Schutzzäune bleiben bis April

Elke Freytag ist eine von drei Personen, die am Schutzzaun im Lohner Wald die Amphibien zählt und übersetzt. Hier hat sie eine Erdkröte im Eimer entdeckt.
 
Auf Höhe des Waldbades zwischen Engensen und Ramlingen sorgt der Krötenfangzaun des NABU für den Schutz der Amphibien.

Geringe Aktivität bei der Krötenwanderung wegen zu kühler Nächte – Seit Februar wurden weniger als 100 Erdkröten gezählt

ISERNHAGEN (bgp). Wenn die Temperaturen steigen, beginnt im Frühjahr die Krötenwanderung. Zur Fortpflanzung suchen die weiblichen Tiere die Gewässer auf, an denen sie selbst geschlüpft sind und gut geeignete Lebens- und Wachstumsbedingungen vorgefunden haben. Als ortsgebundene Amphibien wandern die Tiere in jedem Jahr auf den gleichen Routen. Werden diese durch Straßen und Wege unterbrochen, geraten die Kröten sprichwörtlich „unter die Räder“. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wanderaktivität nachts erfolgt und die Tiere wegen ihrer dunklen Färbung für Autofahrer schlecht zu sehen sind.
Seit Jahren setzten sich Gemeinde und Naturschutzbund (NABU) dafür ein, die Amphibien vor dem Verkehrstod zu bewahren. Mit Krötenzäunen und nächtlichen Straßensperren sollen die Tiere während der Wanderungszeit geschützt werden.
An kritischen Stellen, wie etwa am Alten Postweg, der im Wald zwischen Autobahnbrücke und Lohner Parksee verläuft, gibt es nächtliche Sperrungen in der Zeit von 19 Uhr bis 8 Uhr morgens. Die daran anschließende Waldstrecke in Richtung Neuwarmbüchen ist auf der Nordseite von einem Krötenschutzzaun gesäumt, den die Gemeinde im Februar errichtet hat, da dort keine Sperrungen möglich sind. Das gilt auch für die Strecke zwischen Engensen und Ramlingen. Dort hat der Naturschutzbund (NABU) an der K117 einen Krötenfangzaun zum Schutz der Amphibien aufgebaut. Die Tiere werden in Eimern aufgefangen, einmal täglich gezählt und auf die gegenüberliegende Straßenseite gebracht. Von dort aus gelangen sie selbständig an die Laichplätze. Die Eimer haben unten Löcher zur Entwässerung und sind am Boden mit Laub bedeckt. Ein Stöckchen in jedem Eimer garantiert versehentlich hineingeratenen Mäusen und Käfern einen Ausweg.
Elke Freytag, Umweltschutzbeauftragte und Leiterin der Abteilung Umwelt und Grün bei der Gemeinde Isernhagen, teilt sich die tägliche Kontrolle der Eimer im Lohner Wald mit zwei weiteren Helfern. Sie zog am Dienstag eine erste Bilanz: „In diesem Jahr haben wir ein ungewohntes Bild, die Zahl der Erdkröten liegt noch unter 100, aber wir haben schon über 70 Teichfrösche gezählt“. Erstaunlich viele seien auch die 40 Bergmolche, die in den Eimern gezählt wurden. Somit habe die Zahl der Molche und Frösche zugenommen, die der Kröten eher abgenommen, resümiert sie.
Die Umweltschutzbeauftragte stellte fest, dass sich die Krötenwanderung in diesem Jahr über einen relativ langen Zeitraum erstreckt und im Vergleich zu den Vorjahren ohne richtige „Hochsaison“ ist. Die bisher geringe Wanderungsaktivität der Erdkröten führt sie auf die geringen Bodentemperaturen während der Nächte zurück. „Wenn die Temperaturen auch nachts höher sind, wird die Aktivität sicher noch zunehmen“, sagt sie. Im Jahr 2014 seien rund eintausend Kröten gezählt worden, in den letzten Jahren habe die Zahl allerdings abgenommen. „Es gab auch schon einen Morgen, an dem keine Kröte in den Eimern war, in der Hochsaison können durchaus 50 Kröten an einem Tag zusammen kommen“, berichtet Freytag. Die temporäre Sperre und der Krötenzaun werden laut der Umweltschutzbeauftragten voraussichtlich im April wieder abgebaut, da die Krötenwanderung dann vorüber sein wird.