Schulausschuss fasst Beschluss über die Kooperation von Haupt- und Realschule

Ungewohntes Bild im Schulausschuss: Etwa 70 Besucherinnen und Besucher hatten sich zur Sitzung eingefunden. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
„Wir brauchen einen Beschluss, die Haupt- und Realschule zusammenzufassen, damit die Verwaltung weiter arbeiten kann“, erklärte der Bürgermeister. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Ganztagsbetreuung an den Burgwedeler Grundschulen soll kommen

BURGWEDEL (hhs). Sie war eine denkwürdige Sitzung in mehrfacher Beziehung, die der Schulausschuss der Stadt Burgwedel am Dienstagabend hinter sich bringen musste: Zum einen stand die Schaffung eines Kooperationsmodells zwischen Haupt- und Realschule auf der Tagesordnung, mit dem Ziel, alle Schulformen in der Stadt Burgwedel zu erhalten und Durchlässigkeit in die anderen Schulformen zu gewährleisten. Zum Zweiten ging es um die Einführung der Ganztagsbetreuung an den Grundschulen, und zum Dritten waren etwa 70 Lehrer und Eltern anwesend, ein ungewohntes Bild für alteingesessene Ausschussbesucher. Meistens bleibt man bei diesen Anlässen eher unter sich. Immerhin war es ein Zeichen dafür, dass vielen Eltern dieses Thema auf den Nägeln brennt.
Der Ausschussvorsitzende Torsten Rieckenberg, CDU, fasste eingangs noch einmal die Ausgangslage zusammen: Die Entwicklung der Schülerzahlen an der Hauptschule und die Anmeldungen Burgwedeler Hauptschüler an den Integrierten Gesamtschulen in der Wedemark und Langenhagen habe die Stadt Burgwedel gezwungen, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie ein Schulangebot vorhalten könne, das für die Schülerinnen und Schüler und auch für ihre Eltern interessant sein könne. „Wir wollen eine Kooperation von Haupt- und Realschule und eine Zusammenarbeit mit dem Gymnasium und den Berufsbildenden Schulen“, brachte es Rieckenberg auf den Punkt. Jede der bestehenden Schulformen in Burgwedel solle dabei erhalten bleiben.
Der Ortsrat hatte sich einen kompetenten Referenten dazu eingeladen, Carsten Huge, Schulleiter einer Hauptschule in Gehrden, die vor zwei Jahren gemeinsam mit der Realschule ein derartiges Kooperationsprojekt mit Erfolg, wie er sagte, umgesetzt hat. Huge erläuterte, dass in Gehrden dieselbe Problemlage wie in Burgwedel vorgelegen habe, die Hauptschüler wanderten ab, Haupt- und Realschule waren in ihrem Bestand gefährdet. Man habe in Gehrden zunächst versucht, den Standort für Schüler attraktiver zu machen und die Ganztagsbetreuung eingeführt an vier Wochentagen und den Verbund gesucht mit den Berufsbildenden Schulen in Springe. Sofort sei die Nachfrage der Eltern gestiegen. Gegen die Gründung einer Kooperativen Gesamtschule habe vor allem die geringe Durchlässigkeit in den gymnasialen Bereich gesprochen. So sei nur die Zusammenarbeit von Haupt- und Realschule als sinnvoll erschienen. „Die einzigen, die damit überhaupt kein Problem hatten, waren die Schülerinnen und Schüler“, so Huge. Die Schülerzahlen seien angestiegen, es habe sogar viele Rückläufer aus der KGS gegeben, schließlich waren alle Bedenken gegen das Kooperationsmodell ausgeräumt. „Die Gemeinsamkeiten beider Schulen sind das Wichtigste“, so Huge weiter. „Die eigentlichen Kernaufgaben beider Schulen müssen erhalten bleiben“. So würden an beiden Schulformen die Kernfächer Deutsch, Mathematik und die Fremdsprache schulspezifisch unterrichtet, die übrigen Fächer schulübergreifend. Die Realschüler hätten ab Klasse 9 die Möglichkeit, sich in den Wahlpflichtangeboten und den Kernfächern von Gymnasiallehrern unterrichten zu lassen. Damit seien alle Möglichkeiten der Durchlässigkeit vollkommen offen. Etwa 15% der Realschüler würden in die Wechselklasse 10 gelangen, Es gebe auch eine Fluktuation von Gymnasium zur Realschule. „Man muss versuchen, den Realschülern ein klares Profil zu geben“.
An dieser Stelle wurde die Einwohnerfragestunde „dazwischen geschoben“. Die anwesenden Lehrer sprachen sich für die Kooperative Gesamtschule aus, einige Eltern wollen von den Fusionsplänen nichts wissen. Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt, der zu dieser Ausschusssitzung anwesend war, wies darauf hin, dass gegenwärtig eine Diskussion einer KGS oder einer IGS für Burgwedel keinen Sinn mache, weil für beide Schulformen die Schülerzahlen in der Stadt zu gering sind. Giesela Giesche-Lazar, Ausschussmitglied für die SPD, brachte ihren Unmut über die Situation auf den Punkt: „Ich erwarte die Mitarbeit der beiden Schulen. Es geht nicht an, die bestehenden Probleme einfach zu negieren“, redete sie den Lehrern ins Gewissen.
„Wir brauchen einen Beschluss über die Möglichkeiten, die Haupt- und Realschule zusammenzufassen, damit die Verwaltung weiter arbeiten kann“, forderte Dr. Hendrik Hoppenstedt die Ausschussmitglieder zur Beratung auf. Dementsprechend stimmte dann auch der Ausschuss dafür, das Konzept einer Zusammenarbeit beider Schulen weiter zu verfolgen und die Zusammenarbeit zwischen Hauptschule und Berufsbildenden Schulen zu forcieren.
Die Ganztagsbetreuung in den Grundschulen der Stadt Burgwedel kommt, wahrscheinlich stufenweise. Das war der zweite wesentliche und richtungsweisende Tagesordnungspunkt an diesem Abend. Das Angebot einer Ganztagsbetreuung an den Grundschulen soll nicht verpflichtend sein und nicht schlechter als das in den Horten praktizierte, sagte Christiane Concilio, Schulamtsleiterin. Die Betreuung solle von den bisherigen Partnern der Ganztagsbetreuung und dem Hortpersonal nachmittags in der Grundschule übernommen werden. Die Stadt Burgwedel könne so die nachmittags leer stehenden Schulräume nutzen und müsse keine weiteren baulichen Investitionen tätigen. Zur nächsten Sitzung des Schulausschusses will die Verwaltung Vorschläge tätigen, an welchem Schulstandort man mit der Ganztagsbetreuung beginnen wolle.