. Dann flog es kurz weg, suchte wieder Nahrung und setzte sich ein paar Meter entfernt von den Jungen auf den Draht. Sie flatterten dorthin, mehr oder weniger elegant, und dann begann der Vorgang aufs Neue, bis zur nächsten Wiesenecke. Dort waren sie dann schon recht behände in der Luft.
Während der Brutzeit ließen sich nur die Männchen blicken. Einen großen Teil des Tages verbrachten sie mit Singen: Sie saßen auf den vorjährigen Stängeln der Pflanzen, die über den frischen Bewuchs der Brachfläche herausragten und trällerten ihr etwas eintöniges, krächzend wirkendes Lied, manchmal viele hundert Mal hintereinander. Ab und an verschwanden sie für eine Viertelstunde im Bewuchs und suchten Insekten. Die Männchen dieser Art beteiligen sich nicht am Brutgeschäft, versorgen aber ihr brütendes Weibchen mit Nahrung. Dann flatterten sie wieder auf ihre Ansitzwarte und sangen weiter. Sie behalten dabei ihre Umwelt aufmerksam im Blick. Zeigt sich ein Bussard am Himmel, dann sind sie blitzschnell verschwunden, ist der Beobachter während der Brut zu unvorsichtig, sieht er die Vögel so schnell nicht wieder. Als einmal eine Ricke, die auf der Brache ihr Kitz gesetzt hatte, zu nahe an das Nest geriet, flatterte das Männchen solange schimpfend um das Reh herum, bis es offensichtlich genervt, einige Meter absprang.
Schwarzkehlchen brüten 14 bis 16 Tage, die Jungen fliegen nach zwölf Tagen aus und werden noch knapp zwei Wochen lang von den Elterntieren gefüttert. Dann beginnt eine zweite Brut mit dem Bau eines neuen Nestes, etwa drei Tage, einer weiteren Periode von fünf bis sechs Tagen zum Legen. Mit etwas Glück, Ruhe und gutem Wetter wird man dort in gut 40 Tagen vielleicht den Erfolg einer zweiten Brut bewundern können.
Schwarzkehlchen gelten in Niedersachen als sehr selten. Vor wenigen Jahren (2006) wurde ihr Bestand im gesamten Land auf etwa 1.000 Brutpaare geschätzt, was damals immer noch ausreichte, sie zu den regelmäßig hier brütenden Zugvogelarten zu zählen. Man muss davon ausgehen, dass diese Art gegenwärtig einen leichten Trend zur Ausbreitung ihres Areals zeigt: Es wird berichtet, dass der NABU Langenhagen im Frühjahr bei einer Wanderung im Umfeld des Bissendorfer Moores auch mehrere Schwarzkehlchen zu Gesicht bekommen hat.
Eine weitere kleine Sensation hat in den vergangenen Tagen im Hastbruch stattgefunden: Dort waren an einigen Tagen 34 Große Brachvögel zu bestaunen. Sie sind mehrfach beobachtet worden. Es handelte sich ausschließlich um Altvögel, die man gut an ihren gebogenen Schnäbeln erkennen konnte. Bei dem Trupp handelt es sich offensichtlich nicht um Exemplare, die im Hastbruch brüten. Sie pickten auf dem Grünland herum „wie die Hühner auf dem Hof“, freute sich ein Spaziergänger über den ungewohnten Anblick. Bei den Vögeln handelt es sich möglicherweise um herum vagabundierende Tiere, die in diesem Jahr noch nicht am Brutgeschäft teilnehmen. Soweit bekannt sind ähnliche Beobachtungen wie in den vergangenen Tagen im Hastbruch noch nicht gemacht worden.